1731_Schnabel_088_518.txt

zumahlen, da sie Manns-Kleider am leib anhatte, ziemlich zu verstellen wuste, so merckten wir beiden Bedienten doch bald, was passirte, zumahlen, da unsere Frau die Wirtin vermittelst eines Geschencks a 3. Guineen ganz vollkommen treuhertzig machte, und dieselbe inständig bat, ihn nur hinauf in das Zimmer zu führen, wo beide Frantzosen schliefen, indem er ein recht vertrauter Freund von allen beiden sei, indem er so gut Frantzösisch als Englisch parliren könnte. Die Wirtin liess sich also ohne ferneres Bedencken, und in Betrachtung der schönen Gold-Stücke, deren sie vielleicht noch mehr zu fischen verhoffte, dahin bewegen, dass sie uns alle 3. in das Zimmer hinauf führte, wo beide verliebte Frantzösische Seelen im Bette angetroffen wurden, und einander umarmten, auch sich keines Bösen befahreten, bis ihr mein Herr oder Frau, wie ich sagen mag, seinen geschliffenen Degen zwischen beiden Brüsten ganz sanffte hindurch bohrete, da sie denn der Wirtin rieff und dieselbe fragte: was im haus und hier oben vorginge. Nichts, Madame, antwortete die Wirtin) schlafet nur ganz ruhig, denn ich bin selber da.

Mir kam so wohl über die Frage, als über die Antwort dieser beiden Personen, ein hertzliches stilles lachen an, doch, da ich merckte, dass sich der Franzose rührete und umwenden wolte, stiess ich meinen Cameraden in die Seite, um auf allen Fall unsere Pistolen parat zu halten, weilen man bereits das Blut unter dem Bette hervor lauffen sah. Mein Herr wolte zwar der Wirtin mit 6. Guinees ein Stillschweigen auferlegen, allein diese wolte sich nicht weiter treuhertzig machen lassen, sondern durchaus nach der Wache schicken. Demnach begaben wir uns erstlich an die Fenster, um frische Lufft zu schöpffen, wurden aber gewahr, dass sich eine gewaltige Menge vom Pöbel in selbiger Gegend versammlete, fragten demnach die Wirtin, was der Lerm auf der Strasse zu bedeuten hätte? worauf sie zur Antwort gab? Meine Herrn! dieser Lerm gehet nicht uns, sondern die Zoll-Bedienten an, welches nichts ungewöhnliches ist, wird sich aber mit Anbruch des Tages wohl legen. Indem wir nun die Frau Wirtin in allen Stücken ganz höflich und freundlich sahen, begaben wir uns wieder hinunter in das Haus, und forderten 3 Bouteillen Wein, nebst etwas Zubehör, welches alles die immer liebreicher scheinende Frau Wirtin sogleich brachte, und sich mit unsern so genannten Herrn in ein vertrauliches Gespräch einliess, welches wir beiden Diener nicht verstehen konnten.

Ich will euch, fiel hier meine Mutter dem Laquay in die Rede, dasselbe allerseits dergestalt noch vorsagen, als es gehalten worden: denn erstlich fragte die Wirtin, wie es möglich gewesen, dass ich ein so wunderschönes Frauenzimmer hätte in ihrer besten Ruh entleiben können? worauf ich derselben zur Antwort gab: Madame! es laufft allerdings wider mein Naturell, einen guten Hund, geschweige denn ein Frauenzimmer zu tödten, weilen ich, wie sie sehen können, selbsten dieses Geschlechts bin, allein diese Frantzosen-Hure hat mir erstlich meinen Mann verführet, und zum Ehebruche verleitet, hiernächst mich und meine Kinder um gewaltige Geld-Summen gebracht, aber alles dieses möchte noch hingegangen sein, wenn sie mir nur diesen Tort nicht angetan, und meinen Ehemann, der von den Vornehmsten des Englischen Adels herstammet, durch ihren Beischläffer, so viel ich vernommen, auch so gar meuchelmörderischer Weise um sein noch ziemlich junges Leben bringen lassen. Es hat mir (sprach ich ferner zu der Wirtin) hier in ihrem haus an weiter nichts gefehlt, als an der Zeit und gelegenheit, allein ich hoffe, dass mir der Himmel doch noch diesen mörderischen Frantzosen in die hände führen wird, da ich denn nicht fackeln werde, ihm durch meine eigene Faust das LebensLicht auszublasen, und meinen Mann zu besuchen, in das Reich der toten zu schicken, sollte ich auch gleich meinen Kopff auf dem Chavotte müssen fliegen lassen, so mache ich mir dennoch eben so wenig daraus, als ob ich zehen Köpffe hätte. Hierauf sagte die Wirtin ganz heimlich und vertraulich: Madame! ich habe genug gehört, kan aber nicht gar viel dazu sagen, unterdessen, weiln ich ihnen zu Gefallen, noch nicht nach der Wache geschickt, und die Sache melden lassen, so folget meinem getreuen Rate, und mischet euch noch bei guter Zeit mitten unter den Pöbel, wessentwegen euch denn auch meine Haus-tür nicht soll abgeschlossen werden.

Nachdem ich der Frau Wirtin vor dieses gute Erbieten einen Kuss auf gute Landsmännische Manier versetzt, war mir noch einmal so wohl ums Hertze, als vorher, befahl auch derselben, meinen beiden Leuten auf mein Conto noch so viel zu trincken zu geben, als sie nur immer beliebten, weiln ich alles bezahlen wolte; als zu dem Ende ich ihr der Wirtin noch 3. Guinees in die Hand drückte, und meine Leute nach meiner Pfeiffe stimmete, Wie nun der helle lichte Tag bereits angebrochen war, als kam der Monsieur Franzmann die Treppe herunter spatzieret, und ging in einen kleinen hinter dem haus gelegenen Lust-Garten, um sich daselbst zu divertiren, ich folgte ihm auf dem fuss nach, und wunderte mich über weiter nichts mehr, als dass er keinen Verdacht weder auf meine person, Kleidung, noch sonstes etwas legte. Wir waren aber kaum etliche 20. Schritte zwischen den Blumen-Beeten herum spatziert, als ich mir gefallen liess, einige der schönsten Blumen, die nach meinen Appetite waren, abzupflücken,