, (denn der Gouverneur hatte uns reichlich mit Schiess-Pulver versorgt,) aus ihren Augen, weilen aber der Wind hinter uns herging, so höreten wir das Canoniren von der Citadelle bis in die späte Nacht.
Mein Bruder hielt sich in seinem Schiffe ganz stille, und gab vor, dass ihm die letztere kleine Debauchen mehr Unfug, ja fast eine würckliche Unpässlichkeit zugezogen, allein ich konte bald mercken, dass er am liebes-Fieber kranck läge, indem ihm die Abschieds-gedanken vielleicht nicht aus dem Kopffe heraus wolten; ob ich ihn nun schon zum öfftern besuchte, so wolte ihn doch keinesweges kräncken, sondern nahm mich unserer Sachen um so viel desto mehr, und als möglich war, ganz alleine an. Jedoch nach Verlauf weniger Tage hatten wir eben nicht ursache an die Liebe, sondern vielmehr an das Leben zu gedenckē, weilen ein hefftiger Sturm über uns kam, der jedoch nicht länger, als 3. Tage u. 2. Nächte währete. Ich kan nicht anders sagen, als dass sich unsere Leute recht heldenmässig gegen Sturm, Wind und Wetter setzten, und zwar vom grössten bis zum Kleinesten, weilen wir sie beständig zur Tapfferkeit anreitzeten, auser dem aber Speise und Tranck einem jeden gaben, wovon und wie viel er beliebte. Demnach spüreten wir zwar dass der hefftige Sturm sich legte, höreten aber auf etliche Meilen von uns ein starckes Canoniren in der See, welches von Morgen bis fast gegen Abend währete, und endlich, da wir schon mit anbrechendem Abend an Ort und Stelle dieses Streits kamen, erfuhren wir, dass ein Engelisches Kauffartei-Schiff von zweien See-Räubern genommen zu werden in gröster Gefahr stunde. Mein Bruder so wohl, als ich entschlossen uns bei so gestallten Sachen dem Engelländer, als unserm halben LandesManne und Religions-Verwandten bestmöglichst zu Hülffe zu kommen, in Betrachtung, dass es uns vor nicht allzulanger Zeit auch wohl gedeuchtet, da uns die Portugiesen gegen die Barbaren zu Hülffe gekommen waren. Demnach nahmen wir den Engelländer, welcher schon sehr beschädigt war, in die Mitte, und setzten dergestalt verzweiffelt gegen die See-Räuber an, dass das Spiel bald ein ander Ansehen gewann, denn unsere Leute feureten unvergleichlich und geschwinde, auser unsern wohl montirten kanonen aber taten die Feuer-Mörser das allerbeste bei der Sache, und machten die See-Räuber dergestalt bestürtzt, dass sie weder aus noch ein wusten, ja man merckte bald, dass sie es nicht gern zum Handgemenge wolten kommen lassen, im Gegenteil die Köpffe mit guter Manier aus der Schlinge zu ziehen suchten; Allein, das war unser Werck nicht, sondern es hiess damahls: Friss Vogel, oder stirb! und da auch einer von ihnen Mine wachen wolte, den Wind zu fassen, und das weiteste Ende zu suchen, wurde ihm bald vorgebeuget, mitin beide genötiget, sich in darauf folgender Nacht auf Gnade und Ungnade zu ergeben, denn es war ihnen, allem Ansehen nach, ferner unmöglich, unser Feuer auszustehen. Wir taten ihnen den Vorschlag, entweder mit uns nach dem Cap, oder nach der Insul St. Helena zu seegeln, allein es gefiel ihnen beides nicht, weilen sie so wohl an einem, als dem andern Orte sich einer scharffen Züchtigung befürchten mochten. Hergegen baten sie uns nur inständig, ihnen den Gefallen zu erweisen, und mit ihnen auf eine kleine unbewohnte Insul zu seegeln, die wenige Meilen von hier entfernet läge, daselbst wolten sie sich auf eine raisonable Art und Weise mit uns abfinden, und um weiter nichts höher bitten, als dass sie ihre Schiffe, kanonen und klein Gewehr behalten dürfften, ingleichen eine zulängliche Menge von Amunition. Was aber ihre Waa ren, Schätze und Baarschafften anbelangete, so wolten sie uns dieselben auf Treu und Glauben ausliefern, indem sie dergleichen Zeug in der Kürtze wieder erlangen könnten, wenn sie nur wohl beschifft und wohl bewehrt bleiben.
Mein Bruder wolte durchaus erstlich nicht daran, dass man den Christen-Feinden kanonen, Gewehr, Pulver und dergleichen zur Beschädigung unserer Mit-Christen lassen, sondern dieses alles lieber in den Abgrund versencken sollte; Allein, da die See-Räuber gar allzu sehr kläglich taten, über dieses uns auf ihre Art einen teuren Eid schwuren, an Gold, Silber und Waaren wenigstens des Werts vor 3. Millionen Taler auf unsere Schiffe zu liefern, um uns darein zu teilen, der Engels-Mann auch vor das allerratsamste hielte, nur immer zu nehmen, was wir von ihnen kriegen könnten, und dieses Schelmen-Pack lauffen zu lassen, indem sie ja doch nicht mehr im stand wären, uns zu beschädigen; so gab ich endlich meinen Willen auch darein, dass sie die kanonen, Gewehr, die Helffte der Ammunition, und dergleichen zum KriegsWesen gehörige Zeug behalten sollten, hergegen mussten sie uns gleich auf offenbarer See ausliefern, was sie uns, dem Werte nach, versprochen hatten, welches denn von ihnen ohne ferneres Murren geschahe, und mussten wir gestehen, dass sie in diesem Stücke redlich handelten, ja über das bestimmte Quantum noch eine und andere treffliche Sachen uns, so zu sagen, noch zum Geschencke anboten; allein, um ihnen zu zeigen, dass wir nicht so hungrig, wie sie, und nur je eher je lieber von ihnen hinweg zu kommen wünschten, liessen wir ein vieles zurücke in ihren Händen, das wir noch wohl hätten mitnehmen und gebrauchen können.
Ich glaube, die armen Räuber mochten wohl