1731_Schnabel_088_500.txt

brauchen. 9.) 48. Stück ziemlich grosse aus feinem Silber ge

triebene Schüsseln. 10.) 48. Stück aus feinem Silber getriebene Mittel

Schüsseln. 11.) 4. Dutzent silberne Teller. 12.) 4. Dutzent silberne Löffel. 13.) 4. Dutzent silberne Becher von verschiedener

Grösse. 14. 15.) 2. Uhrwercke und Compasse mit güldenen

Gehäusen, und stark mit Steinen besetzt, worin

zu oberst die Magnet-Nadel befindlich.

Auf einer dabei stehenden Neben-Taffel befanden sich noch verschiedene güldene und silberne Gefässe, und zwar alles gedoppelt, als nämlich Lavors, Comallerseits bewunderten. Nachdem wir uns aber satt daran gesehen hatten, er griff der Gouverneur die beiden Portugiesischen Capitains bei den Händen, und sagte zu ihnen: Sehet hier, meine werten und lieben Brüder! das soll das geringe Geschencke sein, welches ihr von mir auf die Reise empfanget, verschmähet dasselbe nicht, sondern teilet euch brüderlich darein, und gedenckt meiner und der Meinigen im Besten, so offt ihr auch das gerinste Stücklein darvon braucht.

Die Capitains erschracken darüber, und wolten sich durchaus nicht entschliessen, auch das geringste davon anzunehmen, sondern brachten unzähliche Entschuldigungen vor, die sie verhinderten, an einem solchen über königlichem Geschencke einigen teil zu nehmen; Allein der Gouverneur sagte, indem er sie hertzlich küssete: Meine Brüder! macht kein Wunder, und verschmähet mich nicht, sonsten werde ich auch so trotzig werden, als ihr euch ausgabet, da wir zu erst zusammen gekommen sind, und da ihr mich dergestalt reichlich beschenckt habt, ist das Meinige eine kleine Kleinigkeit dargegen zu rechnen.

Indem fassete er die beiden Portugiesen bei den Händen, und sagte: Seid so gütig, mir zu folgen, meine Brüder! um zu sehen, was mein Frauenzimmer vor euch zu rechte gelegt hat, und zwar in diesem besonderen Zimmer; Da er aber mich und meinen Bruder auch anfassete, um zu sehen, was passirte, so traffen wir in dem Neben-Zimmer einen erstaunlichen Kram von allerlei Arten weisser Wäsche an. Nächst diesen zwei kostbare, damastene, mit Golde bordirte SchlafRöcke und andere Nacht-Kleider. In Summa, wir hatten allerseits Ursache, über die Menge der kostbarn Wäsche so wohl, als über die andern Sachen zu erstaunen.

Demnach stelleten sich die beiden Portugiesen gedoppelt beschämt, beklagten sich auch darüber so wohl bei dem Gouverneur, als bei dessen Frauenzimmer in recht wehmütigen Geberden und Stellungen, welcher erstere, nämlich der Gouverneur, denn zu beiden sagte: So wahr ich lebe, meine Lieben! so lange als ihr hier bei mir gewesen seid, habe ich keine unvergnügte Stunde, geschweige denn einen unvergnügten Tag gehabt, als nunmehr diese Stunde, da wir Abschied von einander nehmen müssen. Wolte GOtt! wir hätten Zeit-Lebens beisammen bleiben können, da aber dieses eine unmögliche Sache, so kränckt mir und den Meinigen in der Seele nichts mehr, als dass ihr so eigensinnig oder hochmütig sein wollet, die geringen Gegen-Geschencke gegen die eurigen, welche weit reichlicher gewesen, als die unserigen, von uns anzunehmen. Die nun die Portugiesen erweisslich machten, dass Dero Geschencke allzu kostbar, und zwar von beiden Seiten, gegen das wenige, was sie von uns empfangen hätten, ohne die allzu vielen Gefälligkeiten und Gnaden-Bezeugungen zu rechnen, die wir von Tage zu Tage von Ihnen genossen; so fing der Gouverneur endlich also zu reden an: Meine lieben Brüder! Gold und Silber habe ich im Uberflusse, so wohl als die Meinigen, die wenig Wäsch- und Kleidungs-Stücke herbei gebracht haben. Wir bitten demnach alle aus einem mund, uns nicht zu verschmähen, sondern dieses wenige zum geneigten Andencken, nicht aber als ein Geschenck anzunehmen, wiedrigenfalls will in eurer aller Gegenwart einen teuren Schwur tun, dass alle die Sachen noch vor eurer Abfahrt in die See geworffen werden sollen, und zwar, wo dieselbe am tieffsten ist.

Der Streit währete noch eine ziemliche Zeitlang, endlich aber, nachdem der Gouverneur, seine Gemahlin, Töchter und Söhne die Portugiesen nochmahls alle zärtlich umarmet und geküsset, gaben sich diese überwunden, und gewiss, das Abschied-nehmen kam allen so bitter an, dass die meisten, eins wie das andere, die heissen Tränen fallen liessen.

Folgendes Tages in aller Frühe liess der Gouverneur alle verschenckten Sachen auf der Portugiesen Schiffe schaffen, und zwar durch seine eigenen getreusten Leute, denen wir alle, nach eingenommenem Frühstück, in Chaisen auf dem fuss nachfolgten, und auf den Schiffen ankamen, wo die Portugiesen sich ungemein erfreueten, dass sie einen günstigen Wind fanden, mitin sich in möglichster Eile vollends einschifften, und nach nochmahligem genommenen zärtlichen Abschiede und Valet-Truncke am Strande ihre Ancker lichteten, die Seegel aufzogen, und unter einem entsetzlichen Donnern der kanonen so wohl von ihren, als unsern Schiffen, ingleichen von der Citadelle, als und darvon fuhren. Der Gouverneur blieb mit den Seinigen so lange am Strande stehen, und winckte beständig mit dem hut, bis sie uns aus den Augen verschwanden, worauf wir insgesamt zurück auf die Burg fuhren, indem er uns durchaus nicht aus den Augen wolte kommen lassen.

Als wir auf der Burg angelanget, sagte er zu uns beiden Brüdern: Nun, meine wertesten Brüder! ihr werdet von der Güte sein, und die euch angewiesenen Zimmer beziehen, als dergleichen keine bessern in meinem haus anzutreffen sind, auch alles kühnlich fordern, was zu