aber so wohl in seinem Rachen und Händen solche Dinger, die Feuer-Funcken von sich sprüheten, worvor sich meine person jedoch ganz und gar im geringsten nicht fürchtete, weilen mir die Feuerwerkkerei eben nicht so gar sehr unbekannt (obschon nicht die höllische). Unter den Steinen, worauf ich sass, fing es zu beben an, ja es kollerten ihrer viele ohnangerührt von dem Hügel hinunter. Hierauf stieg der Geist des Lemelié allmählich aus seiner Grufft empor, und bewillkommete, wie ich bemerckte, seinen angekommenen Gast, mit ganz besonderer Zärtlichkeit; von ihren Worten aber, die sie bei der ersten Zusammenkunfft mit einander wechselten, schweben mir noch diese hauptsächlich im Gedächtnisse:
Don Juans Geist: Ich halte mein Wort, dich zu besuchen, es sollte mir aber Leid sein, wenn ich dich in deiner Ruhe stöhrete:
Hierauf antwortete der
Geist des Lemelié: Ich bin über deinen Zuspruch mit einem solchen Vergnügen überschüttet, als nur immermehr ein Geist empfinden kan, und wovon die Sterblichen ganz und gar nichts wissen, oder empfinden können; Allein! (sprach der verdammte Geist) wir wollen noch ein mehreres mit einander reden, darum folge mir nach.
Demnach fasseten sich beide Geister-Personen an die hände, und gingen in den grossen Garten, wo sie unter beständigem Gespräch nicht anders taten, als ob es in der schönsten Frühlings-Zeit gewesen wäre.
Meine Geferten folgten mir getreulich auf dem fuss nach, und haben mit angehöret, was diese verfluchten Geister vor erstaunliche Worte mit einander gewechselt; Sie haben auch ihre Aussage nach der Zeit redlich getan, und dieselbe recht mit einem cörperlichen Eide bekräfftiget, wovon ich jetzt, da ich doch noch vielmahl gehöret und verstanden, als sie, eben keine weitläufftige Wiederholung tun will, weil es schon in unser Archiv ad Acta gebracht ist.
Ich fahre nun aber in der Geschichts-Erzehlung weiter fort, und berichte, (weilen ich wegen Anwesenheit vieler unverständigen und unmündigen auch supersticiösen Leutchen kein besonders Lerm stifften will, bis der Ausgang so gar bis auf die späten Nachkommen zeiget,) dass Eberhard Julius sich so wohl gegen GOtt, als Menschen vollkommen redlich aufgeführet, und jederzeit bei der Verantwortung wohl zu bestehen getrauet.
Als die beiden vermaledeieten Geister nun vor der Alberts-Burg stunden, sagte der Geist des Lemelié: Dieses ist der verfluchte Hügel, welcher, wie man höret, nunmehr eine Burg genennet wird, unter welchem ich in einem Gewölbe bin umgebracht, und in das Reich der toten geschickt worden.
Nachdem er nun noch viele erschreckliche Worte, ja die grässlichsten GOttes Lästerungen ausgestossen, welche auch nur nachzusagen, ein Christe billig Scheu tragen muss, wobei uns allen die Haut schauderte und die Haare zu Berge stunden: gingen die Verfluchten weiter herunter, und blieben der Kirche, oder unserm Haupt-gemeinschafftlichen-GOttesHause gegen über stehen, wobei ich vor meine person aber nur so viel sagen, dass ich zwar ein Gemurmele mit Worten unter ihnen vernommen, nicht aber berichten kan, worin diese Worte eigentlich bestanden, als welche mir durch einen fatalen NordWind vor meinen Ohren hinweg gewehet wurden, geschweige denn das ganze Gespräch.
Mittlerweile, da eben ein Sonn- und zugleich ein fest-Tag eingefallen war, wurde bei Anbruch des Tages die erste Losung mit einem Cartaunen Schusse von der Alberts-Burg gegeben, um den Insulanern gewöhnlicher massen, ein solches anzudeuten, da denn in selbiger Minute die verdammten Geister vor unsern Augen gleich auf der Stelle vor der Kirche verschwanden. Worauf wir Wagehälse erstlich einander noch einmal ansahen, hernach aber noch vor der Kirche zu Herr M. Schmeltzern, sodann auch zu dem Regenten uns verfügten, und ihnen alles erzehleten, was wir gehöret und gesehen hatten; anbei baten: dieserwegen der Gemeine nicht sogleich die Ohren zu füllen, worin sie uns, sonderlich der Schwachen und Blödsinnigen wegen, auch den grössten Beifall gaben, so, dass die allerwenigsten von unsern Insulanern gewahrt wurden, was sich vor eine sonderbare Begebenheit mit uns zugetragen.
Wenige Tage hernach verfügte ich mich mit Mons. Litzbergen, Mons. Cramern, meinen zweien in der Gefahr gehabten Beiständen, hiernechst in Gesellschafft noch mehrerer hertzhaffter Leute, abermals in 2. Booten hinüber auf die Insul Klein-Felsenburg, um zu vernehmen, was etwa allda inzwischen vorgegangen wäre. Unsere Gäste waren recht ungemein erfreuet, uns wieder zu sehen, und da wir ihnen noch eine und andere Notwendigkeiten und Bedürffnissen mitbrachten, beklagten sie sich mit recht traurigen Geberden darüber, dass wir sie mit allzu vielen Wohltaten fast überhäufften. Da wir aber weiter nach ihrem Zustande und Lebens-Art fragten, konnten sie nicht von Wunder genug sagen, was ihnen vor seltsame Streiche passirten, denn ungeachtet sie bei Tage ganz vergnügt und ruhig lebten, inmassen allezeit ihrer 4 arbeiteten, der 5te aber Wechselsweise die Küche, den Fischfang und dergleichen besorgen müste, so würden sie des Nachts um so viel desto hefftiger gehudelt, nicht allein von den verzweiffelten Affen und so genannten Minions, als welche ihnen alles Töpffer-Geschirre und andere zerbrechliche Sachen in tausend Stücken schmissen, oder öffters weit von der Stelle hinweg schleppten, so, dass sie immer zu, bald dieses bald jenes Hausrats-Stück mit gröster Mühe zu suchen, mitin die Zeit zu versäumen, und sich darbei zu ärgern gemüssiget wären. Nun hätten sie sich zwar seit kurtzem so wohl vor den Affen, als auch den Minions ziemlicher massen Friede geschafft, indem sie sehr öffters Feuer auf