Sachen dahin zu schaffen. Ich, als der Jüngste unter meinen mitgekommenen Herrn Collegen, wolte diese Mühwaltung gern auf mich nehmen, in Hoffnung, dass auf Gross-Felsenburgischer nachher alles besser, ordentlicher und kostbarer hergehen würde, als auf dieser kleinen, miserablen, und ohne dem durch die Krancken eckelhafft gemachten Insul.
So war der Fuchs, der uns zu überlistigen vermeinete, selbsten gefangen, denn er erklärete sich, ohne ferneres Bedencken, dass mein Rat der beste wäre, und es käme eben auf die 4. oder 6. Tage nicht an, da er denn im stand zu sein verhoffte, sich aller Orten, wo man ihn hin verlangte, hinzubegeben. nachher wurde stark gebechert, wobei wir Felsenburger uns zu wundern ursache hatten, dass wir den delicatesten Canari Sect so wohl als die andern stärcksten Weine, deren Sorten ein jeder nach seinen Appetite kühnlich fordern durffte, noch weit besser vertragen konnten, als die Herrn Portugiesen selbst, deren Element dieselben fast jedoch zu sein schienen. Hierbei entstund denn ein liebreiches Gespräch, indem die Herrn Portugiesen, und sonderlich Don Juan de Silves, uns bloss allein darum verschiedene Liebkosungen erwiesen, weilen wir die Portugiesische Sprache so rein, ja fast noch reiner redeten, als sie selbst, da doch ich vor meine person weder das A.B.C. noch das Buchstabieren in Portugall gelernet. Herrn Wolffgangen wurde von allen Anwesenden mit gröster Ausmercksamkeit zugehöret, da er eines und anderes Stücke seiner Lebens-geschichte erzählete; ja, ich glaube, die Herrn Portugiesen hätten uns wohl noch in 6. Tagen und 6. Nächten nicht von sich gelassen, wenn nicht Herr Wolffgang endlich, da es ihm Zeit zu sein dünckte, mit gröster Bescheidenheit von seinem gespräche abgebrochen hätte, und zwar unter dem Politischen Vorwande einer empfindlichen Brust-Beschwerung, wobei er aber versprach, das Ubrige in Zukunfft zu melden, weilen wir doch wohl noch etliche Tage dürfften beisammen bleiben.
Mittlerweile, da wir aus der Portugiesen Gesprächen und heimlichen Ohren-Pflispern mehr als zu viel geschlossen, wie ihre Kreite schriebe, und was sie mit uns in Willens hätten, waren wir alle auch ohnbemühet, uns diese Figuren in aller Stille hinter die Ohren zu zeichnen, machten demnach, da wir mehr, als 3. mahl 24. Stunden bei ihnen zugebracht, freundschafftlichen Aufbruch, um uns wieder nach haus zu begeben, welches Don Juan willig erlaubte, und versprach, uns mit allen Ehren- Bezeugungen abseegeln zu lassen, jedennoch war er in der Betrunckenheit so neubegierig zu fragen: Wessen sich unsere Aeltesten und Obern auf seinen Vortrag entschlossen hätten? und ob sie geneigt wären, sich Sr. Königl. Portugiesischen Majestät zu unterwerffen, oder nicht? widrigenfalls er ganz andere Mittel anzuwenden, sich noch bei guten zeiten genötiget sähe. Wir gaben ihm hierauf einstimmig zur Antwort, wie wir keinesweges Zweiffel trügen, dass die Sache nach seinem Vergnügen lauffen würde, unterdessen, da wir 3. Abgeordnete nichts weiter vernommen, als dass sie sich schrifftlich an ihr Königl. Majestät gewendet, und wir über dieses keine fernere Vollmacht bei uns hätten, als wolten wir die Vornehmsten von unsern Aeltesten dahin bereden, ihre Erklärung auf der Insul Klein-Felsenburg vor erst selbsten mündlich von sich zu geben, bis die Sache verglichen würde, und zum Schlusse käme.
Wer war froher, als wir alle 3. da wir unter Trompeten und Paucken-Schall, auch Lösung der kanonen, unbeschädigt und in guter Musse nach haus rudern durfften, doch hätte bald vergessen zu sagen, dass Don Juan de Silves noch die Verabredung mit uns nahm, dass, so bald er 3. Bomben in die Lufft würde springen, oder, wie man spricht, darinnen crepiren lassen, wir uns nicht säumen sollten, uns auf die Reise nach der Insul Klein-Felsenburg zu begeben, weilen dieses das Signal sein sollte, dass er eben um dieselbe Zeit dahin abführe, da er sich den Weg dahin schon ohne Wegweiser zu finden getrauete; wir sollten ihm aber ja! (wie er hinterher uns sagen liess,) keine Nase drehen, sonsten würde es uns zur sauren Suppe gereichen.
Wenn ich damahls nicht mehr Courage im leib gehabt hätte, als eben jetzt, so wäre mir fast ein bissgen bange bei der Sache worden, allein, da ich eine und andere Umstände in Erwegung zog, ward mir das Hertze im leib so gross, als eine 2. pfündige JesminOels-Bouteille oder Büchse, deswegen nahm meine Liebsten und Allergetreuesten zu mir, als welche sich, nachdem sie der Sachen Beschaffenheit erfahren, meinem Commando ganz freiwillig unterwarffen, auch sich ganz und gar nicht wolten abweisen lassen, ungeachtet Knaben von 15. 16. bis 18. und wenig mehr Jahren darunter befindlich waren, die aber sonderlich mit dem Hand-Schiess-Gewehr unvergleichlich wohl umzugehen wusten: Jedoch, da ich ohne dem zum Voraus wohl wuste, dass es mit unsern Feinden nicht würde zum Handgemenge kommen, machte ich mir nur einen heimlichen Spas und Lust daraus.
Ausser diesen hatte sich ein starckes Regiment Frauenzimmer zusammen geschlagen, so wohl Weiber als Jungfrauen, welches die Madame de Blac als Obristin commandirte, und ihre wohl ausgesuchten Subalternen um und neben sich hatte. Es war dieses in meinen Ohren erstlich eine lächerliche Historie, ungeachtet meine eigene Frau, da sie vielleicht ZeitLebens keinen toten Hund gesehen, einen Hauptmanns-Platz erworben, um eine ganze Compagnie von 200. und mehr Frauenzimmern