. Dieses nun in Erfahrung zu bringen, sahen wir gegenwärtige Zeit am allerbequemsten, weil uns der seichte Fluss einen Damm hinein zu machen erlaubnis zu geben schien. Demnach fälleten wir etliche Bäume, zersägten dieselben, und rammelten ziemlich grosse Plöcke um die Gegend in den Fluss, wo wir die Wahrzeichen des Dammes unserer Vorfahren mit grossen Freuden wahrgenommen hatten. Vor die mit allergröster Müh eingeramleten Plöcke wurden lange Bäume über einander gelegt, von solcher Dicke, als wir dieselbe fortzuschleppen vermögend waren, und diese mussten die vorgesetzten Rasen-Stücke nebst dem vorgeschütteten fettem Erdreiche aufhalten. Mit solcher Arbeit brachten wir biss in die 4te Woche zu, binnen welcher Zeit der Damm seine nötige Höhe erreichte, so, dass fast kein Tropffen wasser hindurch konte, hergegen alles durch den Canal sich in die kleine See ergoss. Lemelie hatte sich bei dieser sauren Arbeit dermassen fleissig, in übriger Aufführung aber so wohl gehalten, dass wir ingesamt glaubten, sein voriges übeles Leben müsse ihm gereuet, und er von da an einen bessern Vorsatz gefasset haben.
nunmehr war es an dem, dass wir die grosse Lampe anzündeten, und uns in eine abermahlige Felsen-Höle wagen wolten, welches auch des nächsten Tages früh Morgens geschahe. Concordia wolte allhier nicht alleine zurücke bleiben, sondern sich unsers Glücks und Unglücks durchaus teilhafftig machen, deswegen traten wir unsern Weg in GOttes Nahmen an, fanden denselben ziemlich bequem zu gehen, ob gleich hie und da etliche hohe Stuffen befindlich, welchen doch gar mit leichter Müh nachzuhelffen war. Aber, o Himmel! wie gross war unsere Freude, da wir ohne die geringste Gefahr das Ende erreichten, Himmel und See vor uns sehen, und am Ufer des Felsens bei unsern annoch rückständigen Sachen herum spatziren, auch mit vielweniger Müh und Gefahr zurück auf unsere Insul kommen konnten.
Ihr seid, meine lieben Kinder, fuhr unser Alt-Vater Albertus in seiner Erzehlung fort, selbsten durch diesen gang in die Insul kommen, deswegen könnet ihr am besten von dessen Bequemlichkeit und Nutzen urteilen, wenn ihr zumahlen die gefährlichen und beschwerlichen Wege über die Klippen dargegen betrachtet. Uns war dieser gefundene gang zu damahligen zeiten wenigstens ungemein tröstlich, da wir in wenig Tagen alles, was annoch auf der Sand-Banck lag, herauf brachten, das Hinterteil des zerscheiterten schiffes zerschlugen, und nicht den kleinesten Nagel oder Splitter davon zurück liessen, so, dass wir weiter ausserhalb des Felsens nichts mehr zu suchen wusten, als unsern Nachen oder kleines Boot, und dann und wann einige Schild-Kröten, See-Kälber, nebst andern Meer-Tieren, wovon wir doch weiter fast nichts als die Häute und das Fett zu gebrauchen pflegten.
Solchergestalt wandten wir die fernern Tage auf nichts anders, als, nach und nach immer eine bessere Ordnung in unserer Hausshaltung zu stifften, sammleten von allerlei nutzbarn Gewächsen die Saam-Körner ein, pflegten die Wein-Stöcke und Obst-Bäume aufs beste, als worin ich bei meinen lieben PflegeVätern, dem Dorff-Priester und dem Amtmanne, ziemliche Kunstgriffe und Vorteile abgemerckt. Lebten im übrigen in der Hoffnung künfftiger noch besserer zeiten ganz geruhig und wohl beisammen. Allein, in der Nacht zwischen den 8ten und 9ten Novembr. überfiel uns ein entsetzliches Schrecken. Denn es geschahe ungefähr um Mitternachts-Zeit, da wir ingesamt im süssesten Schlaffe lagen, ein dermassen grosser Knall in unserer unter-irrdischen wohnung, als ob das allerstärckste Stück Geschützes lossgebrannt würde, so, dass man die Empfindung hatte, als ob der ganze Hügel erschütterte. Ich sprang von meinem Lager auf, und wolte nach der beiden Ehe-Leute kammer zu eilen, selbige aber kamen mir so gleich im Dunckeln ganz erschrocken entgegen, und eileten, ohne ein Wort zu sprechen, zur Höle hinaus, da der Schein des Monden fast alles so helle als am Tage machte.
Ich kan nicht läugnen, dass Mons. van Leuven, Concordia und ich vor Furcht, Schrecken und Zittern, kein Glied stille halten konnten, unsere Furcht aber wurde noch um ein grosses vermehrt, da sich, gegen Süden zu, eine weisse lichte Flamme sehen liess, welche immer ganz sachte fort zohe, und endlich um die Gegend, wo wir des Don Cyrillo körper begraben hatten, verschwand.
Die Haare stunden uns hierüber zu Berge, doch, nachdem wir uns binnen einer Stunde in etwas erholet hatten, brach Mons. van Leuven endlich das lange Stillschweigen, indem er sagte: Mein Schatz und Mons. Albert! ich weiss, dass ihr euch über dieses Nacht-Schrecken so wohl als ich unterschiedene gedanken werdet gemacht haben; allein ich glaube, dass der sonst unerhörte Knall von einem Erdbeben herrühret, wobei unser Sand-Stein-Hügel unfehlbar einen starcken Riss bekommen. Die weisse Flamme aber, so wir gesehen, halte ich vor eine SchwefelDunst, welche sich nach dem wasser hingezogen hat. Monsieur van Leuven bekam in diesen Meinungen Seiten meiner starcken Beifall, allein Concordia gab dieses darauf: Mein Schatz, der Himmel gebe nur, dass dieses nicht eine Vorbedeutung eines besonderen Unglücks ist, denn ich war kurtze Zeit vor dem grausamen Knalle durch einen schweren Traum, den ich im Schrecken vergessen habe, ermuntert worden, und lag mit wachenden offenen Augen an eurer Seite, als eben dergleichen lichte Flamme unsere kammer mit einer ganz ausserordentlichen Helligkeit erleuchtete, und die sonst alle Nacht hindurch brennende grosse Lampe auslöschte, worauf sogleich der grausame Knall und die hefftige Erschütterung zu empfinden war.