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kommen; Ja, ich sage nochmahls, wenn Don Juan dieses gewust hätte, so wohl als die allermeisten von seinen Untergebenen, so lebte er vielleicht noch jetzt. Was? (rief ich nicht allein dem Sergeanten, sondern auch seinen Leuten recht im Schrecken entgegen) ist Don Juan tot? Nicht anders, mein Herr! (antwortete der Sergeant) und sein körper liegt kaum 2. bis 300. Schritte von dieser Stätte, worauf wir jetzt sitzen, begraben, wie aber dieses zugegangen, will ihnen vorjetzo bis auf eine andere Zeit nur in aller Kürtze zu wissen tun. So bald als unser Trompeter von den Felsenburgern die Antwort zurück gebracht: welcher Gestalt sie sich anders resolvirt, ihre Deputirten nicht mit uns fortschicken, sondern dieselben bis auf eine andere Zeit und gelegenheit annoch zurück behalten, nachher schon mit eigenen Schiffen nach Europa senden wolten, und wie die Worte etwa ferner lauten mochten etc. da sie uns, wie es denn genommen oder ausgelegt wurde, ganz spitziger und höhnischer Weise eine glückliche Abfahrt und Reise wünschten, auch vielleicht bald nachzukommen versprachen, und was dergleichen RedensArten mehr waren, die ich nicht alle von Wort zu Wort behalten können, sondern nur die Haupt-Sache, so den grössten Lerm verursachte.

Diesen Lermen machten hauptsächlich die aus der Insul mit gewesenen Officiers, indem sie die Commandeurs der andern 2. krieges-Schiffe unter dem Vorwande gegen den Don Juan aufwiegelten, dass alles dieses eine schändliche Verräterei sei, die er mit den Felsenburgern abgedroschen, als zu deren Ober-haupt, oder wenigstens Vice-Könige, er sich unfehlbar vor seine person selbsten aufzuwerffen gesonnen, indem er sich zum öfftern verlauten lassen, dass ihm diese Insul allein lieber sein sollte, als manches kleines Königreich, ingleichen bürdeten sie ihm auf, dass er sich mit dem wenigen Proviant und Schiess-Pulver abspeisen lassen, und nicht darauf gedrungen hätte, dass ihm die Felsenburger mehrere Kostbarkeiten an Gold, Silber, Perlen und dergleichen zinsen müssen, indem es schon längst durch verschiedene Spions verraten worden, dass sie einen sehr starcken Vorrat von dergleichen Sachen im Vermögen hätten; doch würde er vielleicht die unschätzbaren Diamanten und andern edlen Gesteine, die sie ihm hie und da heimlich zugesteckt, wohl schwerlich zeigen. In Summa: es erhellete klärlich aus allen Umständen, dass Don Juan aus gewissen Absichten, die ihm vor seine eigene person selbst etwa zum besonderen Vorteil gereichen können, die Felsenburger begnadiget, und der Königlichen Ordre nicht behörig nachgelebt hätte, wiedrigenfalls man diese Insul wohl erobern können, und wenn dieselbe noch 10. mahl stärcker bevestiget und besetzt gewesen wäre.

So bald nun diese falschen Beschuldigungen dem Don Juan zu Ohren kamen, liess er die Commandeurs der andern beiden krieges-Schiffe, ingleichen alle übrigen vornehmen See-Officiers zu sich auf sein, als das Haupt-Schiff beruffen, um mit ihnen See- oder schiffes-Rat zu halten, und sich sonderlich wegen der ihm aufgebürdeten schweren Verbrechen zu entschuldigen.

Seine Feinde und Verfolger kamen hierüber zusammen, und der hefftige Streit mit Worten währete viele Stunden, ja fast die ganze Nacht hindurch, da denn Don Juan de Silves, welchem seine Feinde nichts erweisslich machen, vielweniger ihn mit Worten überwinden konnten, ihre Degens auf ihn zogen, und diesen wackern Commandeur mit etliche 20. Wunden ermordeten, wie wir denn solche ganz eigentlich gezählet haben. So bald aber dieselben ihn tod sahen, und bemerckten, dass dieserwegen eine Rebellion auf seinem als dem Haupt-Schiffe entstehen, die sich vielleicht wohl weiter noch auf die andern Schiffe ausbreiten möchte, gaben sie so gleich Befehl als die andern beiden Schiffe, auf das Haupt-Schiff los zu canoniren, und solches, wo möglich, in den Grund zu bohren. Wie wir, als des Don Juans überbliebene Getreuen, dieses kaum pfeiffen hören, warffen sich unser 12. Mann in das gröste Boot, nahmen auch den verblichenen körper des Don Juan mit hinein, indem wir gesonnen waren, denselben auf einer der höchsten Sand-Bäncke zu begraben; Allein der Himmel fügte es ganz anders, indem unser Boot auf einer verborgenen Klippe umstürtzte, so dass von unsern Cameraden ihrer 7. ersoffen, mitin bei dem toten körper nicht mehr, als wir 5. Mann übrig blieben, worauf uns ein sanfter Wind, an statt, wie wir erstlich vermeineten, nach den Sand-Bäncken zufuhr, und durch die Gnade und Barmhertzigkeit des himmels, zwar wider alles unser Vermuten, an das Ufer dieser Insul trieb. Als welche Insul wir denn mit den allergrösten Freuden so gleich erkañten, einen bequemen Ort zum Anländen fanden, und unsere Leiche, als des im Leben liebgewesenen Commandeurs, Don Juan de Silves, mit ungemeiner Mühe und Arbeit zu land brachten, dieselbe nach Soldaten-Art ehrlich begruben, und einen grossen Stein-Hauffen auf das Grab machten, wie denn, meine Herren! selbiges sogleich nach ihrem Belieben in Augenschein nehmen können, auch, so es gefällig, den körper können ausgraben, und durch einen Chirurgum besichtigen lassen, denn es kan dieser körper, weilen er so nahe an der See, und zwar im schönsten kühlen Sande stehet, binnen so kurtzer Zeit nicht vermodert oder angefaulet sein. Sonsten aber kan man den Don Juan de Silves an den 3. starcken Narben, die ihm, wie ihnen bekannt, von 3. wichtigen Verwundungen übrig geblieben, gar leicht erkennen, ausgenommen des grossen braunen Muttermahls, welches er an