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lassen, damit wir den Nahmen der edlen Portugiesischen Nation hinführo nicht als einen feindseeligen Nahmen erkennen müssen, sondern fernerweit geneigt erhalten werden, sie als unsere guten Freunde und Gräntz-Nachbarn zur See zu erkennen, auch ihnen im Notfall ferner Gutes zu tun.

Wie nun, wie uns gesagt worden, bei Dir, Du Grossmächtigster König, ungemein viele Leutseeligkeit anzutreffen ist, so getrösten wir armen, elenden und einfältigen Leute uns desto leichterer Erhörung unsers Bittens, wünschen Dir ein glückseeliges und langwährendes Regiment und Leben, zum Troste vieler Bedrängten, die sich hie und da auf Deinen Schutz und Hülffe, auch in den allerentferntesten Ländern verlassen. Der GOtt Zebaot segne Dich und Dein allerhöchstes Königliches Haus, mit allerlei geistlichen und leiblichen Seegen, damit man sagen möge, Du seiest der Gesegnete des HErrn unsers GOttes. Wir aber verharren allerseits vom Aeltesten bis zum Jüngsten, vom grössten bis zum Kleinesten Allerdurchlauchtigster, Grossmächtigster König, Allergnädigster Fürst und Herr! Deiner Majestät

Dienstgehorsamste

Die Einwohner auf der

Insul Felsenburg.

Dieser Brief, wie einfältig er auch von mir entworffen und gesetzt war, denn NB. es sollte derselbe ohnedem nicht allzu hochtrabend oder spitzig heraus kommen, wurde von allen Insulanern approbirt, und von Alberto Julio II. auch XII. Aeltesten unterschrieben und besiegelt, und zwei Abschrifften davon genommen, davon wir die eine in unser Archiv beilegen, die andere aber dem Portugiesischen kapitän zu seiner Nachricht in die tasche geben wolten. Die accordirten 3. Tage waren also unter dieser verstrichen, weilen nun dem Portugiesischen kapitän vielleicht die Zeit zu lang zu werden begunte, als liess er am 4ten Tage gleich früh mit Aufgang der Sonnen 3. kanonen abfeuren, wir beantworteten dieselben auf behörige Art und Weise, wurden aber bald nachher von der Davids-Raumer-Höhe gewahr, dass von den 3. krieges-Schiffen eine Chalouppe gegen unsere Insul hergeseegelt kam, in welcher 2. Trompeter sassen, die immerzu in ihre Trompeten stiessen, und sich lustig hören liessen, auser denenselben aber erblickte man in eben dieser Chalouppe noch etliche 20. Manns-Personen, welche alle weisse Fähnlein in ihren Händen führeten, und damit wedelten, welches wir als ein Zeichen des Friedens erkannten, und deswegen in allergröster Geschwindigkeit Anstalt machten, der so genannten feindlichen Chalouppe auf eben die Art, nämlich mit 2. Trompetern und einiger Mannschafft, die gleichfalls weisse Fähnlein in den Händen führeten zu begegnen, da mittlerweile von den Portugiesischen Schiffen immer ein Lufft-Schuss nach dem andern gegen Himmel getan, und von unsern FelsenHöhen beantwortet wurde. Unserer Seits waren abermals eingestiegen Herr Wolffgang, Mons. de Blac und ich, weilen wir 3. der Portugiesischen Sprache am mächtigsten waren.

Der kapitän liess uns zu Ehren bei unserer Ankunfft an seinem Schiffe eine starcke Salve geben, nötigte uns nach getanem Aussteigen so gleich in seine Cajüte, und gab die Cavalier-Parole von sich, dass wir bei ihm so sicher und geruhiges Hertzens sein könnten, als ob wir unter unsern eignen Dächern wohneten: wie wir nun versicherten, dass wir alle nicht das geringste Misstrauen in seine Redlichkeit setzten, so liess er uns an der Taffel, wo er mit seinen andern vornehmsten Officiers gewöhnlich zu speisen pflegte, den obersten Platz einnehmen, welches wir denn halb gezwungener Weise tun mussten. Die Tractamenten waren vor einen See-Oficier mehr als zu kostbar, nur beklagte er sich über Mangel an frischem Fleische, und sonderlich Wildpret, als wovon er ein ganz auserordentlicher Liebhaber wäre. Diesem Mangel, (gab hierauf der kapitän Wolffgang zur Antwort,) wird leichtlich abzuhelffen sein, wenn sie uns auf die Insul Klein-Felsenburg zu folgen belieben, wo sich ihre bisherigen Krancken befunden, die aber vielleicht wegen unserer bestmöglichsten Wartung und Verpflegung nunmehr keine Kranckheiten mehr an sich spüren werden, weilen sie Ziegen-Fleisch, Wildpret und die allerbesten Fische, so wohl aus der See, als aus den süssen Flüssen im grössten Uberflusse vorrätig haben, des Flügelwercks, der Schildkröten und anderer See-Creaturen, als womit sich mancher ehrlichen See-Mann zu gewissen zeiten schon was zu Gute tun, ja sich zum öfftern ein rechtes Labsaal daraus machen kan, nicht zu gedencken. Sie haben wohl recht, mein Herr! sprach hierauf der Portugiesische kapitän, denn sie wissens aus der Erfahrung, unterdessen, ob uns nun gleich die Leute von der Fregatte so gar viel eben nicht angehen, so möchte sie doch wohl sehen und sprechen.

Es beruhet nur auf ihrem Befehle, versetzte Herr Wolffgang, so können wir gleich morgenden Tages dahin abseegeln, weilen es eine ganz kurtze Reise ist. Nein, mein Herr! (replicirte der Portugiese,) sie erlauben mir, dass ich mich einer gewissen Ursache wegen, und da ich eine ganz besondere Medicin nur noch auf 4. bis 5. Tage zu gebrauchen habe, wenigstens auf so lange Zeit in meinem Apartement inne halte, und vollends auscurire. Bei diesen Worten gab ich zu vernehmen, dass wir ja Zeit genug dazu hätten, die Insul Klein-Felsenburg vor allererst in Augenschein zu nehmen, und uns dieserwegen eben nicht übereilen dürfften, zumahlen da man nicht wüste, wie die Krancken daselbst ihre Wirtschafft trieben, und ob sie nicht vielleicht Hütten gebauet hätten, die auch den Gesundesten einen Eckel und Abscheu verursachen könnten, deswegen wäre mein bester Rat, mich mit einem Boote vorher nach haus zu schicken, um daselbst ein paar grosse geraumliche Zelter, nebst Erfrischungen und andern zur Bequemlichkeit dienenden