, damit wir einander recht in die Augen sehen, und fernerweitige Worte wechseln könnten. Sie leisteten also Gehorsam, und folgten uns heraus in die freie Lufft, da wir uns denn alle nicht genugsam über die besondere Schönheit der Persianischen Printzessin verwundern konnten, die, ob sie gleich eine Brunette ist, wenig Blondinen gegen sich hat, welche sie an der actigen Gesichts-Bildung übertreffen sollten. Zum guten Glücke hatten einige von meinen Freunden noch ein paar Bouteillen Canari-Sect nebst etwas Confect und andern eingemachten Sachen bei sich, deswegen langete ein jeder hervor, was er hatte, um nur diesen furchtsamen und verdüsterten Seelen oder Cörpern einen frischen Mut zuwege zu bringen. Sie nahmen alles an, was man ihnen reichte, führeten sich aber sehr schamhafftig und mässig im Essen und Trincken auf, endlich aber wurde ich gewahr, dass die Furcht nach und nach bei allen, dreien verschwande, und ihre Geister wieder lebendig zu werden schienen, welches uns allen denn ganz sehr angenehm war.
Indem wir aber allgemach von unserer Rückreise zu reden anfiengen, zumahlen, da der Proviant mehr ab- als zunahm, so zog Vincentius nebst andern guten Freunden auch mich auf die Seite, und stellte vor, dass, weilen wir einmal doch da wären, er aber versichern könnte, dass noch weit wichtigere Sachen zu unserm Nutzen abgehandelt werden könnten, wenn wir uns nur wenigstens noch eine ganze Woche in dieser Gegend aufhielten; so höreten wir vorher erstlich dessen deutlichere Erklärungen an, und da wir vieles darinnen fanden, welches unserm herzen wohl gefiel, so wurde gleich in der Geschwindigkeit beschlossen, noch einen Sonntag in dieser Gegend abzuwarten, um zu erfahren, ob des Vincentii Versprechungen und Künste fernerweit so gut eintreffen und wohl ablauffen würden, als wir eine Zeit daher von ihm bereits durch viele Proben vergewissert waren.
Demnach wurden ohne ferneres Bedencken 20. der hertzhafftesten und hurtigsten Felsenburgischen Männer und Junggesellen nach unsern Hütten geschickt, um Proviant und was uns sonsten etwa mangelte, so bald als immer möglich, herbei zu schaffen. Wie nun dieselben diese Strapaze mit Lust angetreten hatten, so sahen wir sie am Abende des dritten Tages nach ihrem Weggehen glücklich und wohl beladen zurückkommen: Denn sie hatten sich Trage-Bahren gemacht, auf welchen sie alles, was unser Hertz begehren konte, im Uberflusse herbei brachten, ja, sie wolten nicht einmal eingestehen, dass ihnen diese Reise sauer angekommen wäre, indem sie lauter Zeitkürtzende gespräche unter sich geführt, bei der Tragungs-Last aber immer einer den andern nicht mit Verdruss, sondern mit gröster Lust abgelöset hätte.
Vor allen Dingen aber muss ich die besondere Begebenheit zu melden nicht vergessen, welche des Abends vor der Zurückkunfft unserer Ausgeschickten vorging: Denn, da ich mit der Printzessin und ihrer Wart-Frau, die sich Anna nennete, bei der kühlen angenehmen Abend-Lufft auf etwa 100. Schritt weit vom Berge und der übrigen Gesellschafft Lustwandeln ging, traffen wir unterwegs einen grossen ausgehauenen viereckigten Stein an, vor welchem die Printzessin erstlich wohl eine Minute lang stehen blieb, hernach aber sich auf denselben niedersetzte, und so wohl mir, als der Anna mit Worten und Zeichen zu vernehmen gab, dass wir beide uns neben sie setzen sollten; wie nun dieses geschehen, und wir die Printzessin also in der Mitte hatten, rieff diese ihrer Bedientin, welche auch nicht weit von uns entfernet war, da wir denn sahen, dass das Mägdgen dem Ruffe augenblicklich gehorsamete, und sich hinter der Printzessin rücken auf die Knie niederliess, und zwar ganz stillschweigend, ohne sich mit den Händen, oder sonsten mit dem leib zu bewegen.
Mirzamanda, (dieses ist der Nahme der Persianischen Printzessin) fing an, in einer verdorbenen und vermischten Sprache folgendes mit mir zu reden: (doch weilen die allermeisten Worte Holländisch auch zum teil Lateinisch waren, so konte ich vorerst doch nur so viel verstehen, dass sie mich dieses fragte) Mein Herr! es hat mir meine Anna sehr viel von den Christen, ihrem Christentume, und sonderlich von einem gecreutzigten Heilande vorgeschwatzt, welcher alle Sünder, wenn sie sich nur im wahren Glauben an sein Verdienst zu ihm wendeten, nicht nur zeitlich, sondern häuptsächlich ewig selig und glücklich machen wolte und könnte. Darum bitte ich gehorsamst, mir zu eröffnen, ob ich in diesem Stücke vollkommen recht berichtet, oder nur etwa bei der Nase herum geführt bin?
Allerwerteste Printzessin (gab ich ihr zur Antwort) Sie sind von der Frau Anna nicht im allergeringsten belogen noch betrogen worden, sondern es hat dieselbe einen vortrefflichen guten Grund zu Dero wahren Christentum gelegt; der gecreutzigte Heiland, als wahrhaffter GOtt und Mensch, wird, wenn Sie ihn fleissig anruffen, verleihen, dass Sie nicht allein hier auf dieser Welt glücklich, hauptsächlich aber nach Ihrem tod, im Himmel ewig selig werden. Jedoch, weil bei unsern jetzigen Umständen von dieser wichtigen Sache, zumahlen wegen Kürtze der Zeit, nicht viel gründliches gesprochen und überlegt werden kan; so verlassen Sie sich in diesem Ihren christlichen Glauben nur auf unsere christliche Vorsorge und Beihülffe, als womit Sie nicht betrogen, sondern durch den gecreutzigten Heiland gesegnet werden sollen.
Ich merckte, dass diese meine Worte der Mirzamanda sehr wohl gefielen, indem sie solches mit freudigen Geberden zu erkennen gab, auch mir so gar die Hand küssen wolte; allein diese Höflichkeit schien mir, vor eine Printzessin etwas gar zu sehr niederträchtig, da sie sich doch sonsten gegen jederman sehr demütig und gelassen aufführete