aus welcher 3. vornehme Officiers herauf gestiegen kamen, und erstlich in hochtrabenden Worten anfragten: Warum wir nicht Parole gehalten hätten, uns bei dem Don Juan de Silves auf der Insul Klein-Felsenburg einzufinden?
Hierauf antworteten wir mit ganz gelassenen Worten: dass wir einfältigen Leute nicht gewust hätten, wie wir daran wären, indem uns eine Zeit von 4. bis 6. Tagen bestimmt gewesen, welche aber verlauffen, und noch etwas drüber, ehe wir sein Signal mit dem Bomben gehöret, weiln nun dieses eben unter der Zeit unseres Gottesdienstes geschehen, und wir auch anderer Ursachen wegen, nicht wohl abkommen können, so hätte ein solches vor dissmahl bis auf eine andere Zeit unterbleiben müssen. Zum andern wurde von ihnen gefragt: ob wir uns denn nun würcklich resolvirt hätten, die allerhöchste Protection ihr Königl. Majestät von Portugall anzunehmen? worauf ihn zur kaltsinnigen Antwort gegeben wurde: hiervon könnten wir eben jetzt nicht viel reden, weiln wir keine besondere Vollmacht dazu hätten, unterdessen wäre allhier ein alleruntertänigstes Schreiben an ihr Königl. Portugiesischen Majestät vorhanden, und zugleich die Copia oder Abschrifft desselben vor den Don Juan de Silves, als andere, welche solches zu lesen beliebten. Zum dritten waren die 3. Herren so treuhertzig zu begehren, dass wir sie hinauf auf unsere Insul führen sollten, um ihnen unsere Lebens-Art und andere Anstalten zu zeigen; welches, wenn es nicht geschähe, der Don Juan vor den allergrösten Affront aufnehmen würde.
Aber dieses war vollends eine Sache, die uns anzunehmen eben nicht gar zu vorteilhafft zu sein schiene; deswegen sagten wir ihnen allen 3. zur Antwort, wasmassen es allerhand Ursachen wegen, unser Werck ganz und gar nicht sei, fremde Personen, geschweige denn solche, die uns mit lauter Feindseligkeiten bedroheten, in unsere Hütten zu führen, und deswegen könnten sie sich nur in aller Güte zurück begeben. Hierbei aber wurde ihnen ein Præsent von 2. lebendigen Auer-Ochsen, 2. lebendigen überaus grossen Hirschen, und andern lebendigen Tieren gemacht, nebst einem oder etlichen Fässern des besten Canarien-Sects, auch anderer delicaten Weine, Confituren, Obst und dergleichen. Allein es schien, als ob die Herren Portugiesen unsere Gaben verschmähen wolten, indem sie mit aller Gewalt darauf drungen, dass sie eher nichts anzunehmen gewillet, bis sie den Zustand und Verfassung unserer Insul aufs genaueste betrachtet und untersucht hätten. So bald ihne nun dieses rotunde abgeschlagen wurde, wolte der Ansehnlichste unter den 3. Vornehmsten, aus einem höhern Tone zu reden anfangen, indem er sagte: Was nicht in Güte zu erlangen stünde, müste man mit Gewalt zu erhalten suchen, denn sie ja als vernünfftige Menschen doch wohl endlich mit der Zeit die Schlüssel, Tore, Türen und Pforten zu diesem Neste finden würden, welches seinen gedanken nach, doch wohl nicht etwa vor ein verwünschtes und verzaubertes Schloss oder Burg zu halten sei. Wir mussten diese Torheit fast wider unsern Willen belachen, jedoch der hitzige Herr gab nur einen Winck mit dem rechten arme, worauf augenblicklich, ungefähr 30. bis 40. mit Ober und Unter-Gewehr wohl versehene Männer aus der Chalouppe ins wasser heraus sprungen, wie die wasser-Hunde, und sich zu uns an das Land begaben. Wir hielten dieses vor einen unbesonnenen, unnötigen und desperaten Streich, da sie sich aber, nachdem sie festen Fuss gefasset, so zu sagen, in vollkommene Schlacht-Ordnung stelleten, gab Herr Wolffgang auch ein Zeichen von sich, da denn unsere 50. Mann der allertapffersten und freiwilligen Junggesellen aus der Felsen-Klufft, die man bis jetzt ihm zu Ehren noch den Wolffgangischen wasser-Fall zu nennen pflegt, in allerschönster Ordnung, ebenfalls mit Ober- und Unter-Gewehr wohl versehen, heraus rückten, und sich darstelleten, den Feinden die Spitze zu bieten. Ich will eben das uralte Sprichwort nicht missbrauchen, und sagen, dass die Herren Feinde einen rechten terrorem Panicum bekamen, da sie unsere Verfassungen und Anstalten sahen. Dem allen ungeachtet aber war der hitzige Herr subaltern-Officier dennoch so desperat, Feuer auf uns und unsere Leute geben zu lassen; da denn Herr Wolffgang bei der ersten Salve eine Kugel in den lincken Arm, ich eine dergleichen in die rechte Hüffte und Mons. de Blac ebenfalls eine Kugel in die lincke Schulter bekamen. Von unsern Leuten schiene es anfänglich, als ob ihrer zwei auf dem platz wären tod geschossen worden, indem sie zu Boden fielen, da der eine in die Brust, und der andere in den Unterleib sehr gefährliche Kugeln bekommen hatten, allein der Himmel und die Kunst unsers nie genug zu rühmenden Chirurgi, Mons. Kramers, hat geholffen, dass sie alle beide noch am Leben geblieben, und frisch und gesund sein. Herr Wolffgang hat es mir und andern mehr teuer zugeschworen, dass, ungeachtet er vielen hitzigen Treffen und Scharmützeln so wohl zu land, als zur See beigewohnet, er dennoch niemals Leute von mehrerer Hertzhafftigkeit gesehen: Denn das Schiessen wolte ja fast kein Ende nehmen, und wir wunderten uns nur darüber, wo sie auf diesesmahl alle Patronen herbekommen hätten. Auser dem hatten wir auf unserer Seite nur noch 5. Blessirte, die aber nur ganz leichte Wunden hatten, und ihr Gewehr dem allen ungeachtet beständig fortbrauchten. Ja es wurde immer ein kleines Heck-Feuer, wie man es sonsten zu nennen pflegt, nach dem andern gemacht, da wir denn klärlich bemerckten, dass auf feindlicher Seite 10 Mause