, denn sie setzten uns die aller delicatesten speisen vor. Fleisch-speisen, Fischwerck und Geflügel von vielerlei Art war alles im Uberfluss da, ingleichen an Gebackenes, Confituren und dergleichen spürete man keinen Mangel, absonderlich war die öfftere Veränderung der speisen zu bewundern, als welches Kunststück wir bei ihnen nicht gesucht hätten. Hierbei war der beste Canarien-Sect unter vielen andern köstlichen Weinen das vornehmste Geträncke, in welchem die Gesundheiten unter Trompeten und Paucken-Schall häuffig getruncken wurden.
Der Schmauss währete bis zum Untergang der Sonnen, ja fast bis zu einbrechender Nacht, da denn der Gouverneur, alles fernern hefftigen Nötigens ungeachtet, Aufbruch machte, und seine Dancksagung bei den Portugiesischen Capitains abstattete, anbei dieselben inständig ersuchte, sich folgenden Morgens, so früh als es nur immer möglich sein könnte, auf seiner Burg ein zufinden, weilen er gesonnen wäre, auch noch ein kleines Valet-Schmäussgen zu geben.
Es wolten zwar die Portugiesen hierein erstlich ganz und gar nicht willigen, sondern sperreten sich hefftig dargegen, allein da der Gouverneur sagte, wie er sie Zeit seines Lebens nicht vor rechtschaffene brave Leute erkennete, daferne sie ihm diese letzte Bitte nicht gewähreten, indem es ja nicht nur vom Ceremoniel erfordert würde, erstlich nochmahls auf seiner Burg einzusprechen, und Abschied zu nehmen, nachher aber auf ihren Schiffen den Valet-Becher zu trincken, denn er versicherte ihnen hoch und teuer, dass er, weilen sie doch so gar allzusehr eileten, nicht länger, als den morgenden Tag aufhalten, des folgenden Tages aber ihrer Abfahrt mit betrübten Augen nachsehen wolte, so lange bis sie ihm aus den Augen verschwänden. Uber alles dieses hätte er noch vieles in Geheim mit ihnen zu reden, welches der Portugiesischen Nation und auch dem Gouverneur selbst zu ganz besonderm Nutzen und Vorteil gereichen könnte. Wie nun die Portugiesen dieses vernahmen, versprachen sie ihm auf redliche Parole, dass sie folgenden Morgens mit den allerfrühsten auf der Burg sich einfinden wolten. Demnach reisete der Gouverneur nebst allen den Seinigen nach seiner Burg zu, und wir beiden Brüder wurden von dem Gouverneur und den Seinigen fast forcirt, auch mit dahin zu gehen.
Es war also schon um die Zeit des Aufgangs der Sonnen, als wir die Burg erreichten, immittelst wurde von beiden Seiten noch immer beständig scharf canonirt, jedoch wir legten uns alle auf einige Stunden zur Ruhe. Die Portugiesen hielten ihr Wort redlich, und stelleten sich bei früher tages-Zeit bei uns ein, da denn nicht lange hernach auf der Burg alles munter und wach wurde, demnach mochten wir auf der Burg wohl ein gut Stück länger geschlaffen haben, als die Herren Portugiesen.
Dieses Tages liess der Gouverneur in Wahrheit abermals ein recht fürstlich Tractament zurichten: Denn die Taffeln waren dergestalt mit den allerbesten Sorten von leckerhafften speisen besetzt, dass man immer vermeinen sollen, es würden dieselben brechen. Von Wein und andern Geträncke verschiedener Sorten war ein solcher Uberfluss zu sehen, so dass es das Ansehen gewann, als ob sich die Gefässe immer von sich selbsten wieder voll fülleten.
Bei allen dem sassen wir in die 4. bis 5. Stunden an der Taffel, jedoch mehr beweglichen Machinen, als Menschen ähnlich, indem von den allzuhäuffigen Speise-Gerichten die wenigsten etwas rechts geniessen konnten, zumahlen, da uns allen noch die Portugiesische gestrige Mahlzeit noch in dem leib stack. Demnach wurde mehr getruncken, als gespeiset, denn es verfolgte immer ein Pocal den andern, und zwar unter Trompeten und Paucken-Schall, auch Lösung der kanonen, so wohl von der Burg, als von unsern Schiffen. Wie nun dieses gegen des Gouverneurs Wort lief, dass wir nämlich das Pulver schonen wolten; so sagte derselbe; Ei was! Schade vor das Pulver, meine Brüder! ich habe nicht allein in den Magazins dessen im Uberflusse, sondern kan auch einen Tag und alle Tage mehr Pulver mahlen lassen. einmal vor allemahl, heute wollen und müssen wir einmal noch frölich und lustig beisammen sein, weil wir nicht wissen, ob wir einandern so bald, oder wohl gar nicht wieder sehen möchten, denn ich bin ein alter Mann, der dem tod stark entgegen gehet.
Wir alle wünschten dem ehrlichen mann ein noch langes und vergnügtes Leben, weilen er Alters halber noch viele Jahre leben könnte. Er schien über unsere Wünsche vergnügt zu sein, nach aufgehabener Tafel aber gab er den Portugiesischen Capitains, wie auch mir und meinem Bruder einen Winck, ihm in ein Ober-Zimmer zu folgen. Mitten in diesem tappezirten Zimmer stunde eine lange Taffel, die mit einer roten Sammet-Decke beleget war, welche Decke der Gouverneur durch 2. Pagen abnehmen liess, worauf sich unsern Augen folgendes præsentirte: 1.) 2. saubere Degen, deren Gefässe so wohl, als die
Schnallen am Gehencke, häuffig mit Brillanten und
andern Edel-Gesteinen besetzt waren. 2.) 2. vortrefflich schöne Spanische-Röhre, deren
Gesteinen besetzt waren. 3.) 24. Stück grosse güldene Taffel-Schüsseln. 4.) 24. Stück etwas kleinere oder Mittel-Schüsseln,
die ebenfalls von Golde getrieben waren. 5.) 4. Dutzent goldene Teller. 6.) 4. Dutzent goldene ordinaire Löffel. 7.) 2. ziemlich grosse güldene Pocale, die da sehr
stark mit Brillanten und andern edlen Steinen be
setzt waren. 8.) 2. Dutzent goldene Becher von verschiedener Grö
sse, welche sehr bequemlich beim speisen zu ge