solchen Vogel in meinen Händen zu haben und zu rupffen. Demnach liess ich 3. leichte Stückgen-Geschütz, die ich mit Cartetschen laden konte, unten an den Fuss unsers berges bringen, eben so viel pflantzte ich auf die Alberts- und noch so viel auf die Davids-Raumer-Höhe, bestellete mir auch getreue Leute und Anhänger, die vermittelst ganz leichter Boote, die Vögel, wenn ich deren ja allenfalls einige treffen sollte, aus der See sogleich herauf langen möchten.
Dieses alles aber stellte ich in gröster geheimnis an, damit die älteren von unserm Vorhaben nichts erfahren sollten, indem es ihnen zu wissen ohne dem dieses mahl eben nicht nötig zu sein schiene. Auch muss ich nicht zu melden vergessen, dass der kapitän Wolffgang, Mons. Blac und Mons. Litzberg eben dergleichen leichte Stücke, woraus man vortreffliche Cartetschen schiessen konte, auf einige Sand-Bäncke pflantzen lassen, sich so wohl als ich, und zwar abgeredeter massen, selbst mit einiger Mannschafft dahin begeben hatten; demnach wolten wir auf beiden Seiten unser Glück erwarten, ob es nämlich denen, die oben auf dem Felsen stunden, oder denen, so unten auf den Sand-Bäncken sich befänden, am allergeneigtesten sich erzeigen wolte.
Wir, die wir die oberste Nummer auf dem Felsen genommen hatten, gaben zwar so wohl achtung auf die Ankunfft der Vögel, mussten aber geschehen lassen, dass die unten auf den Sand-Bäncken glücklicher waren, als wir, indem nach Losszündung dreier Geschütze eine ungezählte Anzahl von Vögeln gefallen, von denen sie uns aber nicht mehr als 11. Stück, und zwar gleich mit Aufgang der Sonnen herauf schickten, um uns, so zu sagen, zu braviren, dass wir nicht auch Feuer gegeben, und etwas getroffen hätten.
Mir war nur lieb, dass ich einen, oder etliche von dieser Art Vögeln zu sehen bekam, indem mich, wie schon gemeldet, weit mehr darnach gelüstert, als einer auf schwerem fuss gehenden Frau; Jedoch, wir, auf dem Felsen Laurende, waren dennoch auch so glücklich, in 4. Schüssen so viele herunter zu schiessen, dass davon 6. Stück aufgefischt, und zu uns gebracht werden konnten.
Nun war mein sehnliches Verlangen zwar in diesem Stücke gestillet, allein ich konte mich dennoch nicht eher zufrieden geben, bis ich diese Vögel, mit Beihülffe Mons. Cramers und anderer, erstlich von aussen sehr bedachtsam gerupfft, nachher von innen recht nach der Kunst anatomiret hatte. Da wir denn befanden, dass sie alle, einer so wohl als der andere, (NB. Hier muss ich melden, dass meine Consorten und ich auf dem Felsen so glücklich gewesen, einen so genannten Officier oder Anführer des Heers zu treffen) eine feuerfarbene Crone oder Feder-Fusch auf den Häuptern trugen, denn hierinnen war so wohl bei den grossen als kleinen kein Unterscheid. Nächst dem hatten dieselben einen aus dem kopf heraus ragenden Schnabel, so wie fast eine Gans bei uns zu haben pflegt, nur um ein gut teil länger, in welchem Schnabel inwendig eine Art von Zähnen befindlich, welche mit den Zähnen oder Kienbacken der Hechte eine grosse Gleichheit haben. Auf beiden Seiten der Kienbacken unter den Augen sah man zwei recht zierliche und auch recht sehr scharffe kleine Schwerdterchen hervor gehen, welche sie so schnell bewegen konnten, als man ein Scheer-Messer in seiner Schaale und Angel zu bewegen pflegt. Der Hals zeigte sich bund, als: grün, gelb, rötlich und blaulich durch einander vermischt. Die Brust Aschfarbe und der Bauch mit lauter schönen weissen Federn bewachsen. In den Flügeln fanden sich die schönsten Spulen, die man sehr wohl zu Schreibe-Federn gebrauchen konte, und der Schwantz machte so wohl, als die Flügel eine ungemeine Parade, wenn dieselben ausgebreitet wurden, indem die Federn so wohl im Schwantze als in den Flügeln in recht artiger Verwechselung stunden, nämlich rot, grün, gelb, blau etc. so dass wir unser Vergnügen daran hatten, dieselben, ohne ihnen die Haare abzustreiffen, zum Gedächtniss dieser Sache, mit gröster Behutsamkeit aufzutrocknen und zu verwahren.
Wie glücklich nun aber unsere Vogelschiesserei auch abgelauffen war, so mussten wir uns doch alle gefallen lassen, von unsern Obern und Aeltesten einen kleinen Wischer oder Verweiss einzunehmen, denn ob sie die besonderen Vögel gleich mit gröster Verwunderung betrachteten, und deren Zierlichkeit nicht gnugsam rühmen konnten, so blieben sie doch bei dem Aberglauben, dass es weit besser wäre getan gewesen, wenn wir alle dieselben ungestöhrt hätten ihres Weges ziehen, und sie ihr vorgesetztes Ziel erreichen lassen, zumahlen, da es eine Art von Vögeln, die uns sehr wenig, oder wohl gar keinen Schaden, weder an den Feld-Früchten, noch Wohnungen verursachen können. Wir Vogel-Schützen aber liessen alles dieses zu einem Ohre hinein, und zum andern wieder heraus gehen, wurden auch, ich weiss selbst nicht warum, immer hitziger auf das krieges-Handwerck.
Demnach legte Monsieur Plager noch eine ganz neue Fabrique an, allerhand Hand-Gewehr zu verfertigen, als worzu er in einem Tage mehr als 20. Gesellen und Lehr-Pursche zu übernehmen bekam indem diese alle ganz besondere Lust zu dergleichen Profession bezeigten, und sich recht dazu drungen. Auch wurde das Mörser, Bomben, Granaden und Kugelgiessen, von mancherlei Grösse, vom gemeldten Monsieur Plagern und seinen Gehülffen, auch zum öfftern so gar bei Nachts-Zeit fortgesetzt um einen recht wichtigen Vorrat herbei zu schaffen