sie gegeben, und sehr viele erlegt, auch viele in aufgestelleten Fallen, Schlingen, gemachten Löchern, woraus sie, wenn sie einmal drinnen, nicht leicht wieder heraus kommen könnten, lebendig gefangen; Allein dieses wäre das allergeringste, indem sie, einer wie der andere, nicht allein bei Nachts, sondern auch zum öftern bei hellem-lichten Tage von unsichtbaren Geistern oder Gespenstern gequälet und geknippen würden, als worvon sie noch jetzt die braunen und blauen Flecke an Armen und Beinen, ja am ganzen leib aufzuweisen hätten, welches alles sie bishero mit ziemlicher Gelassenheit erdultet hätten, in die Länge aber ein solches Teufels-Spiel nicht vertragen, sondern dem Teufel zum Trotze schon andere Mittel vorkehren wolten, worzu ihnen nur noch eine und andere Sachen von ganz geringem Werte fehleten, welche sie aber nicht bei sich hätten, vielweniger auf dieser Insul finden könnten.
Wie wir nun fragten, was denn dieses eigentlich vor Sachen wären, und ob man nicht vielleicht Rat schaffen könnte, dieselben herbei zu schaffen? so winckte Don Rio dem gegen ihm übersitzenden 53. jährigen mann, der Vincentius genennet wurde, nur mit den Augen, da denn derselbe mit ihm zugleich aufstunde, und beide sich etliche Schritte weit von uns entferneten, jedoch Don Rio kam zurück, und bat Mons. Litzbergen, Mons. Cramern und mich, nur auf etliche Schritte mit ihnen Lustwandeln zu gehen, um ein und andere Worte von ihm und seinen Geferten anzuhören.
Wir stunden also alle 3. auf, und wandelten mit den vorbemeldeten zweien des geraden Weges auf dem angenehmen grünen Rasen nach dem Geburge zu, da denn unterwegs Mons. Vincentius von ohngefehr also zu uns zu reden anfieng: Meine Herren! Sie halten mich 53. bis 54. jährigen Mann zwar vor einen Portugiesen, allein die Wahrheit zu bekennen, welches ich auch erweisslich machen kan, so bin ich ein gebohrner Spanier. Von meiner Geburt und Auferziehung, auch wess Standes meine Eltern gewesen, will voritzo, da es zu weitläufftig fallen möchte, wenig oder gar nichts, sondern nur so viel melden: dass ich schon in meinem 12ten Jahre mit einem gewissen Cavalier, der ein Sohn des allervornehmsten Grand d'Espagne war, auf eine ihnen vielleicht allen wohlbekannte Spanische Universität zog, um demselben als ein so genannter Page aufzuwarten. Es war in so weit dieses eine ganz gute Sache vor mich, da ich mich bei der gelegenheit wohl auch in literis solcher massen perfectioniren können, dass ich etwa einmal mit der Zeit, unter der damaligen verwirrten Regierung mein Conto hätte zu suchen gewust; Allein mein Herr war ein wüster und wilder Kopff, schob alle guten Bücher und Wissenschafften bei Seite, und erwehlete sich dagegen nichts anders zu seinem Vergnügen, als nebst dem Frauenzimmer, die Magiam, oder die so genañte Schwartze-Kunst, verwendete auch darauf, auser der edlen Zeit zu gebrauchen, als die er wohl hätte nützlicher anwenden können, entsetzlich starcke Geld-Summen, indem er jederzeit die allerberühmtesten Zauberer und Schwartz-Künstler aus allen Reichen der Welt zu sich kommen liess, und dieselben zum öfftern recht Königlich bewirtete, auch über alle Gebühr kostbar beschenckte. Er erreichte zwar hierdurch seinen vorgesetzten Zweck, indem er es in der Magia, oder so genañten Schwartz-Künstlerei, ungemein hoch brachte, weiln er aber nicht allein einen, sondern vielleicht wohl 3. oder mehr hochtrabende Spanische Geister in seinem körper haben mochte, so setzte er nicht allein, wie gesagt, alles andere, sondern auch GOtt, alle seine Heiligen, ja sein ganzes Christentum wider besser Wissen und Gewissen zurücke, und machte sich eben zu der Zeit, da er es aufs allerhöchste gebracht zu haben vermeinete, dergestalt jämmerlich und erbärmlich unglücklich, dass, so offt ich nur noch daran gedencke, mir alle Haare auf dem kopf zu Berge stehen. Es war aber hieran nichts Schuld, als sein eigenes hochtrabendes, unbedachtsames, zuweilen recht einer halben Raserei gleichendes unchristliches Verfahren, weswegen denn ganz und gar nicht zu verwundern, dass der barmhertzige und langmütige GOtt endlich des Erbarmens und seiner Langmut müde wurde, seine Gnaden-Hand von ihm abzohe, und ihn den Klauen des Satans überliess.
Ich vor meine person, weilen ich bei damahligen zeiten einen eben nicht allzu ungelehrigen Kopff hatte, positirte bei der gelegenheit ein vieles, deñ ich erlernete das Geister-Bannen, Geister-Beschweren und viele andere Kunst-Stücke zwar aus dem grund, versuchte auch solches nicht einsondern sehr viele mahl, allein es kam eine Zeit, da ich an GOtt, seine Heiligen und meine eigene Seele zu gedencken anfing, ungeachtet mir alles, was ich nur vorgenommen, nach Wunsche ergangen und abgelauffen war; Da ich aber niemals ein recht ruhiges Hertze oder Gewissen in mir verspürete, als begab ich mich zu einem wohlbekannten vornehmen Geistl. welchem ich mein Anliegen entdeckte, auch von ihm Trost und Rat zur Gnüge bekam, indem er mir vorsagte, dass ich die Kunst zwar wohl beibehalten könnte, weilen es eine ganz edle Kunst u. Wissenschafft wäre; nur aber würde ein gutes Christentum und hiernechst eine gute gesunde Vernunfft dazu erfordert. Diese Lehren waren in Wahrheit nicht zu verwerffen; weiln ich aber, ungeachtet ich noch ein junger wollüstiger Kerl war, ich weiss selbsten nicht warum, einen heimlichen Abscheu vor dieser Kunst bekam, da ich doch in einem und andern Stücken mich wohl einiger massen hätte können glücklich machen, als suchte mein Vergnügen unter dem Soldaten-Leben,