wir beiderseits Eltern ungemein gern gesehen, wenn sie sich diesen oder jenen erwehlen wollen; Aber! sie bleibt bei einerlei Sprache, und sagt: was massen sie gesonnen, lieber in ein Kloster zu gehen, und eine Nonne zu werden, als einen Mann zu nehmen, der nicht allein vom gesicht und ganzen Wesen dergestalt beschaffen wäre, dass sie ihn vollkommen zu lieben sich anheischig machen könnte; Käme einer dergleichen vor ihrem 24sten Jahre, so möchte es gut sein; wo nicht? so wolte sie vielleicht noch vor ihrem 24sten sich im Kloster einkleiden lassen, denn das probe-Jahr hat sie schon ausgestanden, und ist nunmehr erst 22. Jahr alt.
Ich sehe, (fuhr der Gouverneur in seinen Reden zu mir fort,) dass ihr eure Farbe verwandelt, mein Herr! aber alles, was ich jetzt gesagt habe, ist die pur lautere Wahrheit, denn meine älteste Tochter hat ein vor allemahl den Schwur getan, dass, wenn es ihr misslingen sollte, den jüngsten kapitän Horn zum mann zu kriegen, sie Zeit Lebens mit keiner Manns-person mehr Umgang pflegen, vielweniger sich fernerweit um alle Manns-Personen in der Welt bekümmern wolte, denn dieses wäre eintzig und allein diejenige MannsPerson, welcher nicht nur in seinem gesicht, sondern auch in seiner ganzen Aufführung und Conduite alles an sich hätte, was sie bewegen könnte, ihn vollkommen, aufrichtig und getreu zu lieben. sollte es ihr aber bei diesem ihr vielleicht vom Himmel zugesendeten Liebsten dennoch misslingen, so wäre sie gänzlich entschlossen, ihr übriges Leben im Kloster zuzubringen, und keine 4. Wochen Bedenck-Zeit weiter desswegen zu nehmen. Nun, mein Herr und Bruder! was Rats, was sind eure gedanken bei diesen verwirrten Umständen? Was wird euer Hr. Bruder dazu sagen, wenn ihr ihm dieses erzählt, als warum ich inständig bitte, und solches als ein besonderes Zeichen der Freundschafft gegen mich und die Meinigen erkennen will, damit ich nur erfahre, was eure und seine gedanken bei dieser Sache sind. Signor! (gab ich ihm zur Antwort) meine eigene gedanken will ich Ihnen so fort in Vertraulichkeit eröffnen, und so viel sagen, dass meinem Bruder zwar ein Glück vorstünde, dessen er wegen seiner person nimmermehr würdig wäre; wo ich mich anders auf Dero Vortrag sicher zu verlassen weiss, stehen bei der ganzen Sache nicht mehr als zwo Haupt-Puncte im Wege: dass nämlich mein Bruder so wohl, als ich, vors erste kein gebohrner von Adel ist; vors andere, wird ihnen die Protestantische Religion, der wir ergeben sind, und diese letztere zu changiren dürffte bei meinem Bruder sehr schwer hergehen, weilen er keines wanckelmütigen, sondern ungemein beständigen Gemüts ist; vors dritte, so wird derselbe einzuwenden haben, dass er, als ein armer See-kapitän, mit seinem wenigen Vermögen viel zu unwürdig ist, eine solche hohe und mit allen Leibes- und Glücks-Gütern reichlich versehene Braut zu heben etc.
Ehe ich noch vollkommen ausgeredet hatte, klatschte der Gouverneur in die hände, sprang auf, und führte mich in dem Garten herum spazieren; Unter diesem währenden Spazieren-gehen redete er weiter also: Ich schwöre es euch, mein Bruder! bei Gott und allen Heiligen, als ein eifriger Christ, heilig zu, dass ich eure gedanken, Ausflüchte, Einwendungen und Entschuldigungen fast in meinen herzen zum Voraus erraten, unterdessen will ich euch so viel sagen, dass ich einen blossen See-kapitän in meinen Augen und herzen weit höher schätze, als die vornehmsten Grandes und andere Edel-Leute, die so wohl in Portugal, als Spanien, als auch anderer Orten anzutreffen sein mögen.
Was den zweiten Punct anbelanget, nämlich von wegen der Religion, so wäre es freilich besser getan, wenn euer Herr Bruder changirte, und die RömischCatolische Religion annähme, denn es dürffte schwer fallen, ihn wegen der Inquisition aller Orten Sicherheit zu verschaffen, jedoch halte ich vor ratsam, vorher an ihr Päbstl. Heiligkeit sich zu wenden, und ihm von Deroselben einen Frei-Brief wegen der Religion auszuwürcken, denn ihr sollet noch dieses wissen, dass ich das Gouverno auf dieser Insul mit ihm, als meinem Eidame, teilen, und ihm eine besondere Residenz, die er sich auf dieser oder jener, ihm selbstbeliebigen Insul erwählen mag, von mir aber eingeräumt und bestätigt erhalten und bekommen soll, und dieses alles mit Vergünstigung der Höhern, welche mir selbige schon längstens gegeben; aber meine Söhne werden wohl schwerlich lange bei mir bleiben, sondern ihr Brod anderer höheren Orten zu finden wissen.
Was nun den dritten Punct anbetrifft, so hat sich euer Herr Bruder ganz und gar um keinen BrautSchatz oder andere zeitlichen Güter zu bekümmern, denn mein gesammletes Gold und Silber dürffte nächst göttlicher Hülffe hinlänglich sein, mich und die Meinigen auf lange Jahre mit Gütern zu besorgen, und wenn meine Familie auch noch 10. mahl stärcker wäre, so würde sie doch nicht im stand sein, alles zu vertun, weilen ich nicht läugnen kan, dass ich eine ziemliche Menge Kostbarkeiten an unterirrdischen Orten stehen habe, die nicht leicht zu finden sind, jedoch ich gewöhne dieserwegen keines von meinen Kindern dahin, dass es auf Reichtum trotzen, hergegen fein ordentlich und Standesmässig leben soll. Besinnet euch wohl, meine Herrn und Brüder! ob es klug getan wäre, dergleichen Partie auszuschlagen, welche einem oder dem andern so bald wohl nicht wieder vorstossen möchte.
Nachdem nun der