mit zur Leiche gegangen, und habe gesehen, dass ihr Mühe und Arbeit genug mit dem körper eures Feindes gehabt, nunmehr aber lasset mich ganz alleine schalten und walten.
Wenige Minuten hernach höreten wir den Cartaunen-Knall von der Insul Gross-Felsenburg erschallen, als welcher das Signal war, dass unsere Obern und Freunde eben um selbige Zeit den körper des vermaledeieten Lemelié von sich fortschaffen, und der offenbaren See anvertrauen wolten.
Demnach entstunde so gleich ein unvermuteter hefftiger Würbel-Wind, welcher den Nachen oder Kahn, als Vincentius hie und da Feuer hinein gelegt, ganz schnell fort und in die offenbare See nach den Sand-Bäncken zuführete. Es war dieses, wenigstens in meinen Augen, ein ganz possierliches Schau-Spiel, indem immer eine Raquete, Schwärmer und dergleichen Zeug in die Lufft flogen, doch kan nicht läugnen, dass dennoch wegen des toten Cörpers einiger Abscheu mit unterlieff; allein es währete kaum eine halbe Stunde, als wir den Nachen, nachdem er sich vielemahl in der See herum getummelt, in lichten lohen Flammen brennen, und endlich versincken sahen.
Wir wolten also nach abgewarteter Tragœdie zurück gehen, um uns in unsern Hütten der Ruhe zu bedienen; doch Vincentius hat, dass wir wenigstens noch eine halbe Stunde verharren, und wohl in Obacht nehmen sollten, was etwa weiter möchte vorgehen. Bloss ihm zu Gefallen blieben wir also noch da, und sahen, dass ein grässliches Monstrum, wie mir etwa die allergrösten Arten von Wallfischen von andern beschrieben worden, gerades Weges auf unsere Bucht zugeschwommen kam! welches aus seinem Rachen und Nasenlöchern nicht allein die fürchterlichsten WasserStröme, sondern auch feurige Funcken und Flammen aussprützte.
Fürchtet euch nicht, meine Freunde! (sprach hier Vincentius) denn dieses Ungeheuer will mit mir allein zu tun haben. Und in dem er diese Worte aussprach, warff er sich, so, wie er da gegangen und gestanden war, mit völliger Kleidung in den Fluss, und schwumme dem Meer-Wunder entgegen.
Mir wurde bei dieser Verwegenheit zwar angst und bange, jedoch, da ihm niemand weder zunoch abgeraten hatte, diese gefehrliche Schwimmerei anzutreten, als überliess ihn seinem Schicksale, da wir denn bei der finstern Nacht, indem sich der Mond unter eine schwartze Wolcke verborgen, so viel gewahr wurden, dass unser Vincentius, nach einem hefftigen Streite mit dem Meer-Wunder, von demselben unter Donner, Blitz, Hagel, ja dem grausamsten Sturm-Wetter aufgeschnappt und verschlungen wurde, mitin den Sieg über dasselbe nicht erhalten können, sondern den Kürtzern ziehen müssen.
Ich glaube nicht, dass einer unter uns allen gewesen, dem bei dieser Begebenheit nicht so wohl, als mir selbsten, die Haare zu Berge gestanden und alle Glieder des Leibes gezittert hätten; und eben dieserwegen beschlossen wir des anbrechenden Tages zu erwarten, ehe wir uns nach unsern Obdache und Lager-Stätten verfügen wolten. Dieses geschahe, nachdem die Sonne aufgegangen war, und alles Ungewitter vertrieben hatte; Als wir nun unterweges das klägliche Schicksal des Vincentii überlegt und bedauert, so traffen wir denselben in seiner Hütte gesund und frisch an, und zwar in der Verfassung, dass er seine Kleider und Schuhe ausbesserte. Anfänglich entsetzten wir uns über seine person, indem wir zum teil würcklich auf die gedanken geraten, als ob er vom bösen Feinde wäre weggeführet worden; jedoch Vincentius, so bald er dergleichen gedanken von uns vernommen, fing überlaut zu lachen an, und sagte: Nein, meine Freunde! ihr müsset meiner Kunst und Geschicklichkeit ein mehreres zutrauen lernen: denn dieses, was ich mit dem Meer-Wunder vorgehabt, ist ein bloses Schatten-Spiel gewesen, von nun an aber, sollet ihr erstlich rechte Wunder-Dinge sehen, hören und erfahren, die nicht allein euch, sondern auch wohl euren späten Nachkommen zum Nutzen gereichen können.
Mittlerzeit, da er diese und noch weit mehrere Worte, seiner gewöhnlichen Beredsamkeit nach, vorgebracht hatte, unsere Magens aber, weiln es bald Mittags-Zeit war, nach denen im Feuer-Loche befindlichen Fleisch-Töpffen, Gemüsen und andern guten Gerichten vom Gebratens und Fischen entgegen delleten, so wurde unsere Hoffnung auf einmal, allem Ansehen nach, zu nichte gemacht, indem sich aus dem Feuer-Loche ein ziemlich hoher Hügel auftürmete, der, wie wir uns nicht anders einbilden konnten, in kurtzer Zeit alles Gesottene und Gebratene in die Asche verschütten würde; Jedoch, je mehr sich einige unter uns darüber missvergnügt bezeigten, desto mehr fing Vincentius darüber zu lachen an, und ehe wir uns umsahen, war nicht allein der Hügel verschwunden, und das Feuer-Loch in seiner gewöhnlichen Ordnung, sondern wir sahen auch, dass auf dem grünen Rasen etliche Tücher aufgedeckt, Teller und alles zurechte gelegt waren, was sonsten zum Tisch-Zeuge gehöret. Demnach speiseten wir unter wunderlichen gedanken, doch mit noch so ziemlichen Appetite, zumahlen, da wir sahen, dass um und neben uns herum viele ganz frische Hauffen aus der Erde aufgeworffen wurden, die doch sehr weit grösser waren, als die gewöhnlichen Maulwürffer-Hauffen.
Wie nun Vincentius dieserwegen unsere Erstaunung und Verwandelung gewahr wurde: sagte er: meine Freunde! kehret euch an alles dieses nicht, sondern ein jeder speise nur seinem Appetite nach so viel, als er vertragen, und sich Kräffte in den körper schaffen kan: Denn so bald die Sonne untergangen ist, müssen wir alle insgesamt zu graben, zu schauffeln und zu hacken anfangen.
Wie