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selbiges nicht mit guter gelegenheit nachzuschicken.

Madame! (gab ich zur Antwort) ich verhoffe sie mit den Ihrigen, so GOTT will, glücklich auf das Cap. zu bringen, da sie denn ihre Messures weiter nach Belieben nehmen können. Sie haben sich bei mir einer franck und freien Fahrt zu getrösten, nur bitte mit der schiffes-Kost und Commoditée, so gut ich dieselbe nur immer besorgen kan, gütigst vorlieb zu nehmen. Auch soll ihnen das kleine Geschenck an Gelde und Meubles angedeihen, welches so wohl die Herren Portugiesen, als wir, den in Freiheit gesetzten Christen von uns noch vor unserer Abfahrt zu gewarten haben. Mittlerweile ist ihnen erlaubt, sich von den besten Tüchern, Zeugen von allerlei Sorten, auch Leinewand und andern Sachen, so sie bedürffen, nach eigenem Belieben zur Kleidung auszulesen und zu behalten.

Die Dame winckte den Ihrigen, welche bei sie traten, und uns ihre Danckbarkeit mit den höflichsten Complimenten und weinenden Augen abstatteten.

Ihr Sohn war ein wohlgewachsener artiger Mensch von etwa 21. Jahren, der etwas in literis, sonderlich aber in der Matesi getan hatte, deswegen liess ich mich nicht lange bitten, ihn mit zu nehmen.

Hierauf stelleten sich die übrigen Freigelassenen Christen-Sclaven en front, die meisten unter ihnen sehneten sich nach Europa. Wir examinirten in aller Kürtze einen jeden, was vor ein Lands-Mann, von was vor Profession, und was sonsten sein Stand und Wesen wäre? Da sich denn befand, dass sich

1) Ein Gürtler-Meister,

2) Ein Buchdrucker-Gesell,

3) Ein Pulver-Müller,

4) Ein Salpeter-Sieder,

5) Ein Büchsen-Macher unter ihnen an

gaben, als welche von selbsten austraten, und uns inständig baten, sie auf den Cours nach Ost-Indien mitzunehmen, und wenigstens aufs Cap. zu bringen, weilen sie noch keine Lust hätten, so bald nach ihren Vater-Ländern zurück zu kehren, sondern sich noch etwas versuchen wolten.

Mir kam dieses recht a propos, deswegen sagte ich ihnen, dass sie ihre Equipage in Ordnung bringen, und sich parat halten sollten, nächsten tages mit uns ab zu seegeln, immittelst möchten sie sich von dem Mittel-Tuche, Leder zu Hosen, Leinewand und allen dem, was zu Ausstafirung ihrer Kleidung von nöten, nach Belieben und nach Notdurfft auslesen, das versprochene Geld und Geschenck aber vor unserer Abreise ebenfalls richtig gezahlt bekommen.

Wer war erfreuter, als diese Europæische MannsPersonen? Jedoch das Vergnügen des Frauenzimmers erzeigte sich dennoch weit grösser, welche sehr bittlich ersuchten, je eher je lieber sorge zu tragen, dass wir zu Schiffe gingen.

Wir sprachen allen und jeden, die mit uns fahren wolten, freundlich und tröstlich zu, liessen sie auch mit den besten speisen und Wein alltäglich tractiren. Demnach behielten die Hn. Portugiesen nur noch 27. gefangen gewesene Christen-Sclaven, welche sie auf ihr redliches Wort, jedoch nicht weiter, als bis in den ersten Portugiesischen Hafen zu schaffen nochmahls teuer versicherten.

Folgenden Morgens taten wir die Reise nach der Citadelle zum Gouverneur, und nahmen meinen Lieutenant, wie auch meines Bruders Fähndrich mit uns, weilen diese beiden redlichen Officiers bis hieher noch das wenigste von unsern gehabten Lustbarkeiten genossen hatten. Das Commando über unsere beiden Schiffe überliessen wir immittelst meines Bruders neu angenommenen Lieutenante und meinem Fähndriche, und in Hoffnung, dass, da sie beide, uns getreue Unter-Officiers und Leute unter sich hatten, reiseten wir ohne besondere sorge mit Plaisir fort, bestelleten aber, dass uns so wohl bei tages als NachtZeit wenigstens alle 4. Stunden, von allem, was so wohl auf den Schiffen, als sonsten veränderliches passirte, der allergenauste Rapport durch 1. UnterOfficier und 2. Mann abgestattet werden sollte.

Wir gelangeten noch 2. Stunden vor Taffels-Zeit bei dem Gouverneur an, mit dem und dessen Familie wir vorher ein freundliches gespräche hielten, in welchem der Gouverneur vorbrachte, was massen er doch hoffen wolte, uns gestern abgeredter massen noch etliche Monate bei ihm zu sehen; Allein die Portugiesischen Capitains deprecirten solches, und brachten allzu trifftige Ursachen hervor, weswegen sie sich vor dissmahl nicht länger aufhalten könnten, weilen ihr gröster Schimpff und Schaden darunter versirte, wenn sie über die Gebühr aussen blieben, und nicht nach ihrem land trachteten. Also liess sich der Gouverneur endlich bewegen, und erlaubte ihnen auf ihr inständiges Bitten, mit nächsten favorablen Winde abzuseegeln. Mit euch aber, meine Brüder! (sprach er zu mir und meinem Bruder,) darf es so eilig nicht zugehen, denn allem Ansehen nach, braucht ihr noch einige Wochen Zeit, eure sehr zerlästerten Schiffe auszuflicken, wo ihr anders keine gefährliche Fahrt haben wollet.

Wir beiden gaben zur Antwort, dass unsere Leute ihre hände keinesweges in die Ficke stecken, noch auf der faulen Banck liegen sollten, sondern wir hofften mit den Herren Portugiesen, wo nicht zugleich seegelfertig zu sein, doch ihnen aufs eiligste nach zu folgen, und zwar auf unserer Strasse, weil wir zweierlei Wege vor uns hätten. Es wird sich schon geben, (sagte der Gouverneur im Schertze) Wind und Wetter wird mir dissmahl schon gehorchen, denn ich gebe mich halb und halb vor einen Wettermacher aus, mittlerweile wollen wir noch eine Zeitlang lustig mit einander leben, auch weder speisen, Geträncke, Musique, noch Pulver verschonen.

Bei diesen Worten meldete sich mein Bruder, und sagte: Ew.