worauf ein jeder, nach gewechselten Complimenten zur guten Nacht, seine Ruhe-Stätte suchte.
Des folgenden Tages, da Kirch-Tag war, fanden wir uns alle, wie wir gestern versammlet gewesen waren, in des Regentens Zimmer ein, und truncken mit ihm nicht nur den Tée, sondern auch ein jeder nach seinem Belieben, ein oder mehr Gläser FrantzBrandtewein, bis die Cartaune abgefeuret, und die Glocken zum Kirchengehen die Einladung taten. Das Volck versammlete sich häuffig in der Kirche, weswegen wir uns auch nicht versäumeten, unsere Stellen zu begleiten. Herr Mag. Schmeltzer Jun. tat eine schöne Wochen-Predigt, und zu Ende derselben fügte er der Christl. Gemeinde folgendes zu wissen:
"Demnach der allmächtige und barmhertzige
GOtt unsern lieben Freund und Bruder, Hrn. Capi
tain Philipp Wilhelm Horn, nebst seinem Geleite,
nach einer überstandenen gefährlichen und be
schwerlichen Reise glücklich und vergnügt, zu un
serer aller, allergrösten Freude, auf diese unsere
liebe Insul zurück geführt; Als erfordert unsere
Pflicht und Schuldigkeit, dem Allmächtigen vor die
ganz besondere Wohltat, die er uns abermals
hiermit erzeigt, auch einen ganz besonderen Danck
abzustatten. Wie nun unsere Obern und die Geistli
chen beschlossen haben dieserwegen ein solennes
Danck-fest auf nechst-künfftigen Sonntag anzu
stellen; als wird Ew. Christlichen Liebe und Ge
meinden solches zum Voraus von der Cantzel hier
mit öffentlich verkündiget, damit sie sich darnach
achten, und zu rechter Zeit, wiewohl vor dissmahl
Stück-Schüssen und Läutung der Glocken, in dem
GOttes-haus einfinden wollen. Mit Proviant sich
zu belästigen, hat niemand nötig, indem unser
guter Regente und Vater so wohl, als die andern
Obern schon Anstallten gemacht haben, auf diesen
Tag alle Einwohner der Insul notdürfftig zu spei
sen und zu träncken. Wir sind, meine Lieben! un
serm GOtte einen ganz ausserordentlichen Danck
schuldig vor seine unschätzbare Gnade, die er die
ser Insul abermals wiederfahren und geniessen
lässt, zumahlen, da er uns vor weniger Zeit in
Furcht und Schrecken gesetzet hat. Da wir nun
sehen, meine Lieben, dass GOtt nicht immer oder
ewiglich zürnet, sondern sein Wort hält, ja, da wir
erfahren haben, dass sein Zorn nur eine kleine
Weile über uns gewähret hat, so lasset uns mit de
mütigen und danckbaren herzen ingesamt vor
ihn treten. GOtt bereite unser aller herzen zur ihm
gefälligen Andacht, durch die Krafft des heiligen
Geistes, in unsers HErrn und Heilandes JEsu Chri
sti Nahmen, Amen!"
Als der Gottesdienst in der Kirche zum Ende war, und wir auf dem grünen platz etwas stille stunden, wobei der kapitän Horn der vorderste war, hätte man sein blaues Wunder sehen sollen, wie unsere Leute, alt und jung, ja Kinder, die kaum 2. bis 3. Jahr küsseten ihm Stirne, Backen und Mund, und wenn die jüngern und kleinern Kinder sahen, dass sie nicht an ihn hinauf reichen konnten, so küsseten sie ihm die hände, auch so gar die Kleider, welches Ceremoniel ihnen kein Mensch auf der Welt gezeiget und vorgemacht hatte, sondern sie tatens aus unschuldiger einfältiger Liebe.
Dieses währete, bis wir zur Taffel geruffen wurden, nach deren Abtragung kapitän Horn seine Reise-Erzählung folgender massen fortsetzte:
Meine Herrn, auch allerwerteste Brüder,
gönner und Freunde!
Ich habe gestern, wo mir recht ist, in dem Periodo abgebrochen, was massen wir von dem Gouverneur der grünen Insuln, der seine Residenz und eine wichtige Festung auf einer Insul, S. Jago genannt, hatte, so herrlich tractiret worden; Die andern grünen Insuln hatte er fast rings umher um diese seine Residenz-Insul liegen. Es waren importante Insuln in selbiger Gegend, auf welchen die gütige natur alles hervorbrachte und darreichte, was der Mensch nur immer verlangen konte. Ehe ich aber weiter gehe, so muss melden, dass die Herren Portugiesen des kostbaren Tractaments überdrüssig wurden, und mit aller Gewalt zu ihrer Abseegelung Anstalt machten.
Der Gouverneur bat sie zwar sehr, noch eine Zeitlang bei ihm zu verharren, allein, sie vermassen sich hoch und teuer, dass es ihnen ohnmöglich, ja höchst gefährlich wäre, länger zu bleiben, demnach erlaubte endlich der Gouverneur, dass sie mit nächstem favorablen Winde in GOttes Nahmen abfahren möchten.
Dieses geschahe also, nachdem sie 2. Monate und etliche Tage geschmauset hatten.
Als es sich nun zu einem günstigen Winde vor sie anliess, machten sie sich an den Gouverneur, und sprachen: Dass nunmehr ihres Bleibens nicht länger, als etwa 3. Tage noch sei, baten zugleich den Gouverneur, seine Familie und Officiers, auch uns beiden Brüder zum Valet-Schmause, auf das gröste von ihren Schiffen. Der Gouverneur, welcher kein KostVerächter war, bestimmte also von heute an den 3ten Tag, da er denn mit allen den Seinigen auf ihren Schiffen erscheinen wolte.
Wie nun der 3te Tag eintrat, traten auch wir sämt lich gebetenen Gäste in dem grössten Portugiesischen Schiffe ein; Jedoch muss zu melden nicht vergessen, dass, so bald sie uns ankommen sahen, alle kanonen so wohl von den unserigen, als den Portugiesischen Schiffen gelöset wurden, denn sie hatten uns freundlich darum ansprechen lassen, unsere kanonen zu ihrem Dienste nochmahls zum Valet mit zu gebrauchen; wolten auch das Pulver dazu hergeben, allein wir waren viel zu grossmütig bei dieser Kleinigkeit, indem wir Uberfluss an Pulver hatten.
Ich muss den Portugiesen nachsagen, dass sie uns sehr propre tractirten