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den Unserigen schaffen, und so bald, als möglich, wieder zurück kommen sollten. Nachdem nun Vincentius mich und meine beiden Herren Beistände ersucht, mit ihm annoch vorher in etwas spatziren zu gehen, inmassen er uns noch viele wichtige Dinge zu offenbaren hätte, als folgten wir ihm nach, und erfuhren solche Geheimnisse aus seinem herzen und mund, von welchen wir uns vorher keine Vorstellung machen können; weiln aber voritzo, gewisser Ursachen wegen, ein billiges Bedencken trage, dieselben zu wiederholen, so verweise einen jeden treugesinneten Felsenburger an unser ordentlich Archiv, (als worin die dessfalls unsere damahlige getane Aussage protocolliret worden, um seine Curiositée zu vergnügen, weiln ein solches keinem Treu-meinenden zum Lesen abgeschlagen wird.

Gleich des darauf folgenden Tages machten wir uns reisefertig, um mit unsern Booten fort zu rudern; welches denn auch geschahe, nachdem wir nicht allein den silbernen Sarg, sondern auch alle 53 Urnen eingeschifft, von den Portugiesen, unter Versprechung baldiger Zurückkunfft, Abschied genommen, und bei ihnen 12 Mann der hertzhafftesten Felsenburger da gelassen hatten. Es ist leicht zu erachten, dass die Unserigen über unsere glückliche Zurückkunfft eine besondere Freude, wie auch über die mitgebrachten Antiquitäten eine ausnehmende Verwunderung gehabt; Nachdem aber dieser letzteren wegen verschiedene Zusammenkünfte von den Aeltesten und der Geistlich keit gehalten worden, wurde endlich beschlossen, von allen diesen Sachen fernerweit nichts anzurühren, sondern dieselben, (weiln wir nicht wüsten, ob es Christen oder Heiden, wenigstens Menschen gewesen, die an den allerhöchsten GOtt geglaubet hätten) zwar nicht auf unsern ordentlichen Gottes-Acker, viel weniger in unsere Kirche zu bringen; sondern es sollte hinter unserm Kirch-Turme, als welches Plätzgen sich wohl dazu schickte, ein besonderes Gewölbe angemauert, und alle diese Sachen, so wohl der Sarg als die Urnen hinein gesetzt, auch wohl verwahret werden, damit nicht etwa Unmündige und Unverständige sich daran vergreiffen möchten. Dieser Schluss und Verordnung gefiel mir zwar gewisser massen wohl, allein, die angebohrne Curiositée protestirte darwider, indem ich gern weiter und besser untersuchen wolte, was etwa hie und ha, so wohl in dem Sarge, als in den Urnen versteckt sein möchte, denn ob mir zwar an Golde, Silber Diamanten, Perlen und andern Edelgesteinen so wenig, als an meinem hut gelegen, den ich noch jetzt auf dem kopf trage; so reitzeten mich doch eine und andere erblickten MüntzSorten an, meiner Neigung vor dissmahl Folge zu leisten, und das abergläubige Sprichwort: Man solle die toten nicht berauben etc. gewisser massen hinten an zu setzen.

So bald ich demnach meine gedanken den mir allervertrautesten Freunden, die ich eben jetzt mit Namen zu nennen Bedencken trage, fanden sich ihrer 6. die nicht allein mit mir einerlei Meinung hegten, sondern sich auch, nachdem das gemauerte Gewölbe fertig, und der Sarg so wohl als die Urnen in bester Forme hinein gebracht waren, wenig Tage hernach, und zwar nicht etwa um die Mitternachts-StundenZeit, sondern ganz früh Morgens mit aufgehender Sonne, zugleich mit mir in das Gewölbe begaben, da wir gewiss, bei noch dazu angezündeten Wachs-Kertzen, unserer Neugierigkeit ein sehr starckes Vergnügen leisteten, denn wir fanden unter den gold- und silbernen grossen Medaillen einige Stück, deren Zeichnungen diese waren: wie der Welt-Heiland Christus am Creutze hieng wieder andere, da die Mutter GOttes Maria das Christ Kind auf dem arme trug; anderer so genannter Schaustücke oder Medaillen, auf welchen die Bildnisse der heiligen Aposteln und Evangelisten mit leserlichen Umschrifften befindlich, zu geschweigen, wie ich denn auch von dem zur übrigen Politischen Historie einschlagenden Müntzen jetzt gar nichts reden will, weilen ein solches mir ohnedem zu weitläufftig und verdriesslich fällt, ein jeder Curiosus aber dieselben in unserm Archiv und Biblioteque alltäglich zu sehen bekommen kan.

So bald demnach alles dieses in möglichster Stille nach meinem Wunsche zum stand gebracht, wir auch erfahren, auf was vor Art die Unserigen den verdamten körper des Lemelié von sich geschafft, hatte ich weder Ruh noch Rast, bis ich wieder eine abermahlige Reise nach der Insul Klein-Felsenburg antreten konte. Und diese geschahe ohne fernere weitläufftige Uberlegung wenige Tage hernach in Begleitung vieler der allervertrautesten und sonst hertzhafften Freunde. Vor die Klein-Felsenburger nahmen wir also auf 3 Booten abermals einen starcken Vorrat von Lebens-Mitteln, und zwar der allerbesten und lekkerhafftesten, welche so wohl den Unserigen als unsern Gästen, die uns einer so wohl als der andere mit ausgereckten Armen zur Bewillkommung entgegen gelauffen kamen, ein nicht geringes Vergnügen erweckten. Wir fanden alle noch gesund, frisch und lustig, so, dass man ihnen keinen Hunger, Kummer, oder Not ansahe, denn sie hatten sich binnen der Zeit mit Essen und Trincken wohl gepflegt, waren zum öfftern Lustwandeln gegangen, und hatten auser den vorigen, die wir schon mitgenommen, noch 19 herrlich schöne Urnen ausgegraben, ingleichen die Minions vertilgt, von welchen sie mehr als 100 Bälge aufzeigten, sonsten aber war ihnen ganz und gar nichts schrekkhafftes oder wiederwärtiges begegnet. Nachdem wir nun 2. Tage ausgeruhet, und uns die niedlichsten speisen und Geträncke wohl bekommen lassen, trat Vincentius auf, und sagte: So zu leben ist keine Kunst, meine Herren und Freunde! allein, ich halte nicht vor ratsam, dass wir so länger auf der Bärenhaut liegen, darum wollen wir, wenn es euch gefällig ist, uns eine Bewegung machen, denn es hat mir in verwichener Nacht ein guter weisser Geist angedeutet, dass unser