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und Concordia, mit denen ihr euch, nach Belieben, in ein Gespräch einlassen könnet.

Da uns allen dreien aber sehr missfällig war, dass er diese seligen Personen in ihrer Ruhe gestöhret, als wünschten wir nunmehr wieder von dieser Stelle hinweg, und in unsern Hütten bei der andern Gesellschaft zu sein, liessen aber unsere gedanken dem Zauberer ganz und gar nicht mercken, sondern stelleten uns vielmehr an, als ob wir durch seine Kunst ungemein vergnügt worden, weilen wir aber dergleichen Sachen nicht so wohl, als er gewohnt, und über dieses solchen fürchterlichen Schau-Spielen Zeit Lebens noch niemals beigewohnt, so wäre nicht zu läugnen, dass wir aus Furcht und Schrecken einiger massen schwach und ermüdet worden, wessentwegen denn der beste Rat wäre, dass wir uns zur Ruhe begäben, und unsere annoch übrige Verabredung bis auf Morgen verspareten.

Vincentius, der, wie ihm zum Ruhme nachzusagen ist, viel Verstand bei aller seiner Geschicklichkeit besass, nahm diese Sache vor bekannt an, und, nachdem er uns gefragt: ob wir noch etwa einen oder andern Geist von solchen Personen, die uns angingen, oder mit welchen wir etwas zu schaffen gehabt, zum Beschlusse vor uns sehen wolten, so wäre er noch bereit, uns zu dienen; wir aber baten ihn, alles dieses, bis auf eine andere Nacht, zu versparen, demnach gab er seinen Portugiesischen Cameraden ein vielleicht abgeredetes Zeichen, worauf denn diese sogleich mit brennenden fackeln und Wind-Lichtern uns entgegen kamen, wir alle aber von dem guten Vincentio bis an unsere Schlaf-Stätte begleitet wurden.

Vor meine person kan ich wohl sagen, dass ich nicht leicht in meinem Leben unruhiger mein Lager gesucht, um auf demselben einige Ruhe zu finden, weilen mein Kopf von allen dem, was ich gehöret und gesehen hatte, dergestalt mit Grillen, Sorgen, und Bekümmernissen angeschwängert war, so, dass ich nicht die geringste Ruhe finden konte, ich mochte mich auch lincks, oder rechts auf meinem Lager umwenden und kehren. An diese Nacht will ich Zeit meines ganzen Lebens gedencken, so lange, als nur meine Augen offen stehen, ich will aber von demjenigen, was ich in derselben eintzig und allein gehöret und gesehen habe, voritzo weiter nichts melden, jedoch habe aus Antrieb meines zarten Gewissens auch alles dieses der Geistlichkeit und dem Regenten getreulich offenbaret, ungeachtet solches nicht einmal nötig gehabt. Weilen nun ganz und gar keinen Zweiffel trage, dass auch dieses bona fide wird ad Acta gebracht sein, so möchte es mir vielleicht vor eine Gross-Prahlerei ausgelegt werden, wenn ich hier von fernerweit viele Worte machen wolte.

kurz: des Tages, nach der merckwürdigen Nacht, erschütterte sich die Insul Klein-Felsenburg einiger massen, weswegen ich den Vincentium besuchte, und ihn fragte: ob dieses etwa Böses, oder Gutes zu bedeuten hätte? Er gab mir zur Antwort, dass diese kleine Erd-Erschütterung eine ungemeine gute Bedeutung vor uns Felsenburger mit sich brächte, die HauptSache aber wäre diese: dass wir die vermaledeiten körper des Don Juan und des Lemelié von beiden Insuln wegschaffen, und dieselben dergestalt in Asche verwandeln müsten, dass auch nicht der kleineste Knochen mehr von ihnen zu finden sei; worauf sich denn die Aspecten zu unserer Ruhe und Frieden bald besser zeigen würden.

Es stellte mir Vincentius diese Sache dergestalt nach drücklich vor, dass ich mich bewegen liess, nur vorerst einen sehr kurtzen Bericht an den Regenten u. an die Geistlichen von unsern bisherigen begebenheiten zu machen; hierbei aber war die Haupt-Sache diese, dass sie den verfluchten körper des Lemelié sollten aus graben lassen, alle seine Knochen, auch nicht den allerkleinesten zu versehen, in einen kleinen Nachen auf Schwefel, Pech, Pulver, Hanff, Werg und dergleichen Feuerfangende Waaren legen, und denselben mit einer starcken Quantität des besten Feuerhaltenden Holtzes bedecken, hernach den Nachen, oder das kleine Bootgen nur nach den Sand-Bäncken zu stossen-möchten.

Mir aber bat ich aus, eine ziemliche Quantität von Pulver, Schwefel, Pech und dergleichen zu übersenden, indem ich mit dem körper des Don Juan ein gleiches zu tun gesonnen, und ihn in lichterlohen Flammen der offenbaren See anvertrauen wolte. Damit aber beides zu gleicher Zeit geschehen könnte, bat mir noch dieses aus, dass sie mir von der Insul Gross-Felsenburg nur etwa eine Viertel-Stunde vor der bestimmten Zeit und Stunde ein Signal durch einen Cartaunen-Schuss geben möchten, damit ich mich darnach richten könnte. Mit diesem Berichte und Verlangen schickte ich 12. Mann, worunter meine Allergetreusten befindlich, in einem Boote sogleich nach der Insul Gross-Felsenburg hinüber, die denn des andern Tages, gegen Abend, ohne dass ich mich einer solchen Geschwindigkeit versehen, glücklich zurücke kamen, und alles, ja noch mehr mit sich zurücke brachten, als ich und meine bei mir befindlichen werten Freunde, verlangt hatten. Demnach wurde in gröster Geschwindigkeit erstlich der körper des Don Juan ausgegraben, besichtiget und nachher mit demselben Sarge, welchem ihm seine Lands-Leute von alten schiffes-Bretern zusammen gehefftet, in einen grossen Kahn ooer Nachen gebracht, da denn in, bei und neben dem Sarge lauter Feuerfangende Materien, als Pulver, Schwefel, Pech, Hanff, Stroh, Werg, und dergleichen Zeug gelegt ward. Wir brachten also dieses abscheuliche Cadaver mit gröster Mühe hinunter in die Mündung des Flusses, da denn Vincentius auftrat, und sagte: Meine Freunde! ich bin zum Zeitvertreibe