nachdem ich meine Straffe ausgestanden, noch einmal repassirte, und jedem Frauenzimmerlichen Granadier von oben an bis unten ans Ende einen keuschen Kuss gab, und zwar diesen noch zum Uberfluss der schuldigen Danckbarkeit vor gnädige Straffe, welcher Kuss mir denn von den allermeisten wieder zurück gegeben wurde, so, dass wir fast einen halben Tag mit diesem Lust- (oder wie unsere Feinde vielleicht wohl sagen möchten) Narren-Spiele zubrachten.
Allein es ist bekannt, dass der Himmel seinen Kindern, wenn sie sonsten aufrichtig und fromm wandeln, eine zulässige oder mittelmässige Lust ganz und gar nicht missgönnet, wovon wir sehr viele Exempel in heil. Schrifft finden und nachschlagen können.
In Abrede will ich nicht sein, dass wir dieses Possen-Spiel bei damahligen Umständen und gefährlich scheinenden zeiten wohl hätten können bleiben lassen, zumahlen, da immer einer dem andern hätte in die Ohren sagen mögen: Hannibal ante Portas!
Jedoch einmal war es geschehen, deswegen gingen wir in den folgenden Tagen desto fleissiger in die Kirche, beteten auch zu haus weit andächtiger, als vor derselben Zeit, und verrichteten darbei unsere Arbeit, ein jeder nach seiner Notdurfft, Bequemlichkeit und Wohlgefallen: Deñ ich kan bis dato nicht sagen, dass ich auf unserer Insul einen recht faulen Menschen zu suchen und zu finden wüste, als wovor dem Allmächtigen gedanckt sei, der den Menschen zur Arbeit erschaffen, so wie den Vogel zum fliegen.
Mittlerweile schlich immer ein Tag und eine Nacht nach der andern dahin, ohne dass sich die Hrn. Portugiesen weder mit Bomben, noch kanonen-Schüssen meldeten und hören liessen, weswegen wir auf die gedanken gerieten, es würden dieselben vielleicht in aller Stille abgeseegelt sein, und ihren Lauf anders wohin genommen haben, jedoch die Davids- und Alberts-Raumer Schildwachten versicherten, dass sie sich nicht allein noch alle 3. bei den Sand-Bäncken aufhielten, sondern es wäre auch seit ehegestern noch ein Schiff zu ihnen gestossen, welches jedoch nicht gar so gross zu sein schiene, als die 3. krieges-Schiffe, jedoch etwas wichtiger, als ihre Fregatte, welche in Klein-Felsenburg läge.
Diesen Rapport bekamen wir eben an einem Sonnabende Abends, weswegen unsere Aeltesten vor ratsam halten wolten, gleich morgendes Tages in einer Chalouppe etliche Deputirte an den Don Juan de Silves mit einigen Erfrischungen abzusenden, ihn complimentiren zu lassen, sich dessen Gesundheits-Zustandes wegen zu erkundigen, um hauptsächlich zu erfahren, ob er noch lebte, oder tod sei, und was er etwa fernerweit unserer Sachen wegen angeben und vortragen möchte. Wie nun dieserhalb die ganze Nacht hindurch hin und her geratschlaget wurde, so fielen doch die allermeisten Stimmen wider und entgegen den Rat der Aeltesten aus, so dass vor diesesmahl die erste Haupt-Werwirrung auf dieser Insul vorging, und wir Europæer, oder so genannten Einkömmlinge, selbst genug zu tun fanden, das Felsenburgische wallende Geblüte zu besänfftigen, indem so wohl Männer, Weiber, als Kinder dem Himmel angelobten, lieber sich tod schlagen zu lassen, und in ihrem eignen Blute zu ersticken, als sich den Portugiesen zu unterwerffen, hergegen wolten sie sich alle wehren bis auf den letzten Bluts-Tropfen, und ihren Feind beschädigen, so lange sie nur noch die geringsten Kräffte hätten, und ein warmer Atem in ihrer Brust sich spüren liesse. Hierbei muss ich bekennen, dass sich unser Frauenzimmer weit desperater aufführete, als die Männer selbst; ja, die kleinesten Kinder, wenn sie nur den Nahmen Portugiese nennen höreten, spyen gegen die Erde, als welches, meines Wissens, ihnen niemand weiss- oder vorgemacht hatte, sondern es schiene, als ob dieser Widerwillen ihnen schon im Geblüte und in der natur stäcke.
Da nun aber, wie ich bereits gemeldet, vor diesesmahl der Rat uñ die Verordnung unserer Aeltesten nicht allein verworffen wurde, sondern sich auch ein jeder, er mochte ein Einheimischer, oder Einkömmling sein, aufs hefftigste und äuserste entschuldigte und wehrete, noch einmal die Ambassade zu dem Don Juan anzutreten, als muste solcher Gestalt der Streit von selbsten aufhören; deswegen beschlossen wir, uns stille und ruhig zu halten, den Klein-Felsenburgern aber nicht das geringste mehr von LebensMitteln zu schicken, weiln wir so wohl sie, als alle andere Portugiesen von nun an vor unsere offenbaren und abgesagten Feinde zu erkennen die gröste Ursache hätten, zumahlen, da wir nachrechnen könnten, dass sie wenigstens noch so viel Vorrat von den Victualien haben müsten, welche wir ihnen seitero zu verschiedenen mahlen zugeschickt hätten, 3. bis 4. Wochen, ja viel länger davon zu zehren, hierbei daureten uns zwar eben nicht die Klein-Felsenburgischen Fische so gar sehr, um so viel desto mehr aber das vortreffliche Wildpret, weilen bekannter massen die allerbesten Auer-Ochsen, Hirsche, Rehe, wilde Schweine und dergleichen von ungemeiner Grösse in dasigen Wäldern herum spazieren; Allein, wie wir nachher verspüret, ist der Verlust sehr geringe gewesen, und hat vielleicht der Himmel nicht zugeben wollen, dass die Portugiesen unser Wildpret vertilgen sollen.
Jedoch in der Geschichts-Erzählung ordentlich fort zu fahren, so gingen wir, nachdem die fatale Nacht verschwunden war, am Vormittage des darauf folgenden Sonntags in die Kirche, um den Gottesdienst abzuwarten, wobei zu gedencken, dass wir damahls, wie doch sonsten gewöhnlich, keine Cartaune abfeuerten, um das Volck zur Kirche zu ruffen, sondern es richtete sich dasselbe nach der Zeit und nach dem Läuten der Glocken, kam auch in so