dergestalt allergnädigst verlauten lassen: Man müsse bei der angegebenen Deliquentin, zumahlen, da sie eine gebohrne vornehme Engeländerin wäre, die Sache recht wohl untersuchen, indem Allerhöchst-Dieselben vor diessmahl gewisser Ursachen und Umstände wegen lieber Gnade als recht ergehen zu lassen, gesonnen wären etc.
Dieses war nun schon ein ziemlich starcker Trost vor mich und meine Mutter, den uns dieser Freund zum ersten mahle brachte, allein der ehrliche Mensch dienete uns in weit mehrern Stücken, denn da ihm meine Mutter das geheimnis wegen unserer starcken Schuld-Forderungen entdeckte, war seine erste Anfrage diese: Ob er, wenn er auch nur die Helffte davon ausgeklagt, auch mich zur Gemahlin haben sollte? welches denn meine Mutter und auch ich ihm mit Hand und Mund versprachen. Demnach war Barlei vollkommen wohl mit uns zufrieden, und liess sich unsere Geschäffte dergestalt angelegen sein, dass er weder Tag noch Nacht Ruhe hatte, bis er, versprochener massen, die Helffte unserer Forderungen ausgeklagt, und noch ein weit mehreres, welches alles er denn zu meiner Mutter sichern Händen lieferte. Hierauf drunge er auf das Beilager mit meiner person, ungeachtet ich ihn nun an meine Mutter verwiese, indem dieselbe, obgleich etwas älter, jedoch weit schöner und reicher, als ich wäre, so wolte doch mein Barlei auch hiervon nichts hören, sondern sagte nur soviel: kurz, ich liebe eure person eintzig und allein auf der Welt, und setzte gegen euch Printzessinnen zurücke, wenn sie mich auch haben wolten, aus was Ursachen aber ich euch liebe, solches ist mir ohnmöglich zu sagen.
Sich zu einer Heirat zu entschliessen, mag wohl eine solche Sache sein, die dem Menschen vorher lange im Kopffe herum gehen muss; allein bei unsern damahligen Umständen erforderte es allerdings wohl die Not, mich nicht länger zu weigern, zumahlen, da mir meine Mutter und mein Liebster fast keine Stunde mehr, zur weitern Bedenck-Zeit vergönnen wolten.
Demnach wurden wir endlich, fast ehe es mir gefällig war des Handels vollkommen einig, und celebrirten unser Beilager, ohne gewöhnliches unnötiges Gepränge, hatten auch niemanden auser meiner Mutter dabei, als 12. Herrn und Frauen aus Londen, die wir noch vor unsere besten Freunde schätzten.
Nachdem nun auch dieses geschehen, und vorbei war, wir beide neugebackenen Eheleute auch kaum 4. Wochen vergnügt beisammen gelebt hatten, kam eines Abends mein Barlei sehr stark verwundet nach haus, indem er zu sagen wuste: wie er einiger massen recht unter die Mörder gefallen, und dergestalt von ihnen zugerichtet worden, dass er vielleicht seinen Geist dieserwegen aufgeben müste.
Es waren eben zwei Englische Kauff-Leute bei uns, welche einige Geld-Summen vor uns zahleten, und dem Herrn von Barlei das Verständniss ziemlicher massen eröffneten, indem sie ihm sagten: dass dieses sein Unglück von niemanden anders herrührte, als von einem gewissen Mäckler, den man noch zur Zeit nicht in die Gülde der Kauffmañschafft einnehmen wollen, und mit dessen Tochter der Herr von Barlei sich zu vermählen vor einiger Zeit, auch ihm ein Schiff nach Ost-Indien auf dessen Verlag zu führen, anheischig gemacht, nachher aber das Wort nicht gehalten, ungeachtet der Mäckler gesonnen gewesen, vor ihn und seine Gemahlin, als dessen Tochter 20000 Gulden in Banco, so zu sagen, als zum Heirats-Gute einschreiben zu lassen. Mein Barlei befand sich einiger massen in seinen Gewissen betroffen, sagte aber dieses: Mein Unglück mag herrühren, wo es immer wolle, jedennoch werde ich nicht verzagen, weilen, nächst GOtt, meine Redlichkeit und mein noch (wiewohl eben nicht so gar sehr starckes) Vermögen mir durchhelffen muss. kurz: ich verlasse mich auf den Himmel, meine Jugend und meine Tapferkeit. Wenn sie (sagte der eine und älteste Kauffmann,) das Principium haben, so kan es ihnen nicht fehlen; unterdessen, weilen wir beide einen guten schiffes-kapitän notig haben und zwar eine person von Condition, indem wir in Compagnie ein vollkommen wohl ausgerüstetes Schiff liegen haben, welches nach Ost-Indien geführt werden soll, als haben wir das besondere Vertrauen zu Ew. Herrl. dieselben zu unsern schiffes-kapitän anzunehmen, in Hoffnung, dass sie unsern Nutzen und Vorteil aufs best-möglichste besorgen werden, und hiervor lassen wir ihnen gleich morgendes Tages, oder, wenn es gefällig, ausser dem Ordinario alsofort 6000. Fl. in Banco schreiben.
Mein Barlei wolte sich anfänglich nicht entschliessen, mit diesen Leuten etwas zu tun zu haben, indem er nicht allein seine noch allzu neue Heirat, sondern auch seine schlechte Erfahrung im SeeWesen vorschützte, jedoch alles dieses und noch mehrere Entschuldigungen wolten bei diesen Capitalisten nichts gelten, sondern sie trilleten ihn so lange, bis er einen Contract mit ihnen schloss, der zumahlen vor mich, nächst dem vor meine Mutter, ja alle die Meinigen, ungemein raisonable und profitable abgefasset war.
Aber ich verfluche fast noch die Stunde, da dieses geschehen ist, denn dieser Contract hat mich um meinen lieben Mann gebracht. Er hatte, nachdem er sich einmal engagirt, wenig Zeit zu versäumen, zu Schiffe zu gehen, wessentwegen auch meine Mutter und ich unsere Maass-Regeln darnach nehmen und einrichten mussten, jedoch schon gemeldte zwei redliche Kaufleute, als meines Mannes Principalen, halffen uns, was die Geld-Affairen anbelangete, binnen wenig Tagen aus allen unsern Nöten, indem wir das allermeiste Geld eincassirten, das übrige aber im Banco schreiben liessen.
Endlich rückte der strenge Tag