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und zu verspotten, indem nicht mehr, als eine eintzige Bombe, deren er doch wohl 3. bis 400. gegen uns spielen liesse, auf unsere Insul herunter gekollert kam, welche jedoch nicht den allergeringsten Schaden verursachte, ausgenommen, dass dieselbe ein kleines Fleckgen Grase-Land umwühlete, worüber wir und unsere Kinder eine ganz besondere Freude hatten. Wie unsers Orts sassen ganz stille, so wohl als wie unser Felsen, der alle Bomben und kanonen-Kugeln mit lachendem Mute von sich abwiese. Jedoch endlich, nachdem das Bombardiren und Canoniren ganzer 2. mahl 24. Stunden unaufhörlich gewähret, riss bei Ms. Plagern und mir der Gedult-Faden entzwei, weswegen wir nicht allein aus unsern neugegossenen Mörsern etliche 50. Bomben ihnen entgegen spieleten, jedoch listiger Weise mit allem Fleisse bald seitwärts, bald über ihre Schiffe hin: Damit sie aber ja allenfalls nicht vermeinen sollten, als ob es uns am Pulver fehlete, so hatten wir eine ganz besondere Art von Bomben, die mit Schwärmern, Lust-Kugeln und dergleichen Feuerwerckers-Possen angefüllet waren, welche wir ihnen sehr geschicklich zum Zeitvertreibe in ihre Schiffe zu werffen wusten, um ihnen auch damit zu zeigen, dass es unser Ernst eben nicht sei, sie tödlich zu verletzen, sondern nur ein kleines Lust-Spiel mit ihnen zu haben. Auser dem wurde fast alle Abend, so zu sagen, zu unserer eigenen Lust und Vertreibung der unruhigen gedanken, oder Grillen, (wie man dieselben sonsten zu nennen pflegt) immer ein kleines lustiges Feuer-Werck nach dem andern den Herren Feinden entgegen præsentirt, wobei wir uns auch nicht scheueten, zu gewissen zeiten und Stunden nach Beschaffenheit der Sachen unsere Cartaunen, kanonen und Mörser abzufeuern, weiln wir uns nebst göttlicher Hülffe bis zu der Zeit noch in der Verfassung befanden, allen unsern Feinden die Spitze zu bieten, es möchten dieselben auch gleich Christen, oder Barbaren sein.

Endlich kam Don Juan in so weit zum verstand, dass er das erschröckliche Bombardiren und Canoniren einstellete, indem er vielleicht selbst absehen mochte, dass damit gegen uns nichts im geringsten auszurichten wäre, da wir ihm fast nur zum Spase, unzählige Bomben und kanonen-Kugeln entgegen spieleten, die Lust-Feure, so wir ihnen und uns nach unserer Bequemlichkeit machten, will ich darbei ausnehmen, weilen es zur Haupt-Sache eben nicht zu dienen scheinet, sondern nur so viel sagen: dass, nachdem noch einige Tage verstrichen waren, der Don Juan de Silves in einem kleinen Boote einen abermahligen Trompeter an uns schickte, und von uns verlangte, dass 3. Personen der Unsern als Deputirte auf die grosse Sand-Banck zu ihm kommen möchten, indem er in eigener person mit ihnen Sprache zu halten gewillet sei, und dieserwegen ihnen auf Treu und Glauben alle vollkommene Sicherheit wegen ihrer Ehre und Lebens verspräche, wie er denn auch nicht mehr, als 3. Personen zu seiner Bedeckung mit sich bringen würde, und zwar, allen bösen Verdacht zu vermeiden, ohne alles tödliche Gewehr: Hiernächst wäre er gesonnen, nach krieges-Gebrauch, Geisseln mit uns zu vertauschen, indem er 3. von seinen vornehmsten Officiers in unsere Verwahrung liefern wolte, wenn wir ihm dargegen 3. Mann von unsern Aeltesten oder Befehlshabern auf sein Schiff hinüber zu schicken uns entschliessen könnten, als welche er keinesweges wie Gefangene, sondern als gute Freunde und Bruder halten, und nach seinem allerbesten Vermögen aufs herrlichste und kostbarste wolte verpflegen lassen.

Nachdem ich, der ich unten am fuss unsers Felsens mit einigen guten Freunden spatziren herum gegangen war, und das mündliche Compliment des Trompeters angenommen hatte, (welches unser Feind ihm in den Mund gelegt) muste ich in meinem gedanken die Geschicklichkeit und sonsten überaus artige person dieses Trompeters bewundern, weswegen seinem Principal eben nicht zu verargen war, dass er ihm unter seiner eigenen Hand und Siegel ein Blanquet, ohngefehr in folgenden Worten mitgegeben:

Diesem meinem Leib-Trompeter und Vorzeigern dieses Schreibens ist in allen Stücken und in allen seinen Worten ein vollkommener Glaube beizumessen, eben als ob ich dieselben selbst aus meinem eigenen mund gesprochen hätte, und zwar Cavalier-Parole etc.

Don Juan de Silves.

Der Mons. Trompeter aber bekam gestallten Sachen nach vor diesesmahl nichts weiter zur Antwort, als dass sein Principal Morgen, so gleich mit dem Aufgange der Sonne, Antwort haben sollte.

nunmehr war bei uns abermals guter Rat teuer, deswegen brachten wir die ganze darauf folgende Nacht zu, diesen zu finden. Endlich wurde beschlossen, uns auf alle Fälle in behörige Ordnung zu setzen, worauf denn Mons. Wolfgang, Mons de Blac und ich abermals fort mussten, um das Wort zu führen; Hierbei aber wurden uns 3. Personen von den Aeltesten mit hinzu gegeben, weilen wir uns wiedrigenfalls weigerten, vom Flecke zu gehen, indem man ja nicht verlangen könnte, dass wir 3. Einkömmlinge uns allein allen Gefährlichkeiten unterwerffen, und so zu sagen, unsere Seele in der blossen Hand tragen sollten, zumahlen, da unsere Leibes-Wunden, die wir in dem letzteren Treffen empfangen, noch kaum zur Helffte geheilet wären etc.

Diese Vorstellungen, welche von uns dreien mit redlichem und aufrichtigem herzen und mund geschahen, erreichten ihren Zweck in allen Felsenburgischen Gemütern, so viel auch deren nur immer um und neben uns waren, welches die liebes-Tränen, die so wohl von den Aeltesten, als Jüngern vergossen wurden, klärlich bezeugeten. Demnach ging mit anbrechenden Tage die Reise