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heran, da ich mit meinem mann unter Seegel zu gehen, uns beide nicht länger entbrechen konnten, deswegen machten wir noch eine kurtze Disposition, nach gehaltener fernerer Verabredung auf alle Fälle mit unserer lieben Mutter, und traten nachher unsere Reise in Gottes Nahmen an, waren auch so glücklich in der Gegend des grünen Vorgebürges anzulangen, ohne vom Sturm und Wetter befallen zu werden, bis uns endlich 3. Barbarische Schiffe auf einmal überfielen, und mit alleräusersten Gewalt zum Treffen zwungen. Zwar hätte ich fast glauben sollen, wir hätten ihnen noch bei guter Zeit entkommen können, zumahlen, da sie meinen gedanken nach, eine ziemlich billige Forderung an uns taten, allein mein Mann war, wenn ich es deutlich sagen soll, damahls wohl ein wenig zu hitzig, und hielt mit behertztem Mute Stand, ungeachtet er sich weit übermannet sah, und eben dieses hat ihm sein, mir sehr kostbares Leben, gekostet, indem ihm eine kanonen-Kugel den Kopff abgerissen. Ich geriet demnach in die Barbarische Sclaverei, zusamt allen den Meinigen, habe es aber den beiden Herrn Capitains Horn zu dancken, dass sie uns nebst vielen andern Christen-Slcaven erlöset, wiewohl ich den Barbaren eben nicht nachsagen kan, dass sie mir und den Meinigen viel Uberlast getan hätten, allein dieses hatte seine besondere Ursachen, indem ich ihnen nicht allein eine ziemlich starcke Summa Ranzion-Gelder so gleich versichert und verschrieben, sondern ein weit mehrers zu tun versprach, wenn sie uns wohl tractirten, und je eher je lieber nach Engeland, oder wenigstens nach Gibraltar lieferten; Allem wir haben, GOtt sei gedanckt, ihnen keinen Flitter geben dürffen, weilen es uns von unsern tapffern und freigebigen, teuren Erlösern durchaus verboten wurde, ihnen auch nur das geringste zu zeigen, geschweige denn zu geben. Anbei muss die edle Tugend der Grossmut und Freigebigkeit zu rühmen nicht vergessen, welche nicht allein die beiden nie genug gepriesenen Capitains Horn, sondern auch 2. Portugiesische Capitains in unserm damahligen betrübten und verwirrten Zustande allen erlöseten Christen-Sclaven, vornemlich aber auch mir und den Meinigen erwiesen. Der Himmel vergelte es ihnen, und seegne sie alle auf Lebens-Zeit. Dieses muss ich aber noch melden, dass die Portugiesen so gütig waren, und versprachen, mich mit allem meinem Zubehör und Haabseeligkeiten frei und franck in den ersten Englischen Capital-Hafen zu liefern; Allein wie gern ich das Land und die Stadt meiner Geburt vor meinem Ende wohl noch einmal sehen mögen, so hatte ich doch in meinem herzen einen besonderen Wiederwillen gegen die Portugiesen, nicht so wohl vor ihre Personen (denn es waren in Wahrheit 2 artige Cavaliers von person und Ansehen) aber ich fand etwas an ihnen, das mir nicht gefiel, und welches ich jetzt nicht sagen kan oder will. deswegen addressirte ich mich an unsern Haupt-Commandeur, den ältesten kapitän Horn, und bat ihn gewisser Ursachen wegen, weil ihm die Treue und Redlichkeit gegen seinen bedrängten nächsten, recht aus den Augen leuchtete, aufs allerwehmütigste, mich nicht in die hände der Portugiesen kommen zu lassen, sondern mir die gefälligkeit zu erweisen, und mich so wohl als meinen Zubehör aufs Vorgebürge der guten Hoffnung mit sich zu nehmen, von dannen ich mich denn schon weiter nach einer gewissen Ost-Indischen Insul zu kommen getrauete, wo mein seeliger Mann im Nahmen seiner Principalen ungemein starcke Geld-Posten einzuheben, auch dessfalls ein Blanquet zur Vollmacht bekommen, welches er mir unter seinen Schrifften hinterlassen hatte. Es versprach mir jetzt gemeldter kapitän Horn zwar, mich um weiter nichts zu bekümmern, sondern versicherte mich mit nächsten, so bald es nur möglich wäre, auf das Cap zu bringen, allein in diesem Stücke muss ich ihn, wiewohl mit frölichem und vergnügtem herzen einer Unwahrheit beschuldigen, indem er mich an Statt des Möhrischen Vorgebürges an diesen angenehmen Ort gebracht, wo ich den Himmel, oder so zu sagen, nur eine der besten Haupt-Cammern des himmels auf dem Erdboden angetroffen, und mich nunmehr Zeit meines Lebens von dieser glückseeligen Insul nicht wünschen will, wenn einer von den vornehmsten Einwohnern derselben, mir nur das Glück gönnen will, mich als eine Magd, oder Kinder-Frau bei sich zu behalten, denn ich bin, ohne eitlen Ruhm zu melden, geschickt, nicht nur die saubersten Sachen mit der Neh-Nadel zu verfertigen, sondern weiss auch mit Spitzen-machen, Weben, Spinnen und Stricken ganz wohl umzugehen, bin auch sonsten allerhand andere Haus- und KüchenArbeit von Jugend auf gewohnt. Mein allerbester Trost ist dieser, dass ich meine liebe Mutter versorgt weiss, weilen ich derselben nebst meinen kleinern Geschwister ein solches Capital zurück gelassen, welches sie, als eine gute Wirtin wohl schwerlich ZeitLebens mit ihren Kindern verzehren wird, und wenn sie sich auch in künfftiger Zeit zur andern Heirat bequemete, indem sie noch eine wohl ansehnliche vigoreuse Frau, und fast noch in ihren beste Jahren ist. kurz zu sagen: Ich werde mich weiter weder um mein Vaterland so wenig, als um die ganze Welt bekümmern, wenn ich nur, wie schon gemeldet, die gütige erlaubnis erhalten, auf dieser glückseeligen Insul und unter dem Zusammenhange der ungeheuchelten auserlesensten Frauen mein mühseeliges Leben zu enden.

Wie nun hiermit auch die Madame Barlei den ersten teil ihrer Lebens-geschichte endete, jedoch dabei meldete, dass sie viele zur Haupt-Geschicht nicht eben allerdings gehörige Weitläufftigkeiten bis auf eine andere Zeit versparen wolte, so steckte unser Insulanisches Frauenzimmer erstlich