.
Wir mussten ihn also diesen und viele folgende Tage unter der Concordia Verpflegung liegen lassen, gingen aber beide zusammen wiederum in die unterirrdische Höle, und fanden, beschehener Anweisung nach, in einem verborgenen Gewölbe über 3. Scheffel der auserlesensten und kostbarsten Perlen, nächst diesen einen solchen Schatz an gediegenen Gold- und Silber-Klumpen, edlen Steinen und andern Kostbarkeiten, worüber wir ganz erstaunend, ja fast versteinert stehen blieben. Uber dieses eine grosse Menge von allerhand vor unsere Personen höchst-nötigen Stücken, wenn wir ja allenfalls dem Verhängnisse auf dieser Insul Stand halten, und nicht wieder zu anderer menschlicher Gesellschafft gelangen sollten.
Jedoch, was will ich hiervon viel reden, die Kostbarkeiten kan ich euch, meine Freunde, ja noch alle unverletzt zeigen. Worzu aber die übrigen nützlichen Sachen angewendet worden, davon kan meine und meiner Kinder Hausshaltung und nicht vergeblich getane Arbeit ein sattsames zeugnis abstatten. Ich muss demnach nur eilen, euch, meinen Lieben! den fernern Verlauff der damahligen zeiten noch kürtzlich zu erzehlen, ehe ich auf meine einseitige Geschicht, und die anfänglich betrübte, nachher aber unter GOttes Fügung wohl ausgeschlagene Hausshaltung komme.
Mittlerweile, da Lemelie kranck lage, räumeten Mons. van Leuven und ich alle Sachen aus dem unterirrdischen Gewölbe herauf ans Tages-Licht und an die Lufft, damit wir sehen möchten, was annoch zu gebrauchen wäre oder nicht; Nach diesen reinigten wir die unterirrdische Höle, die ausser der kleinen SchatzKammer aus 3. geraumlichen Kammern bestund, von aller Unsauberkeit. Ermeldte Schatz-kammer aber, die wir dem Lemelie nicht wolten wissen lassen, wurde von unsern Händen wohl vermauret, auswendig mit Leimen beschlagen, und so zugerichtet, dass niemand vermuten konte, als ob etwas verborgenes darhinter steckte. Mons. van Leuven erwehlete das Vorgemach derselben, worin auch der verstorbene Don Cyrillo sein Lebens-Ziel erwartet, zu seinem Schlaff-Gemach, ich nahm vor mich die kammer darneben, und vor Lemelie wurde die dritte zugerichtet, alle aber mit Pulver und Schiff-Pech etliche Tage nach einander wohl ausgeräuchert, ja so zu sagen, gar ausgebrandt, denn dieser ganze Hügel bestehet aus einem vortrefflichen Sand-Steine.
So bald wir demnach alles in recht gute Ordnung gebracht hatten, wurde Concordia hinein geführt, welche sich ungemein darüber erfreuete, und so gleich ohne die geringste Furcht darinnen haus zu halten versprach. Wolte also der wunderliche Lemelie nicht oben alleine schlaffen, muste er sich halb gezwungener Weise nach uns richten.
Indessen, da er noch immer kranck war, schafften Mons. van Leuven und ich alltäglich noch sehr viele auf der Sand-Banck liegende nützliche Sachen auf die Insul, und kamen öffters nicht eher als mit sinckenden Tage nach haus. Da immittelst Lemelie sich kräncker stellet als er ist, doch aber soviel Kräffte hat, der Concordia einmal über das andere so viel vorzuschwatzen, um sie dahin zu bewegen, seiner Wollust ein Genüge zu leisten, und an ihrem Ehe-mann untreu zu werden.
Concordia weiset ihn anfänglich mit GOttes Wort und andern tugendhafften Regeln zurücke, da er aber eins so wenig als das andere annehmen, und fast gar Gewalt brauchen will, sie auch kaum gelegenheit, sich seiner zu erwehren, gefunden, und in grössten Eiffer gesagt, dass sie ehe ihren Ehrenschänder oder sich selbst ermorden, als an ihren mann untreu werden, und so lange dieser lebte, sich mit einem andern vermischen wolte; wirfft er sich zu ihren Füssen, und bittet seiner hefftigen Liebe wegen um Verzeihung, verspricht auch, ihr dergleichen nimmermehr wieder zuzumuten, woferne sie nur die eintzige Gnade vor ihn haben, und ihrem mann nichts davon entdecken wolte. Concordia stellet sich besänfftiget an, gibt ihm einen nochmahligen scharffen Verweiss, und verspricht zwar, ihrem mann nichts darvon zu sagen, allein, ich selbst muste noch selbigen Abend ein Zeuge ihrer Ehrlichkeit sein, indem sie bei guter gelegenheit uns beiden alles, was vorgegangen war, erzehlete, und einen Schwur tat, viel lieber mit an die allergefährlichste Arbeit zu gehen, als eine Minute bei dem Lemelie hinführo alleine zu verbleiben. Mons. van Leuven betrübte sich nicht wenig über die grausame Unart unsers dritten Mannes, und sagte, dass er von Grund des Hertzens gern seinen Anteil von dem gefundenen Schatze missen wolte, wenn er nur mit solchen den Gottes-vergessenen Menschen von der Insul hinweg kauffen könnte. Doch wir beschlossen, ihn ins künfftige besser in acht zu nehmen, und bei der Concordia niemals alleine zu lassen.
Immittelst konte doch Mons. van Leuven seinen desshalb geschöpfften Verdruss, wie sehr er sich auch solches angelegen sein liess, unmöglich gänzlich verbergen, weswegen Lemelie bald vermerckte, dass Concordia ihrem mann die Treue besser, als ihm ihr Wort zu halten geartet, jedoch er suchte seinen begangenen Fehler aufs neue zu verbessern, denn da er wenig Tage hierauf sich völlig genesen zeigte, war von da an niemand fleissiger, dienstfertiger und höflicher als eben der Lemelie.
Wir hatten aber in des Don Cyrillo schrifftlichen Nachrichten unter andern gefunden, dass durch den Ausfall des Flusses gegen Mitternacht zu, unter dem Felsen hindurch, ein ganz bequemer Ausgang von der Insul nach der Sand-Banck und dem Meere zu, anzutreffen sei. Wenn man vorher erstlich in den heissen Monaten, da der Fluss am schwächsten lieffe, einen Damm gemacht, und dessen wasser durch den Canal, welchen Cyrillo nebst seinen gefährten vor nunmehr 125. Jahren gegraben, in die kleine See zum Ausflusse führte