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-tod und 9 Blessirte auf der Stelle vorhanden waren, welche sie in gröster Eile auf ihre rücken nahmen, zurück ins wasser sprungen, und dieselben in ihre Chalouppe trugen. Es war ein artiger Spas, da eben zur selben Zeit, da dieses geschahe, eine ganze Bataillon von unsern Frauenzimmerlichen Granadier-Regimente durch den Wolffgangischen WasserFall herunter marchirt kam, um uns in der Gefahrschwebenden armen Männern aus getreuem herzen aufs bestmöglichste zu Hülffe zu kommen. Ich will und kan nicht sagen, was dieser Anblick vollends den Feinden vor ein besonderes Schrecken einjagte, zumahlen, da sie die ungewöhnliche Montur derselben in Betrachtung zohen.

Unsere Granadiers aber führeten sich eben nicht auf, als wie die Zieper-Katzen, sondern sie mussten in gröster Geschwindigkeit ihre Granaden dergestalt accurat zu werffen, dass nicht alle viele durch das wasser badende Feinde, sondern auch noch weit mehrere in der feindlichen Chalouppe teils getödtet, teils hefftig blessirt wurden. Unaussprechlich war die Geschwindigkeit unserer Feinde, welche sie gebrauchten, um nur von unserm Ufer hinweg zu kommen, da wir denn, weiln uns mit Vergiessung vieles MenschenBluts eben nicht gedient, uns in so weit an der Ehre begnügen, und den überwundenen Feind fernerweit ohngestört fortrudern liessen.

Was Don Juan de Silves in der ersten Hitze bei der Zurückkunfft seiner Leute, welche ziemlicher massen mit blutigen Köpffen anzusehen waren, gesagt haben mag, möchte ich wohl wissen, jedoch mit wem hat er sich wohl sonderlich zancken mögen, da seine beiden commandirenden hitzigen Herrn subalternen Officiers tödlich verwundet waren, und wie man vernommen, nachher bald ins Reich der Toden gereiset sind.

Wir unterdessen schlichen uns ganz sanfft und stille durch den wasser-Fall wieder auf unsere Insul hinauf, eben als wenn wir kein wasser betrübet hätten, sobald wir aber oben auf der Höhe angelanget waren, vergönneten wir der wasser-Flut wieder ihren strengen Fall und Sturtz, und bekümmerten uns vor dissmahl weiter um keine Feinde.

Gewöhnlicher massen werden sonsten in andern Ländern die Sieger, welche ihren Feind bezwungen, oder doch zurück geschlagen, im Triumphe eingeführet; allein dergleichen hochspringende Gemüter hatten wir armen Felsenburger auf keinerlei Art und Weise, sondern, so bald wir zurück kamen, war das allererste, dass man uns in die Kirche führte, da wir uns insgesamt, ungeachtet unsrer annoch blutenden Wunden, mit Freuden und Vergnügen da hinein begaben, wo die ganze Christliche Gemeine in erstaunlicher Menge versamlet war.

Herr Mag. Schmeltzer Sen. liess erstlich den Choral singen: Du Friede-Fürst, HErr JEsu Christ etc. hernach hielt er einen nicht eben allzu langen Sermon, in welchem er unsere geschichte mit der Maccabäer begebenheiten unvergleichlich wohl zusammen reimete, nachher aber aus Psalm am 37. vers. 37. den Schluss damit machte: bleibe fromm und halte dich recht, denn solchen wird es zu letzt wohl gehen; Die Ubertreter aber werden vertilget mit einander, und die Gottlosen werden zuletzt ausgerottet. Aber der HErr hilfft den Gerechten, der ist ihre Stärcke in der Not. Und der HErr wird ihnen beistehen, und wird sie von den Gottlosen erretten, und ihnen helffen, denn sie trauen auf ihn.

Nach diesem Sermon, worin er sonderlich das auf beiden Seiten unschuldig vergossene Blut mit fast weinenden Augen bedauerte, wie denn wir Streiter selbst keinen Wohlgefallen daran hatten, sondern nach vollbrachter Sache einem jeden von unsern Feinden auch den kleinsten vergossenen Bluts-Tropffen gern wieder mit einem Lot Golde zurück in den Leib gekaufft hätten, wenn es anders möglich gewesen wäre: denn unsere Nation ist, bekannter massen, eben so barbarisch nicht, sondern vielmehr christlich gesinnet, da sie es aber nicht anders haben wollen, als mochten sie auch mit demjenigen vorlieb nehmen, was ihnen von GOttes- und Rechtswegen wiederfahren war. Hierbei aber kan ich nicht sagen, dass nur einem eintzigen Felsenburger das Hertze, wie man sonsten zu reden pflegt, in die Kniekehlen gesuncken war. Nein! im Gegenteil waren so wohl Manns-Personen, als das Frauenzimmer recht begierig, bald noch ein Scharmützelgen zu wagen; Jedoch, da Hr. Mag. Schmeltzer zum Schlusse dieser ausserordentlichen Betstunde oder Kirchen-Andacht noch das bekannte christliche Kirchen Lied.

GOtt, der Friede hat gegeben,

Lass den Frieden ob uns schweben etc.

absingen lassen, begaben sich alle und jede nach haus in ihre Wohnstädte, da denn wir und die andern Verwundeten desselben am allermeisten vonnöten hatten. Die darauf folgende Nacht war alles sehr stille; jedoch, weiln einem schlaffenden Feinde eben so sonderlich viel nicht zu trauen ist, besetzten wir unsere Posten, so wohl auf den Gebürgen, als in der Ebene drei und vierfach, ich aber, weiln ich wegen der Schmertzen an meiner empfangenen Wunde ohne dem wenig Ruhe noch Rast zu finden verhoffte, begab mich auf die höchsten Felsen Spitzen bei die DavidsRaumer-Schildwächter, da ich denn gleich mit Anbruch des Tages gewahr wurde, dass nicht allein die 3. grossen krieges-Schiffe, sondern auch noch ein Schiff, benebst der elenden Fregatte, die bishero bei KleinFelsenburg gelegen, weit näher an unsere Insul GrossFelsenburg heran gerückt waren, und dem Scheine nach nur absehen wolten, wo etwa der Wind herkäme; Allein es zeigte sich bald anders: denn der Don Juan, welcher vielleicht mehr Feuer im Kopffe, als im herzen hatte, machte den Anfang, uns auf eine ganz erstaunenswürdige Art zu bombardiren und zu canoniren; Jedoch! wir hatten ja die gröste ursache, diese seine Torheit hertzinniglich zu belachen