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seinem lincken Backen hat. Dieses sage ich darum, wenn sie ja zweiffeln sollten, dass dieses der rechte angegebene körper wäre. Sonsten aber möchten sich meine Herren vielleicht auch wohl darüber verwundern, wo nämlich wir 5. Personen 5. Flinten, so viel Palläsche, Bajonetts und dergleichen anderes Gewehr hergenommen hätten, da doch unsere 7. Cameraden ersoffen, und ihr Gewehr wohl nicht würden zurück gelassen haben; allein, wenn sie sich bemühen wollen, mit nach unserm Boote zu gehen, welches uns durch des himmels Fügung anhero gebracht, so werden sie gleich finden, dass wir Recht haben: denn dieses ist eines von der besten Portugiesischen Art, da man in den hohlen Seiten-Wänden des Boots verschiedene Stücke, Ober und Unter-Gewehr, Pulver, Blei und dergleichen verbergen kan, wie wir denn von diesem allen einen noch höchst notdürfftigen Vorrat haben; so werden sie denn daraus ferner beobachten, dass alles dieses ganz natürlich zugehet.

nunmehr (so redete der Sergeant ferner) bitten wir uns bei unsern Hochgebietenden Herren dero mächtigen Schutz aus, und zwar in Erwegung dessen, dass uns der Himmel so wunderbarer Weise wieder anhero auf diese ihnen zuständige Insul geführt hat. Auf ihre grosse Insul verlangen wir nicht einmal unsere Füsse zu setzen, um des Verdachts entübriget zu sein, als ob wir etwa Spions oder Landes-Verräter wären, als welches der Himmel wolte lassen ferne von uns sein. kurz: wir sind froh, dass wir von unsern Landes-Leuten mit guter Manier abgekommen sind, weilen uns deren Lebens-Art selbsten nicht länger anständig ist, darum wollen wir uns eine geruhigere Lebens-Art erwählen, und um unsere Nahrungs-Mittel zu verdienen, lieber so lange arbeiten, bis uns der Tod der Arbeit entlediget. Unterdessen sind wir, wie sie sehen, alle noch gesunde, frische und starcke Leute, deren der Aelteste etwa von 53. der Jüngste aber von etliche 30. Jahren sein. Wir sind alle geschickt zu Zubereitung des Holtzes, sonderlich dessen, was zum Schiff- und Häuser-Bau erfordert wird, ausser diesem können wir ja in den Saltz- und Ertz-Gebürgen arbeiten, wenn uns ja unsere Herren dasjenige Brod gönnen wollen, welches wir nicht etwa, so wie vorher als Faulläntzer, sondern mit ihrer allermöglichsten Hand-Arbeit zu verdienen gedencken.

Meine Freunde! (gab ich ihnen hierauf zur Antwort) nehmet mir nicht übel, dass ich euch dessen, was diese letztere Sache anbelanget, keinen gründlichen Entschluss erteilen kan, indem ein solches unsern Aeltesten und Befehlshabern erstlich muss vorgetragen werden. So viel aber will ich euch versprechen, dass, wenn ihr GOtt fürchtet, getreu und redlich, keinesweges aber etwa verräterisch oder tückisch an uns handelt, so könnet ihr arbeiten nach eurem eigenen Belieben, so viel als ihr vermeinet, was etwa zu desto besserer Erhaltung eurer Gesundheit möchte dienlich sein. Unterdessen möget ihr auch arbeiten, oder ganz und gar nichts tun, als eurer Ruhe pflegen, so soll euch doch von Zeit zu Zeit, und zwar im Uberflusse, so viel an Kost und Wein zugeführet werden, dass ihr nicht zu klagen Ursache haben sollet. Auser dem habt ihr ja die schönsten grossen und auch kleinern Vögel, die wilden Ziegen und noch vielmehr gutes Wildpret, wobei wir uns aber ausbitten, so wohl das Rot- als Schwartz-Wildpret ein wenig behutsam zu tractiren, weiln wir unsre Freude daran haben. Hergegen werdet ihr auser denen grössten Schildkröten und andern Meer-Tieren, welche man nebst den allervortrefflichsten Fischen zur Speise gebraucht, den stärcksten Vorrat ohne besondere Mühe antreffen, und euch dieselben, der Veränderung der speisen wegen, zu Nutze machen können. Hiernächst wollen wir euch allerhand Handwercks-Zeug, als grosse und kleinere Sägen, grosse und kleine Holtz-Aexte und HandBeile, ingleichen Hacken, Picken, Schauffeln, Spaden und dergleichen, so viel, als nötig zu sein scheinet, zuschicken, als wormit ihr euch eurer Bequemlichkeit nach, diese oder jene Bewegung zu Erhaltung der Gesundheit, nicht aber zur Schwächung des Leibes machen könnet, denn dieses verlangen wir nicht, weiln wir keine Tagelöhner nötig haben, sondern unsere selbst eigene Tagelöhner nach eines jeden Vermögen sind.

Nachdem nun diese guten Leute, welche bis dato noch alle lebendig, lustig und guter Dinge anzutreffen sind, diesen Vortrag von mir angehöret, schienen sie von herzen darüber erfreuet zu sein, und wolten uns allen die hände küssen, allein wir schenckten ihnen diese unnötige Höflichkeit, liessen uns aber doch aus Neubegierde zu des Don Juans Grabmahle führen, wobei sie denn fragten: ob wir dasselbe wolten eröffnen lassen, um seinen körper in Augenschein zu nehmen? da sie sich denn mit etlichen mit Eisen beschlagenen Rudern so gleich darüber hermachen, und dasselbe aufgraben wolten; Allein wir sagten ihnen, dass dieses nur unterbleiben könnte, indem wir ihrer Redlichkeit traueten, und den körper nicht in seiner Ruhe stöhren wolten. Hierauf lasen wir Felsenburger allen unsern noch bei uns habenden Proviant zusammen, worunter etliche Flaschen Wein befindlich, die sich einige durstige Seelen auf die Reise füllen lassen; wie aber unser eigener Hunger und Durst schon ziemlich gestillet war, und wir binnen wenig Stunden wieder in unsern Wohnungen zu sein uns vorstelleten, so liessen wir alles dieses unsern neuangekommenen Gästen zurück, die sich denn, wie sie hernach sagten, eine sehr kostbare Abend-Mahlzeit davon zubereitet, welche sie aber nicht alle verzehren können, sondern noch sehr viel bis