auf Dero Citadelle bringen zu lassen, da wir denn Morgen, oder Ubermorgen fernere Abrede unter einander nehmen wolten. Mittlerweile gab ich das Zeichen, dass erstlich des Gouverneurs auf dem platz stehende 4. kanonen abgefeuert, und die Trompeter und Paucker uns zu den Taffeln ruffen sollten.
Von unsern Schiffen wurden also 50. kanonen gelöset, worauf die von der Citadelle antworteten. Der Gouverneur, da er die Taffel-Zelter ansahe, und erblickte, dass alles schon zum speisen parat war, sagte: "Meine Brüder! eure Complaisance erstreckt sich gar zu weit, es begiñet dunckel zu werden, deswegen will ich mich mit den Meinigen nach haus verfügen, in Erwartung der Ehre, euch Morgen um Mittags-Zeit bei mir zu sehen"; Jedoch auf unablässiges Bitten liess er sich dennoch aufhalten, und setzte sich so wohl, als alle anderen zur Taffel, bei welcher wir abermals lucker lebten, und unsern eigenen güldenen und silbernen Pocals und Bechern wenig Ruhe liessen, indem wir bemerckten, dass der Gouverneur nichts lieber tranck, als Canari-Sect, dessen wir ihm und allen den Seinigen genugsam vorsetzen konnten, weil wir so viele Fässer von den Barbaren erbeutet hatten. Alle seine Officiers und Cavaliers schlugen nicht schlimm bei, sondern waren, so zu sagen, rechte Helden im Sauffen.
Wie nun unter beständigen Donnern der kanonen und Musqueten, auch unaufhörlicher Feld-Musique, endlich die recht dunckele Nacht herein brach, so hatte mein Bruder schon Anstallten gemacht, dass an der Rhede und auf dem schönen grünen platz, mehr als 4000. Pech-fackeln und Schiff-Laternen angezündet wurden, welche er dergestalt artig rangirt, dass sie eine Ansehens-würdige Illumination machten. Der Gouverneur und alle Anwesende bezeigten ihr Vergnügen darüber, und bald hernach kam mein Bruder selbst, bat unsere sämtlichen Gäste, mit ihm an den Strand zu spazieren, um auf der See ein kleines Feuerwerck anzünden zu sehen. Demnach, und da wir ohnedem schon völlig abgespeiset, folgten ihm der Gouverneur und wir andern alle, bis auf den letzten Mann.
Es ist wahr, mein Bruder, mein Lieutenant und viele von unsern Leuten, die sehr gute Feuerwercker waren, hatten sich Tag und Nacht viel Mühe gemacht, ein Feuerwerck in der Geschwindigkeit zum stand zu bringen, welches Sehenswürdig war.
Also wurden erstlich von den Schiffen 50. kanonen gelöset, und 6. Bomben aus den Feuer-Mörsern weit in die See hinaus gespielet. Hernach liess mein Bruder 6. kleine Bootchens in die See lauffen, auf deren jeden einem des Gouverneurs, dessen Gemahlin, Töchter und Söhne Nahmen, den InitialBuchstaben nach, Wechselsweise in rot und blauen Feuer, über einem Feuer-Rade brannten, welches beständig herum lief. Anbei bemerckte ich die Schalkkhafftigkeit meines Bruders, da er seiner Amasia Nahmen im grünen Feuer brennen liess, auch das Feuer-Rad zu unterst mit grünem Feuer vorstellete, welches immer einen Schwärmer nach dem andern von sich warff. Es war dieses in Wahrheit fast ein rechtes Kunststück zu nennen, sonderlich wegen des grünen Feuers, welches den Gouverneur und alle dermassen ergötzte, dass sie bekannten, Zeitlebens dergleichen nicht gesehen zu haben. Indem nun diese brennenden Nahmen sehr lustig anzusehen, in der See durch einander herlieffen, liess mein Bruder ein grösser Boot in die See gehen, worauf unter einer grossen Crone, die im Goldgelben Feuer brannte, die Buchstaben VIVANT im Leibfarbenen F e u e r sich præsentirten; Unten aber im Boote brannte ein sehr grosses Feuer-Rad im grünen. Hierbei wurden mehr als 300. Raqueten gegen Himmel gespielet, ohne die vielen Schwärmer, so aus den Händen geworffen wurden, und dabei Wechselsweise 100. kanonen auf den Schiffen gelöset, auch gab die Musqueterie zu dreien mahlen Salve, worauf die von der Citadelle antworteten, wir konnten aber vor der Feld-Musique das Schiessen nur in etwas hören. Dieser Lust folgte eine andere, indem mein Bruder unterschiedliche Sorten von Feuerwerckers-Possen, (als wovon ich eben vor meine person kein grosser Liebhaber bin) noch in die See spielen liess, als Feuerspeiende Drachen, FischMachinen, Feuer-Schlangen, wasser-Kegel, Lust-Kugeln und dergleichen, welches alles von den Zuschauern besonders bewundert wurde, ungeachtet ich mir, wie schon gesagt, vor meine person nichts daraus machte, denn mein Bruder und ich stimmen ohne dem in unser Temperamenten zwar in etwas, jedoch nicht vollkommen überein.
Dieses Feuerwerck währete also bis gegen den Tag, als es ohngefehr 2. bis 3. Uhr war. Da es nun zum Ende, wurden abermals 50. kanonen von unsern Schiffen gelöset, 6. Bomben in die See gespielet, und von der Musqueterie 3. mahl Feuer gegeben. Hiermit hatte die Comœdie ein Ende, und wir begaben uns zurück unter die Zelter, da denn bestellter massen glüender Wein, Chocolade, Caffée und Tée in gröstem Uberflusse anzutreffen war, und es durffte ein jedes sich nur an dieselbige Taffel begeben, oder fordern, was nach seinem Appetite war. Nächst dem waren auch Taffeln anzutreffen, worauf kalter Wein, allerlei kalt Gebratenes, Bisquit, Confituren, Obst und dergleichen stunden, welches alles sich unsere lieben Gäste, einer vor dem andern, wohl zu Nutze machten.
Indem die Sonne aufging (bei welcher gelegenheit wir allezeit die Art hatten, von jedem Schiffe 3. kanonen lösen zu lassen, wobei sich die Feld-Musique weidlich hören liess) trat der Gouverneur auf