, als worzu sie unfehlbar durch die Betrachtung ihres damahligen Zustandes angetrieben wurde. Hergegen küssete ich ihr die hände zu vielenmahlen, und gab in zusammen gestoppelten halb Holländischen, halb Lateinischen Worten derselben so viel zu vernehmen, dass sie getrost und gutes Muts sein möchte, weilen wir vor ihr Wohlsein alle möglichste sorge, und zwar vom heutigen Tage an, aufrichtig tragen wollen, damit sie sich binnen kurtzer Zeit darüber zu erfreuen ursache haben könnte.
Kaum hatte ich diese letztere Rede vollendet, so kam ein schöner grosser Löwe mit sachten Schritten auf uns zu gegangen, weswegen ich meine bei mir habende Flinte zur Hand nahm, als mit welcher ich unter währenden Lustwandeln etliche Vögel von den Bäumen herunter geschossen, und worüber die Printzessin ein besonderes Vergnügen bezeugt hatte; machte mich also fertig, daferne der Löwe näher käme, Feuer auf denselben zu geben; So bald aber Mirzamanda diese meine Anstalten merckte, und sah, fiel sie mir zum Füssen, und sagte: Ach nein, mein Herr! unterlasset, dieses schöne Tier zu tödten, denn es ist, ob es gleich ein wehrhaffter Löwe ist, von seiner allerzärtesten Jugend an, so zu sagen, mein SchoossHündlein gewesen, er beleidiget auch niemanden anders, als diejenigen, so meine person beleidigen oder verletzen wollen, denn ich habe diesen Löwen ganz allein auferzogen, und dieserwegen hat er sich auch nicht gescheuet, mir über die See bis an diesen Ort nachzufolgen.
Ich liess diese Geschichts-Erzehlung anfänglich auf ihrer Wahrheit oder Unwahrheit beruhen, doch ungeachtet die Printzessin selbige auf eine ganz angenehme Art vorbrachte, so hatte ich noch immer einen heimlichen Grauen und Abscheu, so lange ich den Löwen um uns herum wandeln sah, endlich aber, da sie ihn ruffte, kam er ganz kleinmütig zu ihren Füssen gekrochen, küssete ihr alsobald die hände, welches er denn auf ihrem Befehl, auch mir und der Frau Anna tun muste, hernach weltzete er sich etlichemahl auf der Erde herum, und legte sich darauf zu ihren Füssen, blieb auch so lange stille liegen, bis wir alle drei aufstunden, und uns weiter hin nach den Feuern begaben, wo sich unsere übrige Gesellschafft zum Genuss der Abend-Mahlzeit versammlet hatte. Es war manchem und mir selbst einiger massen lächerlich anzusehen, dass die Printzessin den Löwen an ihren zusammen geknüpften Strümpfe-Bändern mit sich geführt brachte, anbei aber zu bewundern, dass sich kein eintziger Mensch vor dieser grimmigen und grausamen Art der Tiere so gar besonders scheuete und entsetzte, da doch sonsten eine blose Löwen-Haut so wohl Menschen als Tieren, jedoch einem vor dem andern, einiger massen Furcht und Schrecken einzujagen pflegt. Bei dieser meiner Verwunderung tat ich die heimliche Frage an den Vincentium: was wohl von diesem Löwen zu halten sei, und ob es ein würcklicher natürlicher Löwe, oder nur eine blose Machine wäre, mit welcher die Geister ihr Spiel trieben? Hierauf gab uns Vincentius diese Antwort: Ich will nimmermehr auf dieser Welt glücklich werden, wenn dieses nicht ein würcklicher und natürlicher Löwe ist, mit dem zwar in Persien die bösen Geister allerhand Gauckel-Spiele getrieben haben; Jedoch dieses alles ist vorbei, und gehet uns allhier nichts an. Genug, wenn ich euch dieses nochmahls hoch und teuer versichere, dass es ein bloser natürlicher Löwe, allein, durch die kluge und behutsame Auferziehung seiner Printzessin dahin gebracht ist, dass er fast mehr Verstand, als mancher Mensch im Gehirne hat.
Nachdem nun Vincentius mir alles, was er von dem Löwen gesagt, noch mit vielen Eid-Schwüren beteuert, verschwand nicht allein bei mir aller Argwohn und Misstrauen, sondern auch die Furcht vor dieser wilden Bestie, ja! ich gewann den Löwen dergestalt lieb, dass ich fast nirgends hingehen konte, wenn ich den Löwen nicht bei mir sah, als woraus sich die Mirzamanda ein besonderes Vergnügen machte. Jedoch auf das vorige zu kommen, so war doch zu bewundern, dass dieser Löwe, als er uns zum erstenmahle mit der Printzessin bei der Abend-Mahlzeit besuchte, sich hinter seine Gebieterin stellte, und derselben also aufwartete, wie bei uns die abgerichteten Hunde aufzuwarten pflegen; nach diesem legte er sich vor ihr nieder, seinen Kopff in ihren Schooss, und liess sich von ihr speisen, hierauf ging er weiter von einem zum andern, und wer ihm einen rechten wohlschmekkenden Bissen zu verschlingen gab, dem leckte er nicht allein die hände, sondern auch zum öfftern das gesicht, welches denn zu verschiedenen mahlen bei uns, zu einer hefftigen Verwunderung und vielen lachen Anlass gab. kurz: der Löwe führte sich dergestalt artig auf, dass ihn ein jeder von uns liebte, und in besonderen Ehren hielt.
Nachdem wir abgeredeter massen noch die Woche daselbst zugebracht, in den Werckel-Tagen manchen sauren Schweiss-Tropfen vergossen, da uns Vincentius nicht allein in dem Heiden-Tempel, sondern auch in den neben liegenden Grotten dergestalt viel Arbeit angewiesen, dass wir von Morgen an bis zur AbendsZeit alle hände voll zu tun fanden, wobei aber niemand saul oder verdrüsslich wurde, weilen wir mit offenen Augen betrachten konnten, wie unsere Mühe von Zeit zu Zeit 100. (ja ich lüge nicht, wenn ich sage, 1000, sache) belohnet war; so beschlossen wir noch den einen Sonntag abzuwarten, und des darauf folgenden Tages nach unsern Hütten zu kehren. Es wurde also bemeldter Sonntag ohne Arbeit, sondern in gutem Vergnügen zugebracht, weiln wir uns hauptsächlich die von unsern Leuten