Hirschen, teils mit den schönsten Pferden bespanneten staates- Carossen gegen uns angerückt waren, als bestiegen wir dieselben. In der 1ten Chaise sass der kapitän Horn Sen. an meiner Seite; in der 2ten dessen Bruder bei dem kapitän Wolffgang, in der 3ten der SchiffsLieutenant bei Mons. Litzbergen, in der 4ten der schiffes-Fähndrich bei M. v. Blac; diesen Chaisen folgeten noch verschiedene andere dergleichen, worin sich auch einige der so genannten Vornehmsten dieser Insul befanden, ingleichen waren etliche zu Pferde, wenigstens hundert Mann, die den Schluss machten. In dieser Ordnung fuhren wir nach der Alberts-Burg zu, denn es ist vorjetzo gegen sonsten ganz anders, so, dass man gleich auf dem Berge vor der grossen Burg-Tür absteigen kan.
Nachdem uns 6. graue Häupter zur Bewillkommung entgegen geschickt waren, stiegen wir die Treppe hinauf, und traffen daselbst auf einem grossen saal, (denn es ist zu wissen, dass Zeit währender, des kapitän Horns, Abwesenheit nicht allein dieser Saal, sondern fast das ganze Gebäude, Alberts-Burg genannt, abermals ungemein vergrössert und verbessert worden) den Regenten oben an einer oval-runden Taffel auf einem etwas erhabnern Stule sitzend an, als diejenigen hatten, die um ihn herum sassen, und dieses waren bekannter massen die grauen Häupter und Vorsteher der Gemeinden in den Pflantz-Städten. Zur rechten und lincken Seiten dieser oval-Taffel, oben neben dem Stule des Regenten, befanden sich noch 2. etwas kleinere runde oval-Taffeln, an welcher jeden 4. Herrn Geistliche sassen, und zwar in ordinairen Sächsischen Priester-Habit, denn unsere Herrn Geistlichen hatten sich nur vor etwa 2. Jahren einen neuen Amts-Gehülffen erwehlet, und denselben nach heiligem Gebrauche ordinirt, damit er das Werck des HErrn nebst ihnen nach der Ordnung unsers Heils unermüdet forttreiben könnte, weilen allem Ansehen nach denen dreien alten und ersten die geistliche Arbeit in die Länge allzu sauer werden wolte. Jedoch hiervon weiter unten ein mehreres. Sonsten aber liess sich die Verwunderung aus meines Bruders so wohl, als der mit ihm gekomenen Officiers Augen nicht undeutlich lesen, die sie über die grossen grauen Bärte und Eissgrauen Haupt-Haare hegten.
Es sassen demnach, wie schon gemeldet, diese venerablen Männer in der Rundung um den Regenten herum, und zwar alle in schwartzer Kleidung, auf Stühlen, die mit roten weichen wild-Leder überzogen waren, endlich aber, da die Fremden sich vor ihnen geneiget, trat der Regente auf seinem stuhl in etwas in die Höhe, und redete dieselben selbst zu erst also an:
Meine Herren, auch wertesten Freunde und
gönner!
Dieselben treffen hier an diesem Orte Leute an, welche von den so genannten Complimenten, oder wie die Sachen sonsten Nahmen haben mögen, so wenig wissen, als von dem äuserlichen Pracht in Kleidung und von andern Welt Gepränge, so vielleiche an andern Orten in der Welt vorgehen mag; sondern sie finden, wie ich sage, an uns Leute, die in ihrer gottesfürchtigen Einfalt leben, mit unserm geringen stand und wenigem Vermögen vollkommen zufrieden sind. Wir machen uns allerseits eine ganz besondere Freude, Sie werteste Herren und Freunde! nach einer (wie wir von unserm lieben kapitän Horn dem älteren bereits in etwas vernommen haben) beschwerlichen und verdrüsslichen Reise glücklich bei uns zusehen, wünschen uns anbei nichts mehr, als dieses, dass Sie uns im stand finden mögen, Ihnen nach Würden ein und anderes Vergnügen zu machen; Jedoch, weilen wir unfehlbar das Glück haben werden, Dieselben noch eine gute Zeitlang bei uns zu sehen, um vollkommen auszurasten, als werden sich vielleicht binnen dieser Zeit, mit Hülffe des himmels, Mittel finden, Ihnen unsere Wohlgewogenheit und Erkänntlichkeit zu zeigen, zumahlen, da wir vernommen, dass Sie auf der ganzen Fahrt und vor einige uns mitgebrachte Sachen viele sorge getragen. Wir bitten nochmahls allerseits, Sie belieben es sich bei uns wohlgefallen zu lassen, und mit möglichst guter Bewirtung vorlieb zu nehmen.
Da nun der Regente ausgeredet, und sich wieder hingesetzt hatte, redete mein Bruder also:
Hochgebietende, Hochgeehrteste Herren!
Es hat uns mein Bruder, sonderlich auf der RückReise, 1000. fach viel Gutes von Ihnen und dieser ganzen hochgeschätzten Republique erzählet, sonderlich aber, dass die Gottesfurcht, Gerechtigkeit, Friede, Liebe, Treue, Redlichkeit, Aufrichtigkeit und andere unvergleichliche Tugenden mehr an keinem Orte in der Welt in grösserer Vollkommenheit anzutreffen, als auf dieser glückseligen Insul, deswegen schätzen so wohl ich, als meine gegenwärtigen Herren und Collegen es uns vor ein besonderes Glück und Vergnügen, Dero Grund und Boden betreten zu haben, und mit Ew. Hochgebietenden unsern Hochgeehrtesten Herren bekannt zu werden. Was wir sonsten auf der ganzen Fahrt getan, als absonderlich gut Commando unter unserm Volcke zu halten, hiernächst die uns anvertrauten Sachen bestmöglichst bewahren zu helffen, ist unsere Schuldigkeit gewesen, und protestiren wir hierbei vor alle Erkenntlichkeit, weilen wir von meinem Bruder bereits ein sattsames Honorarium bekommen, und werden wir, wenn uns ja erlaubt sein sollte, eine kurtze Zeit hier zu bleiben, uns bestmöglichst hüten, einige Ungelegenheit zu machen, damit wir Dero allerseits gute Meinung von uns nicht verschertzen.
Nachdem diese Reden gehalten worden, gingen mein Bruder und die beiden Officiers erstlich zum Regenten, welchen sie umarmeten und küsseten, und denn ferner zu allen, die da gegenwärtig waren, mit denen sie es gleichfalls also hielten, worauf an verschiedenen grossen Taffeln gespeist,