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einmal so schwartz und dunckel wurden, als gewöhnlich, zumahlen, da wir doch, obschon nur noch in etwas, Mondenschein hatten; Ich liess mich dieses ganz und gar nicht befremden, weilen sich dergleichen wohl zum öfftern vor oder nach einem gehabten Sturme zu zutragen pfleget. Meine Leute aber stelleten sich einstmahl ungefähr um die Mitternacht-Stunde dergestalt wunderlich an, als ob sie den Koller hätten, oder denselben kriegen wolten; Als ich nun nach der ursache ihres hefftigen Gelächters fragte: führeten sie mich auf das Oberdeck des schiffes, und zeigten mir, mit ihrer grössten Verwunderung ganze Regimenter und Esquadrons auf der offenbaren See herum hüpffend, springend und tantzend. Die wenigsten wolten mir Glauben beimessen, dass keine Sache natürlicher sein könne, als diese, indem vielleicht die See in selbiger Gegend gegen das andere See-wasser ausserordentlich saltzig wäre, oder sonsten vielleicht was zähes und schleimiges in sich hätte.

Demnach war einer, und zwar ein alter wohlversuchter See-Mann dermassen behertzt und frevel, dass er auf einen grossen Irrwisch, den er vor einen commandirenden Officier der Irrwische ansehen und ausgeben wolte, sein Gewehr lösete, denselben auch, dem Scheine nach, dermassen wohl traf, dass er sich schleunig untertauchte, und wie wir alle glaubten, versincken muste.

Indem ich ihn nun vor dem Schusse gewarnet hatte, solche Possen bleiben zu lassen, so gab es ein ziemlich starckes Gelächter, als gleich nach geschehenem Schusse oben vom Mastbaume herunter eine ziemlich starcke Stenge ihm vor die Füsse fiel, so dass er noch ursache hatte, dem Himmel zu dancken, welcher abgewendet, dass sie ihm nicht auf den Kopf gefallen, und etwa gar ein Loch hinein geschlagen. Demnach gab es abermals etwas zu lachen, denn seine Cameraden hiessen ihn nicht anders als den Irrwisch-Schiesser. Als aber mein Bruder, der zu mir und auf mein Schiff gekommen, sich selbsten über die Irrwische zu ärgern schien, sprach ich: stille, mein Bruder! wir wollen bald keinen Irrwisch mehr sehen: deswegen liess ich, nicht etwa aus Frevel, sondern zu Reinigung der Lufft, mit kanonen Feuer unter die Irrwische geben, welche denn binnen einer halben Minute Schaarenweise verschwunden, oder sich in die See versenckten.

Fernerweit kan ich eben nicht sagen, dass uns fatal zu sein scheinende begebenheiten zugestossen wären, sondern wir hatten, wie schon gemeldet, eine stille und geruhige Fahrt. Zwar wolten einige von unsern Leuten die Mäuler hängen, weilen sie gemercket hatten, dass wir das Cap. vorbei geseegelt wären, und sie nicht dahin gebracht hätten; Allein ich stopffte ihnen allen die Mäuler mit wenig Worten, die also lauteten: "Ihr habt mir nunmehr schon eine ziemliche Zeit daher die Ehre gegeben, unter meinem Cammando mit mir zu fahren; wer was auszusetzen hat an mir und meiner Aufführung, der tue es noch bei zeiten, und lasse sich in soweit dienen, dass ich die Wege zur See vielleicht wohl besser weiss, als einer unter uns allen. Ich bin auf der Fahrt, mich glücklich und vergnügt zu machen, welches alle, die bei mir sind, zugleich mit geniessen sollen, denn ehe einer von uns ja verderben sollte, so will ich der erste sein. Es kommt auf wenige Tage an, so werdet ihr vielleicht erfahren, dass euch der kapitän Horn nicht übel, sondern wohl geführt hat, und ihm vor seine Mühe und Arbeit Danck wissen." Hierauf schryen alle meine Leute mit vollem Halse! Vivat! Vivat! kapitän Horn, unser Vater.

Der Himmel gab, dass mir wenig Tage hernach alle Zeichen in die Augen fielen, welchergestalt wir nicht weit mehr von dem geehrtesten und liebsten Felsenburg wären, darum liess ich allen Kummer und sorge verschwinden, bin auch, wie ihnen bekañt, in so weit glücklich und vergnügt vor der Insul angekommen. Wie es nun meine Hochgebietende Herren, Freunde und gönner fernerweit zu verordnen belieben wollen, solches will ich mir, sonderlich wegen Ausladung der Schiffe, alle Stunden gefallen lassen, voritzo aber bis auf Dero Befehl und Verordnung meine Reise-geschichte in so weit, wiewohl nicht gänzlich zum Schlusse bringen, indem ich auf eine andere Zeit ein weitmehrers zu melden mich schuldig erkenne.

Solchemnach machte der kapitän Horn abermals einen Abschnitt, seiner, obschon noch nicht völlig geendigten Reise-geschichte, und wurde dieserwegen nicht allein von dem Regenten, Aeltesten, Herrn Geistlichen, sondern auch von uns allen nochmahls aufs freundlichste complimentirt und bewillkommet. nachher aber, da vor dissmahl eben der ganze obrigkeitliche und geistliche Stand versammlet waren, wurde vor allererst beratschlaget, wie es mit Ausladung der Waaren und Sachen, ingleichen mit der Ausschiffung der fremden Völcker wohl von ungefähr zu halten sei?

Wie nun der kapitän Horn von allen, so zusagen, fast einstimmig ersucht wurde, seine Meinung dessfalls am ersten von sich zu geben, weilen man von seiner besonderen Treu und Liebe zu uns vollkommen überzeugt wäre, dass er keinen andern, als guten Ratschlag erteilen würde; als öffnete derselbe seinen Mund, und sagte: Meine Hochgebietende allerseits hoch- und wertgeschätzte gönner und Freunde! Ihnen nicht vorzuschreiben, so halte ich es nicht vor ratsam, sondern vielmehr vor ein wichtiges StaatsVersehen, wenn man die fremden Völcker, die bishero unter meinem und meines Bruders Commando gestanden, ungeachtet dieselben grössten Teils so ziemlicher massen civilisirt, und in Ordnung gebracht sind, auf die Insul Gross-Felsenburg wolte kommen lassen. Nein! ich hielte, jedoch ohnmassgeblich darvor