, und wenn man ihn fragte: worzu ein so starcker Uberfluss dienen sollte? gab er gemeiniglich zur Antwort: ist es noch kein Danck, dass ich unsere Zeughäuser anfülle? was wir nicht brauchen, können vielleicht wohl unsere Kinder und Nachkommen nötig haben, denn man kan nicht wissen, wie sich die zeiten ändern, ist es nicht eher, so geschichts vielleicht nach unserm tod.
Solcher Gestalt wurden binnen weniger Zeit unsere Zeughäuser dergestalt angefüllet, dass fast kein Platz und Raum mehr vorhanden war, wo das grobe Geschütz stehen sollten, ja, es war kein leerer Haacken oder Nagel anzutreffen, an dem nicht eine Büchse, Flinte, Pistole etc. Palläsche und andere dergleichen Gerätschafft hieng, wie es denn bis diese Stunde noch also beschaffen und anzutreffen ist.
Endlich aber wurde die martialische Arbeit bei Seite gesetzt, hergegen bemühete sich ein jeder Hauswirt, alles das, was ihm in seinem haus, Gärten und Feldern zu Schaden gekommen, wieder in behörige Ordnung zu bringen, damit wir den Frühling und Sommer desto vergnügter leben könnten, da man zu sagen pflegt: nach vorher getaner Arbeit ist gut ruhen.
Allein der Höchste hatte vor diesesmahl, nach seinem gnädigen Wohlgefallen, und zwar noch deutlicher zu sagen, wohl ehe unserer Sünden wegen, in seinem Zorne beschlossen, unsere stoltze Ruh abermals zu stöhren, und uns zu zeigen, dass er als der Allmächtige über uns lebte, und nach seinem Gefallen mit uns umgehen könne, wie er nur immer selber wolle.
Dieses konnten wir zu allererst aus dem Berichte eines Davids-Raumer-Schild-Wächters bemercken, als welcher zu vernehmen gab, dass man nun schon seit 2 bis 3. Tagen her in der Gegend der Sand-Bänkke ein Schiff herum irren sehen, weilen es aber keine Not-Schüsse getan, so hätte auch er Bedencken getragen, auf der Insul Lerm zu machen, zumahlen, da gedachtes Schiff nur ein und andere Waaren aufgefischt. kapitän Wolffgang, ich und noch verschiedene andere mehr bestiegen deswegen die allerhöchste Davids-Raumer Klippe, und wurden so gleich gewahr, dass es eine leichte Fregatte wäre, von welcher wir zwar die gelben Flaggen, keines weges aber die darein gemahlten Wappen weder mit unsern FernGläsern, viel weniger mit den blossen Augen eigentlich zu erkennen vermögend waren. Indem wir nun diese Fregatte immer zwischen den Sand-Bäncken herum treiben sahen, und nicht wusten, was solches zu bedeuten hatte, kamen wir derselben mit unserer Höflichkeit zuvor, und löseten 2 kanonen, zum Zeichen, dass Menschen auf diesem Felsen vorhanden wären, welche, wenn sich vielleicht Notleidende darinnen befänden, ihnen zu Hülffe kommen könnten. Es wurde uns demnach so gleich mit 3 kanonen-Schüssen geantwortet, und ein Boot von derselben ausgesetzt, worin sich 3. Männer befanden, die allerhand Zeichen von sich gaben, dass sie gern Sprache mit uns halten möchten.
Demnach setzten sich Herr Wolffgang, ich und noch ein Mann auch in eine Chalouppe, und fuhren ihnen auf den halben Weg entgegen, da sie denn ganz sanffte ruderten, und uns zu vernehmen gaben, wie sie Portugiesen, und im verwichenen Sturme verunglückt, auch in solchen elenden Zustand geraten wären, dass sich nur noch ohngefehr bis 30. gesunde Leute unter ihnen befänden, baten demnach, wenn wir, wie es das Ansehen hätte, Christen-Leute wären, ihnen die Barmhertzigkeit zu erzeigen, und sie aufzunehmen, auch mit speisen und Geträncke zu erquicken, wovor sie uns denn gern alles ihr noch übriges weniges Vermögen zustellen wolten. Hierauf erteileten wir ihnen zur Antwort: dass wir nicht allein gute Christen, sondern auch bereit und willig wären, sie nach unserm besten Vermögen, ohne einiges Entgeld gern mit allen Bedürffnissen zu erquicken, nur aber dieses einzige bäten wir uns aus, nicht zu begehren sie in unsere Hütten zu führen, weiln wir nicht wissen könnten, ob sie etwa eine böse ansteckende Seuche oder Kranckheit von der weiten Reise mit anhero brächten; jedoch sollten sie uns auf eine ohnweit von hier gelegene kleine lustige Insul folgen, sich auf derselben vortrefflich fruchtbarn land, nach ihrer Bequemlichkeit, Hütten bauen, im übrigen aber vor weiter nichts im geringsten sorge tragen, weilen ihnen noch vor Nachts; vor erst ein hinlänglicher Vorrat von den besten LebensMitteln vor noch einmal so viel Personen, als sie angäben, bis auf weitern Bescheid, sollte zugeschickt werden. Es schien dieses ein unvergleichlich angenehmer Ton in den Ohren dieser Leute zu sein, indem sie sich in allergröster Geschwindigkeit, uns zu folgen fertig machten, da wir sie denn gar bald nach der Insul Klein-Felsenburg hinüber brachten, ihnen die Stellen anwiesen, wo ehedem ihre Landes-Leute sich wohl gepflegt, und eine ziemliche Zeit darauf zugebracht hätten, wobei wir vernahmen, dass einige unter ihnen hiervon schon einige Wissenschaft haben wolten, oder sich zum wenigsten dessen berühmten; allein wir liessen dieses, um alle unnötige Weitläufftigkeiten zu vermeiden, vor diesesmal an seinen gehörigen Ort gestellet sein, wiederholten nach getaner Anweisung nochmahls unser Versprechen, ihnen bestmöglichst hülffliche Hand zu leisten, als worvon sie noch heute die Würckung vor Mitternachts empfinden sollten, schieden darauf von ihnen, und seegelten nach Gross-Felsenburg zu, nachdem wir solchergestalt würcklich ein neues Lazeret in Klein-Felsenburg angelegt, welches aus 1 kapitän, 1 Subaltern, 53 Unter-Officiers und Gemeinen bestunde, ohne etliche Personen, Weiber u. Kinder, auch allerlei liederlichen Gesindels. Demnach sahen wir nun wohl, dass uns