Excell. werden einiger massen an mir abgemercket haben, dass ich ein Ertz-Pulver-Verderber bin, doch will gehorsamst gebeten haben, von nun an des edlen Pulvers einiger massen zu verschonen, indem ich, wenn wir ja noch etliche Tage oder Wochen beisammen bleiben sollten, mit Dero gnädigen erlaubnis noch ein oder ein Paar bessere Feuerwerkker, als die letzteren gewesen, zu præsentiren gesonnen bin.
Wohl gut, mein Bruder! (sagte der Gouverneur) es soll von heute an das Pulver menagirt werden, weilen mir selbsten deucht, dass der Freuden-Becher unter Musique, Trompeten und Paucken-Schall eben so gut schmeckt, als unter dem Donner der kanonen.
Wir gingen demnach zur Taffel, die sehr köstlich zubereitet war, da denn beim Gesundheit-Trincken kein eintziger kanonen-Schuss gehöret wurde, als Abends, wenn die Sonne unterging, da denn 3. kanonen von der Citadelle abgebrannt, und von unsern Schiffen mit eben so vielen geantwortet wurde.
Bis gegen Mitternacht wurde noch mancher schöner Pocal und Becher unter Trompeten und PauckenSchall, auch anderer instrumental Musique ausgeleeret, weil der Gouverneur und die Seinigen sich alle ungemein lustig bezeigeten, auch wir unserer Seits keine Schlaf-Mützen repræsentirten. Endlich ward Schicht gemacht, und wir beiden Brüder bezogen wieder unser vormahliges Zimmer.
Hernachmahls ging alles ganz ordentlich, jedoch mit täglicher Veränderung der Lustbarkeiten zu, denn einen Tag gingen wir auf die Jagd, den andern auf die Fischerei, den dritten schossen wir einen grossen höltzernen Vogel von der aufgerichteten Vogel-Stange herunter, den vierdten Tag schossen wir mit Büchsen, Flinten, auch teils mit Pistolen nach den aufgesetzten Scheiben, den fünfften sahen wir aus den Fenstern dem Kampff der wilden Tiere unter einander zu, den sechsten fuhren wir Abends in den kleinen Lust-Schiffen auf der See herum, dabei mein Bruder doch sein Wort nicht hielte, und das Pulver sparete, indem er immer nach einander eine ziemliche Menge Raqueten steigen, auch eine Anzahl kleinere Schwärmer aus den Händen werffen, oder aus Pistolen und Flinten in die Lufft schiessen liess, den siebenden Tag fuhren oder ritten wir aufs Land, und besahen bald diesen bald jenen Mayerhof, wo wir allezeit herrlich tractiret wurden, den achten Tag war Ball und Masquerade, den neundten Tag wurde uns eine Comœdie von den Studenten und Gymnasiasten vorgestellet, die wir Fremden allezeit reichlich beschenckten. kurz: Es fället mir fast unmöglich, alle Veränderungen der Lustbarkeiten zu beschreiben, und es wurde kein eintziger Tag ausgesetzt, da nicht eine neue Lust gemacht wurde, ausgenommen, die Sonnund fest-Tage, an welchen alles sehr devot und andächtig zuging, und ungeachtet wir Protestanten zu sein gar nicht läugneten, so gefiel doch dem Gouverneur und seiner Familie, dass wir und unsere Officiers ihre Kirche fleissig besuchten, aber jedennoch, wie devot wir uns auch anstelleten, niemals eine Ceremonie mitmachten, die unserer protestantischen Religion zuwider war, und wir verspüreten nicht, dass ihnen diese oder jene Nachlässigkeit verdross, sondern sie liessen uns in Glaubens-Sachen immer zu frieden, und disputirten davon wenig oder gar nichts.
Unsere subalternen Officiers löseten einander alle Tage ordentlich ab, so, dass sie einen Tag bei uns und bei der Lust mit waren, am andern Tage aber das Cammando auf den Schiffen führeten, welche mehrenteils alle 3. oder 4. Tage von mir oder meinem Bruder Wechselsweise visitirt wurden, um die Liebe unseres Volcks gegen uns zu erhalten.
Allein, meine Herren (sagte hier der kapitän Horn weiter zu uns Felsenburgern) ich bemercke, dass ich in der ersten Hitze eine allzu lange Oration, oder Berichts-Erstattung meiner Anhero-Reise Ihnen abgeleget. Mir ist die Zeit darbei nicht lang worden, und bin auch des Redens wegen nicht so müde, als sie vielleicht des Zuhörens sind; doch, da ich sehe, dass die Demmerung herein tritt, will mit Dero gütigen erlaubnis vorjetzo in meiner Erzählung Abbruch tun, und das übrige bis Morgen versparen. Der Regente und alle Anwesenden, sonderl. ich, hätten ihm noch gern eine oder etliche Stunden zugehöret, und lieber die Abend-Mahlzeit entbehren wollen; allein es wäre wider alle Billigkeit gewesen, ihm noch ein mehreres Reden zu zumuten. deswegen sagte der Regente: Mein Sohn Horn! Ihr habt euch, ungeachtet ihr gesessen, dennoch mit Reden eine schwerere Arbeit verrichtet, als mancher Holtzhauer, deswegen lasset uns ein wenig speisen, und nach gehaltener Abend-BetStunde zur Ruhe begeben, mit der Verabredung, dass wir Morgen G.G. in den Früh-Stunden beim Tée einander so, wie wir hier versammlet sind, wieder sehen, und die Fortsetzung eurer Reise-Geschicht anhören wollen. Vorjetzo nehmet auf heute mit einem mündlichen Dancke von mir vorlieb, bis auf weitern Bescheid.
Demnach wurde die Taffel angerichtet, bei welcher alles ganz stille zuging, ausgenommen, dass die Herrn Musicanten eine douçe Taffel-Musique machten, und damit wohl noch eine gute Stunde nach abgehabener Taffel fortfuhren, bis endlich, nachdem wir noch etwa eine halbe Stunde auf dem grünen platz bei schöner Witterung und hellem Monden-Schein uns eine Bewegung gemacht, damit sich das Essen setzen möchte, wobei die Musicanten auf dem Berge mit einer angenehmen Abend-Musique sich beständig hören liessen, das Signal zur Bet-Stunde durch einen Cartaunen-Schuss gegeben wurde. Wir versamleten uns also insgesamt auf dem grossen Saal vor des Re gentens Zimmer, und warteten daselbst die AbendAndacht ab,