aus dem Hütten abgeholten speisen und Weine wohl schmecken liessen, ausser diesen aber war noch ein ganz besonderes Gerichte von einer Art ungemein grosser, wie auch mittelmässiger und kleiner Fische, welche unsere Leute lebendig herbei gebracht hatten, und die alle, in Wahrheit gegen andere Arten von Fischen einen ganz besonderen Geschmack hatten; es waren aber diese Fische in der Klein-Felsenburgischen grossen See und den daraus fliessenden kleinen Ströhmen und Bächen gefangen worden. Auser diesem allen wurde ich mit besonderen Vergnügen gewahr, dass alle unsere Leute, so wohl Römisch-Catolische, als Protestanten, sich in jeglicher Gesellschaffts-Sorte auf die Seite begaben, und den Gottesdienst, ein jeder nach seiner Weise, verrichteten.
Desto schreckhaffter aber kam mir und allen Anwesenden die Tragœdie vor, die bald hernach der Satan spielete, und welche ich etwas umständlich vortragen will. Als demnach die Printzessin, ihre Wart-Frau Anna, ich und noch einige meiner vertrautesten Felsenburgischen Freunde gegen Untergang der Sonnen bei der ganz ungemein angenehmen Witterung einen Spaziergang nach einem kleinen Gebüsche zu nahmen, so traffen wir unter Weges den Stein an, dessen ich schon gedacht, deswegen verlangte Mirzamanda, Müdigkeit halber, ein wenig auf demselben auszuruhen, setzte sich also zwischen mir und der Anna auf demselben nieder, unsere übrigen Geferten lagerten sich auf dem schönen grünen Grase-Boden um uns herum, der Löwe kam, legte seinen Kopf seiner Gebieterin in den Schooss, Hadscha aber, als der Printzessin Aufwarte-Mägdgen, fiel abermals hinter ihrer Gebieterin auf die Knie nieder, hub ihre Augen beständig gegen Himmel und nach dem grossen Berge zu, als welcher letztere sonderlich den Augen aller Anwesenden einen bewunderns-würdigen Anblick verursachte, weilen die matten Strahlen der untergehenden Sonne und die aufsteigende, allerhandfärbige Abendröte denselben, allem Ansehen nach, fast als einen Spiegel zu gebrauchen schienen. Indem sich aber die Sonne kaum gänzlich verkrochen hatte, liess es auf dem Berge nicht anders zu sein, als ob ein helles lichterlohes Feuer auf dessen allerobersten Gipfel brennete, ja, man sah so gar Funcken heraus und gegen Himmel fliegen, eben als ob dieser Berg es andern Feuerspeienden Bergen, als dem Aetna, Vesuvius und deren gleichen mehr, auf einmal nachtun wolte; Jedoch die allermeisten unter uns waren der Meinung, dass es kein würckliches natürliches Feuer, sondern ein bloses Blendwerck wäre, welches von den Sonnen-Strahlen und der Abendröte gemacht würde. Hadscha aber gab uns binnen wenig Minuten ganz etwas anders zu erfahren, denn sie sprunge plötzlich von der Erden auf, und tat etliche dergestalt hellkungende Schreie, welche in denen Gebürgen ein grässliches Echo verursachten, so, dass wir alle in ein nicht geringes Entsetzen gebracht wurden. Hierauf lieff sie, die Hadscha, noch schneller als ein Hirsch über 500. Schritte weit von uns nach dem Berge zu; Anna bat sich aus, es möchten 2. oder 3. dreuste Manns-Personen mit ihr gehen, um dieses törichte Mensch wieder zurück zu holen, und hierinnen wurde ihr sogleich gewillfahret: denn es fanden sich ohne unsern Befehl und Willen nicht nur 2. oder 3. sondern 8. bis 10. dreuste Felsenburger, welche mit der Anna der Hadscha nacheileten. Diese Nacheilenden mochten aber wohl kaum den halben Weg nach dem grossen Berge zu zurück gelegt haben, als Vincentius ganz tiefsinnig gegen uns, die wir noch bei der Printzessin versammlet waren, anspatziert kam. Ich rieff ihn zu mir, ein Glas Canari-Sect Bescheid zu tun, und da er kam, so erzehlete ich ihm, was uns begegnet wäre, vornemlich aber die geschichte mit der Hadscha, als welcher wir vor kurtzer Frist Boten nachgeschickt hätten. Eurer aller Mühe (sprach hierauf Vincentius) wird vor diesesmahl wohl vergebens sein, weilen der Satan, dem diese Hadscha, als eine Anbeterin des Feuers und Ertz-Verächterin des Christlichen Glaubens von Jugend auf, bis auf diesen heutigen Tag, gedienet, vor kurtzer Zeit den Hals gebrochen, welches ich, so weit es auch euch zu sein vorkömmt, dennoch ohne Perspectiv mit meiner leiblichen Augen gesehen habe.
Man kan leicht glauben, dass uns diese Worte des Vincentii ein nicht geringes Schrecken verursachten: jedoch, da wir doch abwarten wolten, was die Nachgeeileten uns vor einen Bericht erstatten würden, so machten wir Feuer an, uns zu wärmen, weilen es allmählich gar zu kühle zu werden begunte; durfften aber besagten Nachgeeileten nicht länger, als noch etwa 2. Stunden entgegen sehen, da denn dieselben benebst der Frau Anna gesund und frisch zurück kamen. Ihr Bericht war dieser: dass sie die Hadscha noch ganz unten am fuss des grossen berges angetroffen, da sie denn Frau Anna, mit ganz freundlichen Worten bereden wollen, wieder mit ihnen zurück und zu ihrer Printzessin zu kehren; allein Hadscha hätte sich fast ganz rasend angestellet, wäre immer fort geeilet, wobei sie diese Worte ausgestossen: Hebet euch weg von mir! lasset mich gehen! ich will, soll und muss heute meine Andacht verrichten, denn dieses ist eben der Tag meines Heils. Wie man nun, (so lautete der Bericht ferner) gesehen und gespüret, dass weder der Frau Anna, vielweniger der andern Zureden, etwas bei dieser verzweiffelten person fruchten wollen, so hätte man ihr endlich ihren garstigen Willen gelassen, da sie denn eine sehr steile Klippe hinauf, und zwar einem ziemlich grossen Feuer entgegen geklettert, jedoch, ehe sie noch die Spitze derselben vollkommen überstiegen, wäre, nachdem man einen