worüber sich der Franzose mit allerhand anzüglichen Reden verlauten liess, dass dieses keine Manier, sondern eine Anzeigung eines schlechten Verstandes und geringer Höflichkeit sei, so kam es unter uns bald zu hässlichen Schimpff-Worten, und obgleich die darbei stehende Wirtin, fernern Streit zu verhüten, sich erklärete, wie sie sich aus dergleichen Kleinigkeiten nichts machte, sondern dieselben allen ihren Gästen, welche Belieben dazu trügen, Preiss gäbe, so wolte der Franzose sich jedennoch nicht zufrieden geben, sondern schimpffete immer noch hefftiger auf mich los, da ich ihm denn mit Worten gleichfalls nichts schuldig blieb. Er aber zog seinen Degen, ging mir damit in einem breiten Wege sehr hitzig zu leib, ich hergegen war gelassen, und ging anfänglich sehr behutsam mit Ausparirung seiner Stösse, da er mir aber endlich immer gefährlicher zu leib ging, versetzte ich ihm oben einen Stoss durch die rechte Brust, dem noch einer folgte, welcher vermutlich durch sein Hertze ging, indem er mit den Worten, die auf deutsch, ich habe genug, heissen, wie ein Baum umfiel, und fast gar kein Zeichen des Lebens wehr von sich gab. nunmehr begunte mir erstlich recht sehr bange zu werden, wie es mir ergehen würde, allein die Wirtin, die entweder aus Mittleiden, weil sie wuste, dass ich ein Frauenzimmer war, oder vielleicht aus ihren eigennützigen Ursachen durch diesen Zufall ganz bestürtzt worden, kam mit sachten Schritten auf mich zugegangen, und sagte: Meine Freundin! Ihr habt euch ritterlich genug gehalten, deswegen seid auf eure Flucht bedacht, denn mir ist mit eurem Schaden und Unglück nicht gedienet. Hiermit öffnete mir die gute Frau die Hinter-Tür des Gärtgens, wodurch sie mich hinaus liess, da ich ihr denn noch 3. Guinees in die Hand druckte, und bat, dahin besorgt zu sein, dass auch meine 2. Bedienten mir bald nachfolgen könnten. Dieses zu bewerckstelligen, lief sie selbsten vor ins Haus, und brachte zu meiner grössten Freude meine Bedienten geführt, welche denn so wohl als ich von ihr hinaus gelassen wurden, da wir uns denn alle 3. gar bald erstlich unter den Pöbel verteileten, jedoch auch gar bald einander wieder antraffen, und keinen Augenblick Zeit versäumeten, euch, meine liebe Tochter, heimzusuchen, weilen wir alle wohl wissen, dass ihr Zeit unserer Abwesenheit euch tausend Kummer und Sorgen werdet gemacht haben.
GOtt sei ewig gelobt! (sprach ich zu meiner Mutter) dass er ihre person bei diesem gefährlichen Handel so väterlich behütet hat, dieser ist mein lebendiger Zeuge, dass meine Augen Zeit ihrer Abwesenheit gar nicht sind trocken worden; und dieser wolle fernerweit unser Beistand sein, denn wir haben meines Erachtens noch viel schwere Berge zu übersteigen vor uns.
Indem nun meine Mutter und ich, so wohl bei Tage als bei Nachts-Zeit, mit sorgsamen gedanken beschafftiget waren, weiln mir keinen Schluss fassen konnten, an wen wir uns wegen unserer Forderungen addressiren wolten, führte endlich der Himmel unverhofft eine person in unser Logis, welche wir beide recht als einen Engel bewillkommeten.
Es war diese person Mons. Barlei, ein junger Lord, der schon in meinem 13ten Jahre, da mein Vater noch Schloss-Hauptmann gewesen, bei meinen beiden Eltern angehalten, mich als diese ihre Tochter an keinen andern Menschen zu verheiraten, als an ihn. Wie nun meine Eltern ihm zur Antwort erteilet, dass es noch viel zu frühzeitig mit ihrer Tochter sei, dieselbe zu verheiraten, er aber wohl schwerlich, von wegen seiner eigenen Jahre, Standes und grossen Vermögens, nicht leicht vor ratsam befinden würde, auf dieselbe zu warten, weilen er mittler Zeit, als diese vollkommen aufgewachsen wäre; 10. ja mehr weit profitablere Partien im Heiraten antreffen könnte. Demnach solle er sich eine Sache, die ihm vielleicht bald hernach, als er seinen Zweck erreicht, gereuen könnte, viel lieber aus den gedanken schlagen, so könne er vergnügt und wir alle ohne Sorgen leben.
Allein dieser mein Liebhaber, welchen ich, zu mahlen bei unsern offtmahligen verwirrten Haus-Sachen, jederzeit treu und redlich erfunden, hatte sich damahls und auch in folgender Zeit an alle dergleichen ihm verdrüsslichen Abfertigungen wenig gekehret, sondern war mir eine Zeit, wie die andere getreu und beständig geblieben, und zwar, ohne dass ich einen besonderen Wohlgefallen darüber empfunden: Denn ich fürchtete mich schon von meiner Jugend an ganz entsetzlich vor dem Heiraten, weilen mir der so genannte Englische Wahrsager, und zwar der Uralte, nicht viel Guts in der Helffte meiner Jahre zu geniessen vorher gesagt hatte. Um aber meine geschichte nicht weitläufftig zu machen, so will nur so viel sagen: dass dieser Mons. Barlei noch bei lebe-zeiten meines Vaters, ehe derselbe in die letzteren Verdrüsslichkeiten geraten, zum öfftern in Londen zu uns gekommen, und die ehemahlige Bekanntschafft erneuert, nachher aber nur sehr sparsame Visiten bei uns abgelegt, weilen er wohl gemerckt, dass es nicht allzu gut um unsere Wirtschafft stünde; da ihm aber unsere Fatalitäten zu Ohren kamen, kam er, so zu sagen, als ein von GOtt gesandter heiliger Engel, und brachte uns zu allererst die besondere Nachricht: dass die Entleibung der Französin so wohl als auch des Franzosen nicht allein in der ganzen Stadt, sondern auch bereits bei hof ruchtbar worden, indem die Wirtin und Domestiquen des Logis, worin die Französische Comœdiantin logirt, alles umständlich erzählen, und endlich bekräfftigen müssen, jedoch hätten ihr Majestät der König selbst sich