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schienen, als ob sie einander umarmeten. Ihre Gesichter zeigten sich nicht grässlich, wie etwa sonsten Leichen-Gesichter auszusehen pflegen, indem, wie ich aus vielen Umständen spürete, beide körper einbalsamirt sein mochten, von den Kleidungsstücken aber war wenig zu sehen, weilen dieselben ziemlicher massen vermodert, jedoch ich hatte das Glück, aus einem gewissen Zeichen zu bemercken, dass sie alle beide in Purpur-Kleidern möchten sein beerdiget worden; wie denn auch beide ganz zierliche güldene kleine Cronen auf ihren Häuptern trugen, die mit den kostbarsten Diamanten und andern Edelsteinen besetzt waren.

Wir allerseits nahmen uns ein nicht unbilliges Bedencken, diese körper fernerweit zu beunruhigen, zumahlen, da wir befürchteten, dass dieselben etwa entzwei brechen, oder gar zerfallen möchten, gingen also insgesamt um den Sarg herum, wie, dem gemeinen Sprichworte nach, die Katzen um den heissen Brei, befanden aber dennoch bei einiger weiterer Untersuchung, dass dieselben auf lauter geprägten Goldund Silber-Müntzen vielerlei Gepräges lagen und mit den auserlesensten orientalischen Perlen überschüttet waren.

Wir 3. der ansehnlichsten Felsenburger, wie man uns damahls nennete, gaben demnach dem ganzen Volcke so wohl die Urnen, als den silbernen Sarg zum Preise, baten uns aber nur dieses darbei aus, dass sie ja die körper und Gebeine verschonen, nicht beschimpffen, sondern in Ehren halten, sonsten alles Geld, Gold, Silber und Perlen heraus nehmen, und unter sich teilen möchten; Allein, nachdem alles, wie es war, ganzer 3. Tage und Nächte also stehen geblieben, verspüreten wir, dass weder ein Fremder, geschweige denn ein Felsenburger sich an dem allergeringsten vergriffen, auch nicht einmal eine Perle heimlicher Weise zu sich genommen hätte. Die Ursache dessen ist leicht zu erraten, weilen unsere Felsenburger Gold, Silber, Perlen, Edelgesteine und dergleichen Sachen vor gar nichts besonders halten, da ihnen dieselben wenig oder gar nichts nützen, und bewust, dass wir bereits im Uberflusse damit versorgt sind. Als wir aber den Vincentium und seine Geferten darum ansprachen, dass sie vor ihre allerseitige Bemühungen und uns erzeigte Gefälligkeiten sich der Billigkeit gemäss bezahlt machen, und das Beste von den gefundenen Schätzen auslesen möchten; so gingen die Portugiesen über 100. Schritt von uns hinweg, und unterredeten sich fast über eine halbe Stunde lang mit einander, da sie aber wieder zurück kamen, bat Vincentius, dass wir Felsenburger uns um ihn herum setzen, und seine Reden anhören möchten.

Da es nun eben zu keiner fürchterlichen Zeit und Stunde war, indem die Sonne mitten am Himmel stunde die, weilen keine eintzige trübe Wolcke zu sehen, uns recht ungemein erquickte, so nahmen wir uns um so viel desto weniger Bedencken, seinem Bitten zu gehorsamen, da er denn folgende Worte vorbrachte: Meine lieben Herren und Freunde! ich bin in meinem herzen durch viele Merckmahle dahin überredet, dass die meisten unter euch mich vielleicht vor einen Ertz-Zauberer oder Hexen-Meister ansehen und halten; Allein, ich bin keiner von beiden, sondern bei allem dem, was heilig ist, beteure ich, auf meiner Seelen-Seligkeit, dass mich die allerhöchste Macht angetrieben, euch einen und andere Dienste zu leisten, und mir anbei dero allerkräfftigsten Schutz und Beistand versprochen; als wovon ich vor dissmahl nicht viel reden und prahlen will.

kurz: ich habe bis auf diese Stunde getreulich so viel bei euch ausgerichtet, als mir bis hieher befohlen ist wovon ihr denn verhoffentlich sattsame Zeugnisse haben werdet; zumahlen, da mir auch die unterirrdischen und verfluchten Geister nicht widerstehen, vielweniger mich in meinem Vorhaben verhindern können. nunmehr aber, da ihr von einer Belohnung meiner euch geleisteten getreuen Dienste zu reden anfanget, möchte mich dasselbe fast verdriessen, weiln ich nicht eigennützig bin, auch vor meine gehabte Mühe nicht die allerkleineste Perle verlange. Meine Cameraden, mit denen ich mich vor kurzer Zeit besprochen, sind eben dieses Sinnes. Die Ursache aber ist diese: weiln ihr uns eine Zeit daher auf das allerkostbarste und herrlichste tractirt habt, und, wie ihr sagt, uns den Aufentalt auf dieser Insul, nebst notdürfftiger Verpflegung zu reichen und zu vergönnen noch fernerhin gesonnen. Demnach nehmet so wohl den Sarg, als die Urnen mit hinüber auf die grosse Insul, um euren Freunden ein Vergnügen damit zu stifften, vergesset unserer darbei auch nicht mit Zuführung einer und anderer leckerhafften speisen und Geträncke, als worvon wir ganz besondere Liebhaber sind; Folget meinem Rate, und fahret gleich Morgen früh mit Aufgange der Sonnen zu euren Freunden hin, und bringet ihnen alles das, was wir gefunden haben, doch dieses ist ein bloses Kinder-Spiel gegen diejenigen Schätze zu rechnen, welche ich binnen wenig Tagen noch zu finden, oder wenigstens euch anzuweisen verhoffe. Nur aber bitte ich mir dieses aus, dass wenigstens 10. bis 12. Mann der hertzhafftesten Männer oder Junggesellen bei mir bleiben, um mit ihnen das Gebürge, sonderlich aber den grossen Berg durchzustreichen und zu besichtigen, da ihr denn, wenn ihr etwa binnen 8. oder 14. Tagen wieder anhero zu kommen euch bemühen woltet, unfehlbar weit mehrere Neuigkeiten, als bishero vorgefallen, erfahren werdet, und zwar zu eurem eigenen allergrösten Nutzen.

Die Felsenburger hatten den Vincentium kaum ausreden lassen, als sogleich nicht nur 10. oder 12. sondern noch viel mehrere, so wohl Männer als Junggesellen, heraus traten, und sich als Freiwillige angaben, bei dem Vincentio zu bleiben, mitlerweile wir die gefundenen Sachen hinüber auf die grosse Insul zu