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recht froh sein, dass sie noch so mit dem blauen Auge darvon gekommen, hielten sich auch nicht lange mehr vor unsern Augen auf, sondern gaben ihren Schiffen die vollen Seegel, unfehlbar nach einer ihnen wohlbekannten Räuber-Insul zu, wir hergegen, da wir eine kleine unbewohnte Insul antraffen, auf welcher sich ein schönes frisches wasser befand, beschlossen daselbst, um nach dem ausgestandenen Sturm und Schrecken, nach Gutbefinden, vor Ancker liegen zu bleiben, und in etwas auszuruhen, bei welcher gelegenheit wir denn unsere gemachte Beute mit dem Engels-mann redlich teileten, und zwar vermittelst des Looses, er aber war so freigebig, und gab uns beiden Brüdern noch zur schuldigen Danckbarkeit vor geleisteten Beistand von seinem Teile einem jeden 3. Pfund gediehen Gold, welches wir fast gezwungener Weise ihm zum geneigten Andencken dieser Begebenheit, annehmen mussten.

Schon bei Passirung der Linie war ich mit meinem Bruder in etwas uneinig worden, ob wir uns nach den Brasilischen Küsten zu schlagen wolten, oder nicht: da ich mir einbildete, einen näherern, sicherern und bequemern Weg nach der Insul Felsenburg gefunden zu haben. Weilen nun mein Bruder nicht leicht gewohnt war, mir zu wiedersprechen, zumahlen, da ich ihm im Vertrauen entdeckte, dass ich, wo es nur immer möglich wäre, aus gewissen Ursachen, das Cap. nicht gern mit unsern Schiffen berühren möchte, als liess er sich auch dieses gefallen, allein der Himmel mochte es vielleicht nicht also haben wollen, sondern der Engels-Mann muste uns, fast wider unsern Willen, zum Wegweiser auf die Insul St. Helena dienen; jedoch hatten wir eine unvergleichlich schöne, stille Fahrt, und erreichten bemeldte Insul recht, ehe wir uns derselben vermuteten. Der Engels-Mann rühmte unsere Tapfferkeit, die wir bei seinem Entsatz bezeigt, gegen seine Lands-Leute ganz ungemein, weswegen uns dieselben alle ersinnliche Ehre antaten; endlich aber, nachdem wir uns nur 4. Wochen auf der Insul St. Helena aufgehalten, unsere Schiffe aufs neue ergäntzt, und mit allen Bedürffnissen versorgt, seegelten wir ab, indem ich von nun an und von dar aus mich nunmehr wohl ganz allein nach Felsenburg zu finden getrauete, meines Bruders Haupt-Vergnügen war inmittelst dieses: dass uns der Himmel mit der Räuber ihrem Gute so reichlich gesegnet, da wir schon wieder ein vieles erworben von demjenigen, was wir auf der Insul St. Jago im Stiche gelassen hatten.

Wie ich nun eines Tages meinen Bruder wider seine bisherige Gewohnheit ganz unbetrübt und bei recht guter Laune antraf, so fragte ich ihn erstlich um seine Religions-Veränderung, welches er mir endlich gestunde; was die Heirat aber und vor sich selbst anbeträffe, hätte er geschworen, dass, wenn er lebte und gesund bliebe, er längstens binnen den 2. bestimmten Jahren wieder kommen wolte; sollte aber ich, als sein Bruder, nach völlig verrichteten Geschäfften ihn zeitiger missen können, so würde er keinen Augenblick vorbei streichen lassen, sich auf St. Jago einzustellen, indem er sich nun nicht mehr länger zu leben getrauete, bis die Heirat vollzogen wäre. Ich gratulirte ihm im Voraus dazu, und versprach alles anzuwenden, was mir nur immer möglich wäre, damit er nicht aufgehalten werden sollte.

Nach der Zeit, und zwar bis auf diese Stunde hieher, hat er sich ganz ausserordentlich dienstfertig gegen mich auf geführt, auch mich immer einer Mühe und Arbeit nach der andern überheben wollen, allein ich bedanckte mich dessfalls zum öfftern vor seine Höflichkeit und gute Meinung, die er vor mich hegte, anbei solle er nicht glauben, dass ich ein Freund der Bequemlichkeit und Feind der Arbeit wäre, hergegen beobachten, dass meine Leute, wenn sie sähen, dass ich selbst mit Hand anlegte, zehenmahl fleissiger wären, als wohl gewöhnlich, welches denn auch die klare Wahrheit war.

Mittlerweile seegelten wir auf dieser angenehmen Strasse, bei gutem Winde und Wetter, mit gröstem Vergnügen fort, und kan ich nicht sagen, dass uns eins oder das andere Verdrüssliche begegnete, ausgenommen die gräulich vielen Meer-Wunder und MeerTiere, welche uns dann und wann beunruhigen wolten, allein, da meine Leute nur ihren Spas und Spott darmit trieben, und viele derselben ertödteten, gab ich ihnen zu vernehmen, dass es mir eben nicht allzuwohl gefiele, wenn sie sich mit diesen unvernünfftigen Creaturen in einen Kampff einliessen, und ob ich schon nicht abergläubig wäre, so könnte ihnen dennoch versichern, dass mir und meinem Geleite zum öfftern, nach Kränckung dieser Dinger, das gröste Unheil wiederfahren, als dessen Propheten oder Wahrsager sie gemeiniglich zum Voraus wären. Demnach könnten sie zwar mit den See-Hunden, See-Löwen, See-Pferden, See-Kälbern und dergleichen mehr so umgehen, wie sie selber wolten, weil diese zum teil zur Speise dieneten, vor allen Dingen aber sollten sie sich hüten, ein Meer-Wunder zu touchiren, welches nur ein eintziges Merckmahl, entweder ganz menschlicher, oder wenigstens Affens-Gestalt, an sich hätte, als worauf, wie ich selbsten erfahren, zum öfftern üble Folgerungen entstanden wären. Wie nun unsere Leute vernahmen, dass ich keinen besonderen Wohlgefallen an dergleichen wasser-Jagd hatte, so stelleten sie dieselbe nach und nach ein, lieferten aber doch erstlich, nicht selten manchen schönen See-Löwen, See-Pferde, SeeHunde, See-Kälber und dergleichen.

Bald nach dieser Lust entstund eine andere, da wir bemerckten, dass die Nächte fast noch