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die Köpffe ziemlich zusammen, endlich aber wurde der Madame de Blac, als einer Lands-Männin der Madame de Barlei, ingleichen des Herrn Mag. Schmeltzers Sen. Frau Liebste aufgetragen, dieser Dame wegen bei dem Regenten und Mit-Regenten Vorstellungen zu tun, damit alles fein ordentlich zugehen möchte. Diese beide nahmen die Commission mit Vergnügen auf sich, kamen auch, weilen sie eben die grauen Häupter, Vorsteher und Herrn Geistlichen bei dem Regenten versammlet angetroffen, noch vor Verlauf zweier Stunden wieder, und brachten vor die Madame von Barlei diesen erwünschten Bescheid zurück: "Dass der Madame von Barlei vollkommene erlaubnis erteilet wäre, im Nahmen der hochheiligen Dreifaltigkeit auf dieser Insul bei uns zu bleiben, so lange es ihr gefällig wäre. Auser dem sollte sie von dieser Stunde an, vor keine Einkömlingin, etwa angesehen und gehalten werden, im Gegenteil aber alles Recht geniessen, dessen sich die Gross-Felsenburger zu erfreuen hätten, so wohl als ob sie auf dieser Insul gebohren und erzogen wäre; wie sie denn ein jeder von uns, er sei männliches oder weibliches Geschlechts, dergestalt achten und halten sollte, als ob sie eines jeden leibliche Schwester wäre etc."

Dieser Bescheid verursachte in dem herzen unserer Frauenzimmer eine ungemeine Freude, als welche die neu eingenommene Schwester Wechselweise dermassen umarmten, hertzten und küsseten, dass es fast zu verwundern, wie diese solche übermässige Liebkosungen ausstehen konte.

Da nun Mons. Litzberg und andere mehr das Frauenzimmer so auserordentlich lustig sahen, wurden dieselben auf einen grossen Saal geführt, und ihnen daselbst eine unvergleichliche Vocal- und Instrumental Musique gemacht, denn ich kan ohne eitle Prahlerei teuer versichern, dass sich unsere Felsenburgischen Musici, so wohl Vocal- als Instrumentalisten seit wenig Jahren in der Musique dergestalt gebessert, dass viele unter ihnen manchen so genannten Virtuosen in Europa beschämen sollten, woraus denn abzunehmen, dass der natur, wie man spüret, fast alles möglich ist, zumahlen, wenn Lust und Liebe zu einer Sache bei einem tüchtigen Subjecto vorhanden sind. Demnach weilen zumahlen von unserm Frauenzimmer immer Wechselsweise die schönsten und auserlesensten moralischen Cantaten, auch andere Arten von Composition abgesungen wurden, ging die Nacht darüber hin, und der Tag begunte schon anzubrechen, ehe wir uns dessen versahen; doch fand sich niemand unter uns allen, der die gehabte Lust und das Vergnügen bereuete, welches wir in abgewichener Nacht genossen hatten.

Des folgenden Morgens, da sich die Aeltesten und Vorsteher, so wohl als auch die Hrn. Geistlichen beim Regenten auf der Alberts-Burg zum Tée eingefunden, schickte der Regente auch an uns übrigen, vom so genannten engern Ausschusse, und liess uns auf den Tée zu sich bitten, indem er mit einem und andern etwas notwendiges zu sprechen hätte; demnach säumeten wir nicht, uns bei ihm einzustellen. Es folgten also dem kapitän Wolffgange und mir noch viele andere, als Mons. de Blac, Litzberg und andre Einkömmlinge, auch kam der kapitän Horn Sen. als wenn er geruffen wäre, und berichtete, wie er gestern abermals eine Visitation der von ihm mitgebrachten Leute angestellet, und dieselben in voller Lust und Vergnügen angetroffen, woraus zu schliessen, dass ihnen die Lebens-Art auf der kleinen Insul eben nicht übel gefallen müste.

Der Regente und alle Beisitzer lobten seinen Fleiss in Besorgung unseres Besten, und gaben anbei zu vernehmen, wie sie allerseits nicht wüsten, womit sie ihm eine rechte angenehme Gegen-gefälligkeit erweisen könnten. Alles, was, (versetzte hierauf der kapitän Horn Sen.) ich bis auf diese Stunde zum Nutzen und Wohlstande dieser Insul Felsenburg nach meinem wenigen Vermögen etwa beigetragen habe, solches hat diejenige Schuldigkeit erfordert, worzu ich mich gleich von Anfange unserer Bekanntschafft anheischig und verbindlich gemacht, auch so gar des allerkleinesten Kindes Bestes, nach meiner menschlichen Möglichkeit zu befördern; deswegen haben meine allerseits höchst- und hochgeehrteste Herren, Obern, Freunde und Brüder, sich nicht die geringste Mühe zu geben ursache, mir einige Gegen-Gefälligkeiten zu erweisen, es sei denn, dass dieselben allerseits meinem lieben Freunde und Bruder, Eberhard Julio, einstimmig auferlegen wolten, mir eine umständliche Nachricht zu geben von allen dem, was seit meiner Abwesenheit auf dieser Insul und was dazu behörig ist, vorgegangen.

Wie nun so wohl der Regente, als die andern alle mich, Eberhard Julium, inständig baten, des Capitains Verlangen zu erfüllen, als fing ich die Fortsetzung dessen, was ich ihm bereits gemeldet, folgender Gestalt an:

Ich zweiffele fast, mein wertester Freund und Bruder, dass ihr nach eurer letzteren Abreise von uns kaum etwa die Linie erreicht habt, als wir wegen des beständigen Sturm-Wetters eurentwegen sehr besorgt waren, und um so viel desto fleissiger vor euch und eure Reise-Geferten beteten, weiln ein beständiger Nord-Wind dergestalt tobte, als man sich seit langer Zeit nicht zu entsinnen wuste, es währete derselbe mit seinem Wüten fast bis in die dritte Woche, und wir bekamen dadurch von Tage zu Tage ein erstaunliches Stück Arbeit, weilen die Wellen alle Nächte dergestalt viel von zerscheiterten Schiffen auf unsere SandBäncke und an den Fuss unsers Felsens geführt, dass wir immer mehr und mehr aufzuräumen bekamen, ja, mit wenig Worten zu sagen: unserer bevorstehenden Arbeit kein Ende sahen; Jedennoch liessen wir uns endlich dieselbe anzutreten nicht verdrüssen, sondern es machte sich Alt und Jung von beiderlei Geschlechte mit gröstem Eifer daran, da wir denn die auserlesensten, besten und kostbarsten Sachen immer nach und nach in