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langen, deren wir sonsten gewöhnlicher massen etliche bei uns zu führen pflegten, nur bloss zur Lust, etwa dann und wann einen Vogel damit zu schiessen.

Des darauf folgenden Tages liessen unsere Gäste erstlich ihr recht vollkommenes Vergnügen über, alle die guten Sachen spüren, die wir ihnen mitgebracht hatten, ja einige waren schon beschäfftiget, sich gleich mit Sägen, Aexten, Beilen, Picken und Hacken etc. an die Arbeit zu machen, worvon wir sie aber abhielten, indem ihnen so wohl als uns dieser Tag noch ein Tag des Müssiggangs und Wohllebens sein sollte. Unterdessen war die schon gedachte grüne LaubHütte, welche Mons. Litzberg und ich vor uns aufzubauen bestellet, noch eher fertig, als wir uns deren versahen, welches uns denn anreitzete, sogleich alle unsere Gerätschafft in Ordnung zu bringen; demnach schliechen Mons. Litzberg, Mons. Cramer und ich, also 3. Personen, in diese Laub-Hütte, es hatte keiner aber, den wenigen Proviant ausgenommen, weiter nichts bei sich, als etliche Schlingen und seine WindBüchse. Die Dinger nahmen es als unvernünfftige Tiere nicht so bald gewahr, dass wir auf sie laureten, deswegen wurden ihrer 3. erstlich in Schlingen gefangen, 2. aber mit den Wind-Büchsen tod geschossen, so, dass sie auf dem platz liegen blieben; Allein die andern Herren Minions, als ihre Cameraden, oder Bluts-Freunde, ergriffen von der Stunde an das Hasen-Panier, was massen wir denn binnen weniger Zeit, (weilen diese Tiere unfehlbar Blut gerochen, des Handels inne worden und wohl so bald nicht wieder zu kommen gedachten,) auch uns vor diesesmahl mit unsern 7. Sachen in unsere Hütten zurück begaben, unter der Verabredung, dass wir uns diese und dergleichen Lust noch ein- oder etlichemahl machen wolten.

Es wurde so wohl von unsern Gästen, als andern noch anwesenden Felsenburgischen Freunden bewundert, dass wir so glücklich gewesen waren, dergleichen Helden-Taten getan zu haben; Wir aber, nachdem ein jeder noch ein gut Glas Wein getruncken, sahen uns nach der Ruhe-Stätte unserer ermüdeten Glieder um, und da wir dieselben gefunden, streckten wir dieselben, welche ziemlich erkältet waren, darauf aus, ohne uns weiter um die Minions zu bekümmern, als diejenigen, welche wir gefället, und bereits in sichere Verwahrung gegeben hatten.

Es machte dieses ein grosses aufsehen unter den 5. Portugiesen, indem sie heilig versicherten, dass sie diesen Tieren auf allerhand listige Art nachgetrachtet, ihnen Fallen und Schlingen gestellet, auch öffters mit Pfeilen nach ihnen geschossen, allein sie wären jederzeit unglücklich und ihre Mühe vergebens gewesen, deswegen begaben wir schon gemeldte 3. Personen uns in der darauf folgenden Nacht zum andernmahle in die Laub-Hütte, in Hoffnung, dass wir noch mehr Minions, erlegen, und mit deren Bälgen unserm Frauenzimmer ein Præsent machen wolten.

Allein bei dieser gelegenheit widerfuhr uns eine Erstaunens-würdige Begebenheit, denn da Mons. Litzberg, Mons. Cramer und ich, auf kleinen Klötzern neben einander sassen, und unsere Augen über die See, nach der Insul Gross-Felsenburg hingewandt hatten, kam, ehe wir uns deren vermuteten, eine erstlich dick scheinende Wolcke aus dem Meere, in Gestalt einer runden Kugel, auf das Ufer herauf gekollert, welche sich denn immer näher und näher nach unserer Hütte zu zukollern schien; allein wenige Minuten hernach verwandelte sich diese Wolcke in die Gestalt eines Mannes, der ein blutrotes Kleid anzuhaben schien, wie wir denn dieses bei dem hellgläntzenden Mondenschein, der, so zu sagen, fast die Nacht zum Tage machte, aufs allergenaueste beobachten konnten; indem aber unsere Lauber-Hütte dem Grabmahle des Don Juan de Silves dergestalt nahe entgegen gelegen, dass man wohl mit einer Pistolen-Kugel in den SteinHauffen hätte schiessen können, so wurden wir mit fast noch grösseren Erstaunen gewahr, dass aus jetzt gemeldten Stein-Hauffen ein dicker schwartzer Nebel aufstieg, welcher sich doch binnen wenig Minuten immer dichter zusammen zog, und endlich ebenfalls in die Gestalt einer Manns-person verwandelte, die ein gleichförmiges blutrotes Kleid, mit der schon gemeldten aus der See gekommenen person am leib zu tragen schien, denn wir konnten bei dem unvergleichlichen Mondenschein alles aufs allergenauste unterscheiden; Allein wir wurden fast ganz auser uns selbst gesetzt, da beide blutrot gekleidete Personen einander begegneten, und zu dreien mahlen um den Steinhauffen, oder des Don Juans Grab-Stätte herum gingen. Mir zum wenigsten stunden alle Haare zu Berge, und ich fing vor Schrecken schon einiger massen zu zittern und zu bebern an, dergleichen meinen Herrn Consorten, wie sie mir nach der Zeit bekennet, ebenfalls wiederfahren ist. Allein was geschahe? nachdem diese beiden Gespenster, oder Geister, 3. mahl um den Stein-Hauffen herum gegangen, machten sie ihre Wendung so, als ob sie auf unsere Hütte zu spazieren wolten, da denn unsere Angst und Furcht, wie leichtlich zu erachten, sich nicht um ein geringes vermehrete, jedoch wir blieben ganz stille sitzen, auser dem, dass wir unsere Schnupfftücher heraus zogen, und vor Mund und Nase hielten. Inmittelst fiel uns dieses als etwas recht erschröckliches in die Ohren, dass bei ihrer ersten Begegnung, der Geist des Don Juans mit einer grässlichen und dumffigten stimme dem Angekommenen also entgegen rief: Wer da? Wer bist du?

Hierauf anwortete der Angekommene ebenfalls mit einer grässlichen und heisern stimme.

Ich bin der Geist des Lemelié, eines in seinem Leben