eben nicht vor ratsam hielten, ihnen mit unserer Höflichkeit entgegen zu kommen, zumahlen da wir bemerckten, dass alles stille zuging, und wir von ihnen mit nichts begrüsset wurden, so hielten wir uns auch so stille, wie die Mäuse.
Endlich am dritten Tage, nachdem sie lange genug vergeblich herumgewebelt, taten sie 3. kanonen-Schüsse, um vielleicht Menschen zu sich zu locken, allein wir hielten uns noch einige Tage ganz stille, bis ihre zweite Canonade so viel bei uns würckte, dass wir ihnen behörig antworteten, auch ihnen eine Chalouppe entgegen schickten, worin sich Herr Wolffgang, Mons. de Blac und noch eine gewisse person nebst mir befanden.
Der kapitän des vordersten Portugiesischen schiffes liess uns salutiren, und da er die Parole von sich gegeben, ein freies und aufrichtiges Gespräch mit uns zu halten, auf seinem Schiffe bewillkommen, und zwar unter vielen Ehren-Bezeugungen, worauf er uns in seine besondere Cajüte einzusteigen bat, als welche fast Königlich ausgezieret, wie denn auch er der kapitän selbst ein sehr ansehnlicher und ziemlich hochtrabend- scheinender Mann war.
Nachdem uns die erlaubnis gegeben worden, sein Schiff zu besichtigen, fanden wir alles darinnen sehr herrlich, kostbar und dergestalt magnifique zugerichtet, dass keiner von uns ein dergleichen Reise-Schiff jemahls gesehen zuhaben sich rühmen konte.
So bald wir von der Taffel gekommen, welche sehr unvergleichlich wohl bestellet war, bat er uns zu bleiben, und eine und andere Vorstellungen von gröster Wichtigkeit anzuhören. Indem wir nun alle sehr neugierig waren, solche Wichtigkeiten zu vernehmen, als begaben wir uns, nach vielen gewechselten Complimenten, abermals in seine Cajüte, wo der Herr kapitän sich auf einen etwas erhabenen CommodeStul setzte, jedoch so höflich war, uns Felsenburgern auch Stüle setzen zu lassen, welche wir denn ohne allzu vieles Nötigen in Besitz nahmen, worauf derselbe in Portugiesischer Sprache, (ohne zu fragen, ob wir dieselbe auch alle verstünden) folgende Anrede an uns tat:
Meine lieben Herren und Freunde!
Ich bin einer von den vornehmsten Schiff-Capitains Sr. Königl. Portugiesischen Majestät, und zwar, wie man zu sagen pflegt, einer vom ersten Range. Vorjetzo bin ich im Begriff, mich mit einer starcken und sehr reich beladenen Flotte nach Europa zurück zu begeben, wo sich dermahlen ihr Königl. Majestät nebst Dero Hofstadt befinden und aufhalten. Auf dieser meiner Reise oder Fahrt nun, habe ich, ungeachtet ich viel ältere Commandeurs, als ich bin, über mir habe, die ganz besondere Commission bekommen, die Insuln und Republiquen Gross- und KleinFelsenburg, so wie man dieselben zu nennen pflegt, erstlich mit der allergrösten Gelindigkeit und Güte; im Verweigerungs-Fall aber, mir der grössten Strengigkeit und Schärffe unter ihr Majestät, meines allergnädigsten Königs und Herrn Ober-Herrschafft und Botmässigkeit zu bringen, und Dero Ihnen von dem Himmel verliehenen Gerechtsame, die Ihnen vor allen andern Puissancen, es seien dieselben auch, wer sie nur immer wollen, ganz alleine von Rechtswegen zustehet, eignet und gebühret, vollkommene Genugtuung zu leisten, inzwischen aber, so viel als immer möglich sein will, alles vergeblich zu vergiessende Menschen-Blut zu verhüten. Wenn nun ich, meine Herren und Freunde! vor meine person heilig und teuer versichern kan, dass sie keinen bessern SchutzHerrn, als meinen allergnädigsten König, erhalten werden, und wenn sie auch alle Potenzen, ja so gar die Barbarischen Nationen darum ansprächen: als will hoffen, es werden sich dieselben in Güte weisen lassen, und mich erstlich dero Oerter des Aufentalts besser besehen, hernach, wenn es zum fernern Accord kommt, mit einer proportionirlichen Guarnison dieselben einnehmen lassen, unter der teuren Versicherung, dass ihnen allen kein Leides wiederfahren, sondern sie unter dem Schutz Sr. Portugiesischen Majestät jederzeit in Ruhe und Friede leben sollen.
Alles dieses höreten wir Felsenburger mit aufmercksamen Ohren an, stutzten aber jedennoch ziemlicher massen über diesen Antrag und Vorschlag, allein ich schlich unter dem Schatten der Dunckelheit auf die Seite, um am ersten derjenige zu sein, welcher diese ganz besondere Neuigkeit nach Gross-Felsenburg überbrächte, liess mich also in einem ganz kleinen Nachen, und zwar mit gröster Lebens-Gefahr, zur Mitternachts Zeit dahin bringen, welches gewisser massen fast ein Frevel von mir zu nennen war, denn ich hätte dieses eben nicht ursache gehabt, weilen meine Consorten nächstfolgenden Vormittags unter Lösung der Stücken wieder zu uns zurück gebracht wurden, denn Herr Wolffgang hatte vor diesesmahl ein recht Meisterstück seiner Kunst erwiesen, und nach seiner berühmten Erfahrenheit den Portugiesischen kapitän, welcher meine Abwesenheit auch nicht einmal gewahr worden war, im Canari-Sect vollends dergestalt begeistert, dass er sich alles das, was er ihm vorgesagt, aufs beste gefallen lassen. Die letztere Verabredung und Versicherung des Herrn Wolffgangs war diese gewesen, dass wir uns 3. Tage Bedenck-Zeit ausbäten, nachher schrifftliche oder mündliche Antwort von uns geben wolten. Wir waren froh, dass wir die Unserigen wieder bei uns sahen, immassen uns mit den 2. Gefangenen wenig oder gar nichts gedienet war; deswegen wurde Rat gehalten, was dem kapitän wohl ohngefehr zu antworten wäre, wie es nun eben nicht diensam schien, demselben durch einen Abgeordneten eine mündliche Antwort erteilen zu lassen, als wurde folgendes Schreiben an Sr. Majestät den König von Portugall abgefasset:
Allerdurchlauchtigster, Grossmächtigster
Monarch!
Deiner, von dem allerhöchsten GOtt geheiligten, mit unaussprechlicher Macht und Gewalt ausgerüsteten, auch mit überschwenglichen Reichtümern gesegneten, ja, so zu