die Höhe auf die Insul brachten; das Mittel-Gut und Waaren verschiedener Sorten aber, so wir nicht eben allzu höchstnötig brauchten, brachten wir unten in die Klüffte des Felsens, und weilen die Menge des Holtzes von zerscheiterten Schiffen dergestalt gross war, dass wir selbiges bald unmöglich alles auf die Insul bringen konnten, so liessen wir vieles liegen, wo es lag, hergegen wurde so wohl bei tages als Nachts-Zeit unten am fuss des Felsens auch eine ganz erstaunliche Menge verbrannt, weilen es wegen des hefftig tobenden Nord-Windes eine so grimmige Kälte war, dass wir des Feuers nicht wohl entbehren konnten. Es ist nicht zu läugnen, dass wir um diese Zeit entsetzliche Schätze an Gold, Silber, Perlen, Edelgesteinen von mancherlei Sorten auffischeten, und auf die Insul schafften; was nun die Pack-Fässer, Ballen und verwahrten Kisten anbelangete, so bedeckten wir damit das Land vor Davids- und Alberts-Raum bis zur Burg des Regenten, dergestalt, dass fast kein Apffel dazwischen auf die Erde fallen konte. Demnach hatten unsere Obern zu steuren und zu wehren gnug, um das Volck von der Arbeit abwendig zu machen, weilen wir ja alles dessen im grössten Uberflusse hätten, was sie mit so blutsaurem Schweisse herauf brächten. Unter der Zeit war Mons. Plagern und seinen Mit-Gehülffen die Lust angekommen, Glocken zu giessen, und zwar aus dieser Ursache, weilen sich in einem Teile unserer Ertz-Gebürge ein so vortreffliches Metall befände, welches sich unvergleichlich schön zum Glocken-giessen schickte, wie sie denn auch 6. schöne Glocken gegossen, deren zum teil einige noch unaufgehenckt zu sehen sind. Da diese Giesserei ihnen so wohl von statten gegangen, versuchten sie auch kanonen von verschiedener Grösse zu giessen, in welchen sie so glücklich, jä fast noch glücklicher waren, als im Glocken-giessen, indem sie 12. unvergleichliche kanonen von verschiedener Grösse zu Wege brachten, ingleichen 8. Feuer-Mörser, um Bomben daraus werffen zu können, auch gossen sie eine gewaltige Quantität Kugeln von verschiedener Grösse. Das Bomben-giessen, welches doch eine schlechte Kunst zu sein scheinet, wolte ihnen anfänglich gar nicht gelingen, jedoch da ein eintziger unter den Künstlern plötzlich hinter den Vorteil kam, gossen sie binnen 14. Tagen mehr als 2000. Bomben, ebenfalls von verschiedenem Gewichte oder Grösse. Wir brachten also die neu gegossenen kanonen zum teil ins Zeughaus, zum teil aber oben auf die Höhen, bei die Schilder-Häuser, und nahmen die alten genug gebrauchten davor mit zurück herunter, wie denn die Feuer-Mörser auch nach 3. Gegenden zu eingeteilet wurden, ausgenommen 2. welche auf der Alberts-Burg liegen blieben. Bei jeglicher Station wurde eine hinlängliche Menge Bomben und Kugeln hingelegt, nicht anders, als ob wir uns eines feindlichen Angriffs und Belagerung zu besorgen hätten. Unterdessen sperreten alle Felsenburgische Einwohner, fast die Mäuler und Nasen auf, als sie uns die probe mit den Bomben nach der kleinen Insul hin, ingleichen gegen Norden nach den Sand-Bäncken zu, machen sahen, wie wir denn auch verschiedene zur Lust in die offenbare See spieleten, und darinnen versincken liessen. Es hatten weder der Regente, noch unsere Aeltesten, ingleichen die Herrn Geistlichen sonsten keine besondere Wissenschafft von der Bomben-Spielerei, als was sie etwa aus Büchern gelesen, jedoch will ich es Zeit meines Lebens nicht vergessen, dass Herr Mag. Schmeltzer Sen. eines Abends, da er Mons. Plagern von ungefähr antraf, also zu ihm redete: Mein Bruder! eure Kunst ist Lobens- und Rühmens wert, allein GOtt verhüte, dass wir nicht erleben, selbige anders, als zur Lust und gegen keine Feinde zu gebrauchen. Ich sage noch einmal, GOtt verhüte dieses, denn in meinem land, wenn die jungen Knaben mit Drommeln und Gewehr das so genannte Soldaten-Spiel zu spielen anfangen, machen sich die Alten so gleich sorgsame gedanken wegen eines bevorstehenden Krieges. Wie wir nun Herrn Mag. Schmeltzern, weilen wir in unsern Jugend-Jahren ebenfalls dergleichen erfahren, und zwar, dass zum öfftern ein blutiger Krieg darauf erfolgt, wohl Recht gaben, so hätten wir unsers Ort eben doch noch keine ursache, uns sorgsame gedanken wegen eines krieges zu machen, zumahlen, da wir uns täglich ja stündlich im stand befänden, unsern Feinden Wiederstand zu tun. Wohl gut, mein Bruder! (gab Hr. M. Schmeltzer darauf zur Antwort) Felsenburg ist mit recht eine Capital-Vestung zu nennen, aber nur ewig Schade, dass sie nicht mit Ketten am Himmel hanget, auch habe ich an der Garnison ganz und gar nichts auszusetzen, weilen dieselbe aus lauter tapffern Leuten bestehet, so wohl männliches als weibliches Geschlechts, allein, wenn Verräterei und List mit ins Spiel kommt, so hat man nicht ein, sondern viele Exempel, dass auch die allervestesten Berg-Schlösser sind überrumpelt und erobert worden.
Ich kan nicht anders sagen und glauben, als dass Herr Mag. Schmeltzer damahls gegen mich und viele andere noch bei mir stehende dessfalls einen rechten Propheten-Geist gehabt, denn was darauf erfolgte, will ich bald vollends erzählen, vorjetzo aber nur so viel sagen, dass wir wenig Tage hernach dieses Gespräch, wie man zu sagen pflegt, bald wieder verschwatzten, und fast gar nicht weiter daran gedachten, sondern unser Gebet und Arbeit, wie sonst gewöhnlich, verrichteten, im übrigen den lieben GOtt walten liessen.
Nachdem