. Felsenburgischen Geferten, welche Säcke bei sich führeten, auf den Weg, und empfand erstlich in Wahrheit, dass sich die Rute in meinen Händen sehr öffters regte und bewegte, bis sie endlich, da wir ohngefehr 4. bis 500. Schritte nach der kleinen See zu, fortgewandert, auf einmal ganz plötzlich aus meiner Hand sprung, und auf einem kiesigen Erdreich liegen blieb. Meinē Geferten und ich machten uns also an die Arbeit (um zu erfahren, ob wir belogen oder betrogen wären) und kratzten in möglichster Geschwindigkeit, auch so gar mit den blosen Händen, die oberste Erde, Kiess und Steine weg, da wir denn, weiln nach dem Untergange des Sonnen-Cörpers es noch ziemlich helle war, so viel sehen konnten, dass sich die feineste weisse Materie erhub, welche wir dem Geschmacke nach, sogleich vor das allerbeste Saltz erkannten, unsere 3. Säcke damit anfülleten, die Stätte und Gegend wohl bezeichneten, und uns hernach wieder zu der übrigen Gesellschafft begaben. Vincentius machte die erste probe mit diesem unsern gefundenen Saltze, indem er vor sich allein verschiedene grosse, mittelmässige und kleine Fische gebraten, und dieselben stark damit würtzete, ja fast über die Gebühr, um uns nur den Argwohn zu benehmen, als ob dieses Saltz etwa ein gifftiges Saltz wäre; allein es ist es nicht, sondern wir haben nach der Zeit befunden, dass diese und noch mehrere herum liegende Saltz-Gruben das allerbeste und kostbareste Saltz in sich führen.
Nachdem wir aber damahls uns alle wohl gesättiget, und um die angemachten Feuer herum gelagert, der Ruhe zu erwarten, höreten wir ungefähr in der Mitternachts-Stunde eine stimme zu dreien verschiedenen mahlen dergestalt stark ruffen, als ob dieselbe durch ein Sprach-Rohr redete, und zwar, so kam der Schall aus dem gegen uns über liegenden hohen Berge, die Worte aber waren diese: Vincent, Allah! Dio. Wie nun ich bemerckte, dass Vincentius munter war, so fragte ich ihn, als ich die stimme zum dritten mahle ruffen, und noch etliche mehrere Worte aussprechen hörete: was dieses zu bedeuten hätte? Hierauf trat er auf, und rief etliche mahl mit lauter stimme Allah! Allah! Dio. Wendete sich hernach wieder zu mir, und sagte: Mein Herr! diese stimme kommt aus dem Heiden-Tempel unter dem grossen hohen Berge, welchen ihr, wie ich vernommen, schon vor einiger Zeit zerstöhret habt, allein dieses soll uns nicht irren, Morgen, so GOtt will, gleich mit anbrechendem Tage uns auf die Füsse zu machen, und unsern christlichen Gottesdienst in diesem ehemahliger Heiden-Tempel zu verrichten, wir werden auch, wie ich euch ganz gewiss versichern kan, keine Gespenster oder Geister darinnen antreffen, sondern nur drei menschliche lebendige Personen.
Ich meines Orts brachte vor Grillen wegen dieser neuenn Begebenheit den wenigen übrigen teil der Nacht ohne allen Schlaf zu; so bald aber der Himmel zu grauen anfieng, machte ich nicht allein den Vincentium, sondern auch alle meine Freunde munter, da wir denn nach gesprochenem Morgen-Gebet uns abermals auf die Reise, nach dem grossen Berge O zu, begaben. Die meisten unter uns wusten in selbiger Gegend von vorigen zeiten her noch guten Bescheid, und eben dieserwegen fiel uns der Weg eben so gar sehr verdriesslich nicht. kurz: nach dem wir den grossen Wald glücklich passiret, gelangeten wir in den Mittags-Stunden alle gesund und frisch am O Berge an, fanden auch bald die Wege, in den so genannten Heiden–Tempel zu gelangen. Vincentius ging voran, und sprach uns immer guten Mut zu, weiln im Tempel alles stockfinster war; jedoch es wurde auf einmal heller-lichter Tag darinnen, so, dass wir sehen konnten, wir sich 3. lebendige Menschen in einen Winckel verkrochen hauen, die aber auf die Anrede des Vincentii sogleich hervor traten, und eben so seltsame Complimenten gegen uns machten, als ihre Kleidungen beschaffen waren. Ehe wir was weiteres vornehmen, meine Freunde! (sagte Vincentius allhier) wollen wir erstlich ein jeder nach seiner Religion unsere Andacht verrichten; welches denn auch geschahe. Als dieses vorbei war, trat die älteste person von diesen dreien hervor, und redete ihn, ich möchte fast sagen in einer kauderwellischen Sprache, wovon ich aber doch sehr viel verstehen konte, erstlich ohngefehr mit folgenden Worten an: Ihr Herren! meinem Bedüncken nach, muss ich euch vor Christen erkennen, welches ich daraus schliesse, weil ihr das Zeichen des heiligen Creutzes so offt vor eure Brüste und Stirnen macht.
Da ich nun weiss, dass die Christen barmhertzige Leute sind, so erbarmet euch doch einer armen von aller Welt verlassenen Persianischen vornehmen Printzessin, deren Wart-Frau ich bin, und dieses bei uns stehende Mägdgen ist ihre Bediente. Es ist die Printzessin zwar nicht arm an zeitlichen Gütern, nämlich an Gold, Silber, Perlen und Juwelen, als welche Schätze an sichern Orten verwahrt liegen; allein sie ist dennoch arm, weilen sie darum verfolgt wird, dass sie keine Feuer-Anbeterin werden, sondern eine rechte Christin bleiben will; da sie sich bloss allein in das Christentum und in den wahren allein seligmachenden Glauben verliebt hat, auch durch keinen Marter-Zwang sich davon abtreiben zu lassen gesonnen ist. Vincentius gab hierauf zur Antwort: wie er diese Sache erstlich mit seinen Geferten überlegen müsste, inzwischen möchten sie nur erstlich alle drei aus dieser Höhle heraus, und an das Tages-Licht kommen