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fort, da wir denn den Don Juan bereits mit sein je schwachen Begleitung auf der grössten Sand-Banck angeländet erblickten, und gewahr wurden, dass sie bei einem angemachten Feuer auf ausgebreiteten Teppichen ein Schälchen Caffée truncken, indem die Sonne eben im Aufgange begriffen war. Ehe ich weiter rede, will ich vorerst noch dieses melden, dass uns dreien Deputirten, als nämlich Herr Wolffgangen, Mons. de Blac und mir, nicht nur von dem Regenten, sondern auch von den Aeltesten und Vorstehern unserer Gemeinden, eine schrifftliche vielfach unterschriebene und besiegelte ausführlich und deutliche Vollmacht mitgegeben, und in derselben gemeldet wurde, dass alles NB was wir 3. schliessen, verabreden und handeln würden, eben so gut verabredet, erkannt und geschlossen zu sein gehalten und geachtet werden sollte, als ob alle Felsenburgischen Einwohner, vom Aeltesten bis zum Jüngsten, und vom grössten bis zum Kleinesten, selbst zugegen wären, und vor ihre Wohlfahrt redeten, welche sie vor diesesmahl bloss allein, nechst dem Vertrauen auf göttlichen Schutz und Hülffe, unserer Treue, Redlichkeit, Klugheit und Erfahrenheit gänzlich anheim gestellet hätten.

Hierbei muss ich den geheimen besonderen HauptPunct zu melden nicht vergessen: wie nämlich uns auch dieser delicate Punct einzugehen erlaubt war, den Don Juan mit so viel Begleitern, als uns etwa nicht gar allzu nachteilig scheinen möchte, auf die Insul herauf zu führen; alldieweilen wir uns eben kein besonderes Bedencken dabei nehmen durfften, weilen uns die Portugiesen jedennoch nicht mit Gewalt verderben könnten, und wenn sie auch mit der allerstärcksten Flotte gegen uns überlägen, denn wir hätten ja die klaren Exempel davon nunmehr schon zur Gnüge erfahren. Ich meines Teils hatte das allerwenigste hierwider einzuwenden, zumahlen, da ich an allen meinen Fingern abzählen konte, dass eine ungewöhnlich stärckere Macht dazu erfordert würde, die Insul Gross-Felsenburg mit Gewalt der Waffen einzunehmen. Um aber in der Geschichts-Erzählung ohne fernern Umschweiff fortzufahren, so muss versichern, dass, so bald wir bei der Sand-Banck angeländet, uns der Don Juan also gleich, nachdem er von den Teppichen aufgesprungen war, ohne Begleitung nur eines eintzigen Dieners entgegen gegangen, erstlich Herrn Wolffgangen, hernach die andern mitgekommenen Felsenburger aufs allerfreundlichste umarmete, und bat, ihn bei jetzigen Umständen nicht zu verschmähen, sondern ein Schälchen Caffée, vor das Nüchterne mit ihm zu trincken, und zwar auf dem Sande. Wir liessen uns eben nicht lange nötigen, indem wir befürchteten, dass er es sonsten übel nehmen, oder aber gar einen unbilligen Verdacht auf uns legen möchte; demnach truncken wir ein jeder etliche Schälchen bei einer Pfeiffe Toback, nachher aber nach Belieben auch einige Gläsergen des allerbesten Frantz-Brandteweins, da denn Don Juan de Silves mit lächelndem mund zu sagen anfieng: Meine Herren! ich habe eure Conduite von vielen See-Fahrern rühmen hören, allein, das hätte ich mir fast nicht träumen lassen, dass ihr mein letzteres an euch abgeschicktes Commando dergestalt feindseelig abgefertiget, wie mir denn dieserwegen die Grillen noch im Kopffe herum gehen, zumahlen, da euch seitero, kein ordentlicher Streit oder Krieg angekündiget worden, sondern wir sind ja nur zu euch gekommen, als gute Freunde und Brüder, in Hoffnung dessen, dass ihr die Ober-Herrschafft und den Schutz meines Königs annehmen würdet; so aber fangt ihr den Krieg unbedachtsamer Weise von euch selbsten an.

Keineswegs, mon Patron! (gab hierauf Herr Wolffgang zur Antwort) haben wir Streit und Krieg von uns selber angefangen, denn wir sind ein friedliebendes Völcklein; da aber wider alles Vermuten und Verhoffen unter unsere Leute, die uns gefolgt waren, um nur zu sehen, wo wir hin wolten, und wie es uns etwa gehen möchte, so gleich Feuer gegeben wurde, als wie unter die Hunde, so haben dieselben auch einiger massen ihre Hertzhafftigkeit gezeigt, welche dieserwegen zu bedauren, weilen sie den Ihrigen in etwas zum Schaden mag gereicht sein. Ich kan ihnen (redete Herr Wolffgang weiter) heilig versichern, dass unsere Felsenburger, ungeachtet sie von Jugend auf, so zu sagen, ganz einfältig auferzogen worden, dennoch herzen in ihren Cörpern haben, wie die Löwen und Tyger, inmassen sie sich bloss auf GOtt, ihre gerechte Sache, gutes Gewissen und sonsten angebohrne natürliche Freiheit verlassen, anbei sich eher auf der Stelle tod schlagen liessen, als nur einen Fuss zurücke zöhen, um den Schein von sich zu geben, als ob sie ihren Feinden nachgeben oder weichen wolten. Ich will hiervon weiter nicht viel Redens machen, damit es nicht etwa als eine bei gewissen Völckern gebräuchliche Rodomontade oder Prahlerei heraus kommen möchte.

Der Himmel ist mein Zeuge, (versetzte auf dieses Don Juan de Silves,) dass ich meinen Leuten nicht mit dem geringsten Worte Befehl gegeben, Feindseligkeiten zu gebrauchen, geschweige denn mit dem Feuergeben den Anfang zu machen, da aber die Anführer derselben bereits an ihren Wunden gestorben sind, als kan ich sie weiter nicht dieserhalb zur Rede setzen.

Hierwider haben wir (war meine Gegen-Rede) ganz und gar nichts einzuwenden, allein, was sollte denn aber das darauf erfolgende hefftige Bombardiren und Canoniren wohl etwa zu bedeuten haben? vielleicht uns Felsenburgern etwa ein besonderes Schrecken einzujagen, oder uns sonsten in Verzweiffelung zu bringen? wenn dieses ihre gedanken gewesen sind, so haben sie sich ganz entsetzlich geirret, denn wir sind bis auf diese Stunde noch nicht anders gesinnet, als eine gewisse Art einer noch jetzt florirenden Nation, welche sich vor nichts hefftiger, als vor