auf den andern Tag übrig behalten hätten.
Demnach nahmen wir auf dissmahl Abschied von ihnen, nebst der Versicherung, dass wir als Ubermorgen ganz gewiss wieder zu ihnen kommen wolten, da sie uns denn in aller Frühe mit ihrem Boote bis an den Absatz unsers Felsens entgegen fahren könnten. Und dieses war der Verlass, wir aber kamen noch bei guter Zeit nach haus, so, dass noch Zeit genug übrig war, vor Schlafen-gehen dem Regenten und einigen bei ihm versammleten Mit-Regenten einen ausführlichen Rapport von unserer Reise und vorgefallenen Verrichtungen abzustatten.
Hier traf nun anfänglich wohl recht das gewöhnli
che Sprüchwort ein: Laudatur ab his, culpatur ab illis; wie nämlich eine Sache zuweilen von diesem gelobt, von einem andern über getadelt oder verachtet wird; sonderlich muste sich zuerst der gute Eberhard Julius ziemlicher massen durchhecheln lassen, dass er abermals 5. neue Stipendiaten, oder wie man sie sonst anderer Orten zu nennen pflegt, sankt MarxBrüder gewonnen hatte. Jedoch, nachdem ich meinen Mund auch aufgetan, und mich in dieser meiner gerechten Sache bestmöglichst verantwortet hatte, auch meine mitgewesenē liebe Hn. Brüder u. guten Freunde aufs kräfftigste vor mich redeten, so wurde nach etwas genauerer Untersuchung der Sachen-Beschaffenheit mir zuvörderst und allen andern Mitgewesenen das Lob und der Ruhm beigelegt, dass wir unsere Dinge unvergleichlich wohl gemacht hätten, zur Straffe aber dessen, dass wir alles so wohl besorgt, sollten wir auch fernerweit darauf bedacht sein, dass uns diese Leute nicht etwa mit der Zeit fatal werden, und wohl gar der Insul Gross-Felsenburg einen Stoss geben möchten etc. Hierbei wurde uns auch die sorge vor ihre Verpflegung und alles dessen, was sonsten dabei vonnöten sein möchte, aufgetragen, damit man sehen könne, wie sich diese Leute (welche meine besten Freunde im Schertze nur die Eberhardische Colonie zu nennen pflegten) von Zeit zu Zeit anliessen. Sonsten hätte ich zur Verteidigung dieser sehr redlich und aufrichtig scheinenden Leute, die, wie wir hernach erfuhren, nicht alle gebohrne Portugiesen waren, noch ein vieles beibringen können, unter welchen mir sonderlich der Sergeant sehr wohl gefiel, als welcher sich vor einen gebohrnen Edelmann ausgab, und sich Don Francisco del Rio nennete, auch nebst dem Spanischen sehr gut Latein redete; allein, es erforderte eben die Not noch nicht, dass ich sie zu frühzeitig lobte, weiln ich dass feste Vertrauen zu ihnen hatte, dass sie sich durch ihre gute Aufführung bald selbsten Lob und Ruhm erwerben würden. Demnach sorgte nur davor, ihnen mein Wort zu halten, und bestimmten Tages wieder bei ihnen zu sein. Meine mitgereiseten lieben Brüder, Vettern und Freunde nahmen in der Tat grossen teil an diesen meinen ohnbesonnenen Sorgen, mitin wurden in geschwinder Eile 3. Boote ausgerüstet, und nicht allein mit Lebens-Mitteln sondern auch mit den allernötigsten Stücken, welche zur guten Wirtschafft gehören, beladen. Als einige Stück Feder-Betten, etliche Matrazzen von verschiedener Grösse, Kessel, eiserne Töpffe, Tiegel, Pfannen, Schüsseln, Teller, Löffel, und anderes Küchen-Geräte, alles nach seiner Art, teils von Messing, teils von Eisen und so fort, wobei eine erstaunliche Menge TöpfferZeug von verschiedener Art zum Gebrauche in die Küche befindlich.
Was die Haupt-Stücke unserer Verehrung aber anbelanget, so mochten es wohl diese heissen, dass ein jeder ein so genanntes Feier- oder Sontags-Kleid, darbei auch ein von etwas gröbern Tuche, oder gemeines Werckel-tages-Kleid bekam, welche beide vollständig nach Felsenburgischer Mode gemacht waren, auser diesem bekam jedweder noch 2. paar wild-Lederne Beinkleider, auch Schue, Stiefeln u. Strümpffe 3. und 4. fach. Unser Frauenzimmer, deren mancher sonsten ein Zwirns-Faden an das Hertze gewachsen war, wolte seine Freigebigkeit (ich weiss selber nicht warum?) auch auf einmal zum Vorscheine kommen, und dero Lichter leichten lassen, denn sie beschenckten meine so genannte Colonie, jeden mit 12. Unterund eben so vielen etwas feinern Ober-Hemden, Halstüchern, Servietten, Handtüchern, Schnupftüchern und andern dergleichen Kleinigkeiten, wobei aber auch die schönsten Bett-Überzüge und Bett-Tücher waren, des übrigen Hausrats ganz und gar nicht zu gedencken. Ja, ich wundere mich bis diese Stunde noch fast halb tod, dass unser Frauenzimmer ihrem zarten Hertzelein damahls dergleichen so gar gewaltige Stösse geben können; Allein die Wahrheit zu bekennen, so haben sie, dem gemeinen Sprichworte nach, nichts weiter getan, als Speck-Seiten nach Bratwürsten zu werffen. Jedoch umgekehrt: denn ich bin ja lange noch nicht fertig mit erzehlen; hätte mir aber selbsten nicht eingebildet, dass alle diese unsere geringen Geschencke, durch die gelegenheit, hauptsächlich aber durch die Vorsorge der himmels-Güte, bei eben dieser Leute Anwesenheit so reichlich sollte ersetzt werden.
Jedoch, kurz zu sagen: so sahen wir unserer Stipendiaten Boot, welches man wohl eine der besten Chalouppen nennen mochte, zu bestimmter Zeit angerudert kommen, weswegen wir uns denn auch so gleich mit unserer verabredeten Equipage fertig machten, solches nicht lange aufzuhalten, da mir denn dieses am allerlächerlichsten vorkam, dass der liebe Töpfer und Bruder Schreiner, in unsäglicher Eile fast das halbe Schiff mit seinem auserlesensten TöpferGeschirre anfüllen liess, so, dass wir ihn noch bitten mussten, den mehresten teil wieder zurück zu nehmen, und vor uns aufzubehalten, zumahlen, da noch andere Handwercks-Leute, als Böttcher, Tischer, so wohl auch die Künstler