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, dass man dieselben bei dieser vortrefflichen Witterung auf der Insul Klein-Felsenburg unter Zeltern und Laub-Hütten campiren liesse, so wie wir solches wohl ehemahls andern fremden Völckern erlaubet haben. Auch müste ihren Officiern auferlegt werden, diese Leute fleissig in Acht zu nehmen, und dieserwegen keinen Tag oder Nacht lang von ihnen zu bleiben, ausgenommen, wenn sie specielle erlaubnis hätten, sich dann und wann einige Tage in Gross-Felsenburg aufzuhalten. Ob sie meinem Bruder vergönnen wolten, bei uns zu bleiben, damit wir ihn stetig in Augen hätten, und auf sein Tun und Lassen achtung geben könnten, solches stellte in dero Belieben, sonsten wäre ich wohl gesonnen, ihn Woche um Woche oder alle 3. oder 4. Tage auf Klein-Felsenburg ordentlich abzulösen, und allen Verdacht zu vermeiden, bei den Leuten so wohl als er zu bleiben. Inzwischen zweiffelte nicht, dass man beschliessen werde, dass Volck mit hinlänglichen und notdürfftigen Lebens-Mitteln zu versorgen, so wie wir denn wohl ehermahlen Blutfremden getan, die uns gar nichts angegangen. Was die Ausschiffung des Volcks und der mitgebrachten Sachen anbelanget, ist mein Vorschlag, dass dieselbe je eher je lieber vor sich gehe, indem ich befürchten muss, dass sonsten an einen und andern kostbaren Sachen, ein fernerer Schade geschehen möchte etc.

Wie nun dieser getane Vorschlag nicht nur dem Regenten, sondern auch allen andern Mit-Regenten vollkommen wohlgefiel, so wurde beschlossen, keine Zeit noch Stunde mehr zu verabsäumen, sondern erstlich das Volck auf die kleine Insul, und den meisten teil der mitgebrachten Sachen erst an den Fuss unsers Felsens zu schaffen, wo, weiln ohnedem die See um selbige Zeit sehr weit zurück gewichen, Platz genug vor dieselben vorhanden zu sein geschätzt wurde.

Nächstfolgenden Tages, da Kirch-Tag war, wurden im Herausgehen aus der Kirche 300. Mann von unsern Leuten, nämlich die besten und stärcksten Felsenburger ausgelesen, welche zu Ausschiffung der Sachen Hand mit anlegen sollten; hierauf setzte sich der kapitän Horn nebst mir und vielen ansehnlichen Felsenburgern in Boote, und fuhren hinüber zu den Schiffen, da denn kapitän Horn seinem Bruder so gleich den Antrag tät, dass, weilen auf der grossen Insul nicht so viel Raum und Platz anzutreffen, dem Volcke genugsame Bequemlichkeit zur Verpflegung zu verschaffen, als woll er sich gefallen lassen, dasselbe auf die kleinere Insul zu führen, fernerweit aber vor nichts sorge tragen, indem allhier mehr der Uberfluss, als Mangel regiere.

Der jüngere kapitän Horn liess sich alles gefallen, was ihm sein Bruder zumutete, und deswegen richteten beide Schiffe ihre Seegel nach der kleinen Insul, erreichten auch dieselbe noch, ehe es Nacht wurde. Folgenden Morgens stiegen sie also mit dem Allerfrühsten in eben demjenigen Haafen aus, wo vor einiger Zeit einige Portugiesen als Gäste ausgestiegen waren, ja diese Leute erwähleten sich auch eben den lustigen Platz zu ihrem Lager-platz, den sich damahls die Portugiesen dazu erwählt hatten, indem wir noch die Rudera ihrer gehabten Hütten und Feuerstädten daselbst antraffen. Ich kan nicht gnugsam sagen, wie fleissig sie sich insgesamt anstelleten, ihre Hütten in Ordnung zu bringen, und es war immer einer mehr, als der andere beschäfftiget, seinen Nachbar wegen seiner Hütte so wohl an Zierlichkeit, als Bequemlichkeit zu übertreffen. Da das Volck nun vollends sah, was ihm vor eine erstaunliche Menge Speise-Vorrat, Wein, Brandtewein etc. zugeführet wurde, wusten die wenigsten zu sagen, was sie mit allen diesen guten Sachen, auch grössten Teils herrlichsten Delicatessen anfangen sollten, indem es zu viel vor sie, und nur einigen ihrer besten Freunde in ihrem vaterland, oder hie oder da, etwas weniges von diesem ihren Uberflusse wünschten. Demnach hatten diese guten Leute dererjenigen gedanken, so auf der Insul Gross-Felsenburg leben, gar sehr viel; Jedoch die guten Leute bei ihrer gemachten Einrichtung und zu guter Ordnung abzielenden Arbeit nicht zu stöhren, oder ihnen wenigstens verhinderlich darinnen zu sein, als blieben wir vor dieses erste mahl nur 3. oder 4. Tage bei ihnen, und fuhren darauf nach GrossFelsenburg los, als wohin wir die beiden Capitains Horn vorerst alle beide mit uns nahmen, ingleichen des ältesten Capitains schiffes-Fähndrich und des jüngern Capitains Lieutenant, den übrigen beiden zurückbleibenden subalternen Officiers wurde mitlerweile das Commando über die Völcker, so sich bereits völlig einquartirt hatten, aufgetragen.

Es sperreten so wohl mein Bruder, als die bei ihm befindlichen Officiers die Augen ganz entsetzlich auf, als ihnen, nachdem sie durch den hohlen FelsenWeg herauf stiegen, und zwar bei der angenehmsten Zeit und Witterung, ungefähr 1. oder 2. Stunden nach Aufgang der Sonnen, der ganze Prospect von unserer grossen Insul plötzlich und auf einmal in die Augen fiel. Mein Bruder, der auf einen kleinen Hügel von ungefähr zu stehen kam, war fast in vielen Minuten nicht von der Stelle zu bringen, doch endlich, da er sich besonnen hatte, wo er sich befände, sagte, indem er die hände über dem Kopffe zusammen schlug, nur so viel: Du, mein GOtt! du hast mich doch seit meiner Kindheit an unzählig viele schöne Landschafften in mehr als einem Welt-Teile sehen lassen, aber dergleichen Gegend habe ich noch nie gesehen, die ohne allem Zweiffel ihres gleichen in der ganzen Welt nicht hat. Die bei ihm stehenden Officiers gaben ihm in diesem Stücke den allergrösten Beifall, wobei sie mehr als einmal dazu schwuren; Indem aber bereits einige, teils mit zahmgemachten