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der Uberschrifft:

Sie ist vest gegründet.

Und der Unterschrifft:

GOTT ist bei ihr drinnen.

Mir zum wenigsten gefiel diese Invention ungemein wohl, und fast noch besser, als das ganze Gemählde, welches zwar sehr wohl geraten war, jedoch seiner Kunst gemäss, weit schöner und zierlicher würde heraus kommen sein, wenn die Zeit dazu nicht allzu kurz gewesen wäre.

Unterdessen begegnete mir ein possierlicher Streich: Denn da ich mit Herr Wolffgangen, Mons. de Blac, Mons. Litzbergen und andern speciellen Freunden mehr, vor der Fronte dieses erstaunens-würdigen Regiments auf und nieder spatziren ging, fragte mich Herr Wolffgang mit lachendem mund dieses: Nun, mein Herr! was düncket euch bei diesen fürchterlichen Leuten? und wie kommen sie euch vor? Sie kommen mir (gab ich zur Antwort) nicht anders vor, als diejenigen bund gekleideten Personen, welche in Deutschland, Holland und anderer Orten mehr, den Hn. Zuschauern eine Lust machen, und denen man, wie ihnen nicht unbekannt, Arlequins, Jean Potage, Scharmuzgen, und noch mehrere Affections-Nahmen beizulegen pflegt.

Kaum hatten einige nur von dem so genannten grimmigen Tieren diese Worte von mir aussprechen hören, als es immer eine der andern ins Ohr sagte, worauf denn in gröster Geschwindigkeit unter allen dreien Bataillons erstlich ein sanfftes Gemurmele, bald hernach aber, so zu sagen, fast eine kleine Rebellion entstund, worauf sich meine Geferten und Freunde der Sache etwas genauer erkundigten, und erfuhren, dass das Frauenzimmer durch meine Reden, die ich so hin in den Wind fliegen lassen, sich insgesamt aufs allerhöchste beleidiget befände, und dieserwegen durchaus eine hinlängliche Satisfaction verlangte.

Indem wir nun alle hertzlich darüber lachen mussten, so trat die Madame de Blac vor die Fronte, und proponirte eben dieses in weitläufftigen Terminis, mit dem Zusatze, dass das sämtliche Frauenzimmer sich nicht eher zufrieden geben könnte, bis es Satisfaction, und zwar nach dieserhalb gehaltenem Krigs-Rechte erhalten hätte, widrigenfalls wären sie gewilliget, alle vor einen Mann zu stehen, und sich mit gesamter Hand selbsten Satisfaction zu verschaffen.

Der Regente, einige Aeltesten und andere guten Freunde waren inzwischen herbei gekommen, und hatten den Vortrag der so betitulten Frau Obristen mit angehöret, da ihr denn der Regente, welcher so wohl als die andern, nachdem sie die ganze Ursache des Streits vernommen, so, wie wir, dergestalt lachen mussten, dass wir alle, so zu sagen, die Bäuche halten mussten; ja der Regente, als ein besonders ernstaffter Mann, hat nachher selbsten bekennet, dass er sich nicht zu entsinnen wisse, Zeit seines ganzen Lebens so viel gelacht zu haben, als über diese lustige Begebenheit. Es nahm aber nachher der Regente das Wort selbst auf sich, und gab der Frau Obristin dieses zur Antwort: Meine allerseits liebwertesten EngelsKinder! es ist allerdings an dem, dass sich mein Vetter, Eberhard Julius, recht sehr mit Worten gegen euch vergangen hat, und ob er es auch gleich so böse nicht gemeint zu haben vorwenden möchte, so ist es doch billig und recht, dass er dieserwegen, dem krieges-Rechte gemäss, abgestrafft werden müsse, es sei denn, dass ihr euch dieserhalb in der Güte mit ihm vertrüget: denn das ist keine Sache oder Mode, dass man diejenigen, welche ihr Blut und Leben vor das Beste des Vaterlandes aufzuopffern sich ohngeruffen und ganz freiwillig darstellen, höhnischer Weise durchziehen oder schrauben wolte. Dass ihr, lieben Engels-Kinder! aber gesonnen, alle vor einen Mann zu stehen, um euch mit gesamter Hand Satisfaction zu verschaffen, ist eine zweideutige Redens-Art, und möchte viele Weitläufftigkeiten und Verdrüsslichkeiten nach sich ziehen; demnach ist mein getreuer Rat dieser, dass ihr die Sache auf den Spruch des KriegsRechts ankommen lasset, als zu welchem ihr die Personen nach eurem eigenen Belieben erwählen möget.

Das Frauenzimmer war ungemein erfreuet über diesen Ausspruch des Regenten, nicht anders, als ob bereits eine Bataille geliefert, und der Sieg darinnen erhalten wäre. Demnach stöhrete ich meine speciellen guten Freunde an, dem Frauenzimmer unter den Fuss zu geben, dass sie 6. Personen aus ihrem Mittel erwählen sollten, welche einstimmig darauf dringen möchten, dass ich, Eberhard Julius, erstlich dem honorablen Frauenzimmer vor der Fronte eine billige Abbitte und Ehren-Erklärung tun, an Statt höherer Leibes- und Lebens-Straffe aber, nur bloss durch alle 3. Bataillons 12. mahl durch ihre Strumpf-Bänder lauffen sollte, ungeachtet nach militairischer Art, von Rechtswegen Spitz Ruten dazu erfordert würden.

Wie es angegeben war, so lief es auch ab, denn nachdem nicht allein 6. Deputirte von dem Frauenzimmer, sondern auch 6. Personen von unsern Aeltesten mein Urteil nach des löblichen Frauenzimmers Verlangen abgefasset, so schickte mich in die Zeit, und machte mich fertig, meine Straffe zu leiden. Ein solcher possierlicher Streich ist wohl nie passirt, so lange Felsenburg gestanden, es sei denn, dass die Affen zu den zeiten unserer Felsenburgischen ersten Eltern noch törichtere Streiche gemacht hätten, welche jedoch mit denenjenigen nicht in Vergleichung zu ziehen sind, welche die vernünfftigen Menschen zuweilen wohl zu spielen pflegen. Unterdessen war dieses eins kleine Lust vor uns, wobei, meines Wissens, ganz und gar nichts sündliches mit unterlief, es müste denn dieses uns zur Sünde gerechnet werden, dass wir bei dieser kleinen Comœdie gar allzuviel lachten, und zwar die Alten so wohl, als die Kinder, und dass ich ferner,