zu gast laden, anbei vernehmen, welchen Tag er uns die Ehre seines Zuspruchs gönnen wolte, damit wir uns einiger maassen darnach richten könnten.
Als der Lieutenant zurück kam, brachte er zur Antwort, dass der Gouverneur benebst den Seinigen gleich Ubermorgen uns eine freundliche Visite geben wolten; deswegen rufften wir von unsern und den Portugiesischen Schiffen alle zusammen, die sich aufs Schlachten, Braten, Kochen, Backen Zurichtung des Confects und dergleichen verstunden, zusammen, brachten auch wild und zahm Fleisch, wie nicht weniger die delicatesten Sorten von Fischen, so wohl aus der See, als aus den auf der Insul befindlichen Teichen und Bächen in gröster Menge herbei, indem der Gouverneur meinen Leuten erlaubnis geben lassen, auf der ganzen Insul herum, sich so viel wild zu schiessen, und so viel Fische zu fangen, als sie nur immer verzehren könnten, indem an allen beiden gnugsamer Uberfluss vorhanden wäre.
Am bestimmten Tage hielt der Gouverneur sein Wort, kam mit seiner Gemahlin, Töchtern und Söhnen in leichten offenen Wagens. Hinter welchen auch noch 6. zugemachte Wagens, in welchen sich Frauenzimmer befand, die Officiers und Cavaliers aber kamen zu Pferde. Dieses geschahe ungefähr um 11. Uhr.
Ich hatte unter 6. Zeltern, deren Wände in die Höhe gezogen waren, grosse Taffeln aufrichten lassen, an deren jeder bis 30. Personen sitzen konnten, allein, es wurden kaum 4. Taffeln recht völlig besetzt.
So bald wir den Gouverneur nebst seinem Gefolge ankommen sahen, wurden auf unsern Schiffen zu erst 50. kanonen gelöset, unsere und die Portugiesische Mannschafft aber, die am Ufer postirt stunde, gab aus dem Hand-Gewehr eine herrliche und accurate Salve. Da der Gouverneur nebst den Seinigen ausstiegen, wurden zum andern mahle 50. kanonen abgefeuert, auch die zweite Salve aus Musqueten gegeben, und als wir uns nach vielen gewechselten Complimenten zu Tische setzten, die dritte Salve aus kanonen und Musqueten gegeben, worauf denn jedesmahl von der Citadelle geantwortet wurde.
Es ist die Wahrheit, dass wir sehr propre tractirten, denn die Abwechselung der speisen war ganz unvergleich, so, dass so wohl der Gouverneur, als seine Gemahlin sich höchlich darüber verwunderten, und zu vernehmen gaben, wie sie nimmermehr vermeinet, dass See-Leute alles so accurat und delicat einrichten könnten. Wir entschuldigten uns mit unserer Schwachheit, solche hohe Personen, zumahlen im freien feld, nicht nach guten Willen und Vermögen tractiren zu können, baten also dissmahl den guten Willen vor die Tat anzunehmen. Immittelst ging der Gesundheitsund Freuden-Pocal lustig herum, wobei die kanonen tapffer gelöset wurden, und die Paucken und Trompeten liessen sich aufs tapfferste hören. Der Gouverneur, seine Gemahlin und deren Kinder bezeigten sich ungemein vergnügt, und die Gouverneurin so wohl, als ihr Gemahl, contestirten hoch und teuer, dass sie seit vielen Jahren her keine Mahlzeit mit grösserem Vergnügen eingenommen hätten, worin ihre Töchter und Söhne mit einstimmeten.
Wir sassen bis 4. oder 5. Uhr bei Taffel, da denn der Gouverneur sich ausbat, dass wir ihm, weil er des Sitzens überdrüssig, unsere Schiffe zu besichtigen erlaubnis geben möchten. Demnach führeten wir die ganze Svite hinunter in die Schiffe, wobei wir den Gouverneur den Antrag taten: ob ihm mit dem Barbarischen blessirten Schiffe gedient sei, weil es ein sehr schönes, starckes Schiff wäre, nur aber einiger Ausbesserung von nöten hätte, indem es von uns ziemlich durchlöchert worden, welches alles aber bald ausgebessert werden könnte; wir aber, indem wir keine ledige Schiffe mehr brauchten, sondern uns dieselben nur zur Last gereichten, wolten keine Mühe und Arbeit daran wenden, vielweniger die edle Zeit verspielen, und uns an unserer weitern Reise versäumen, sondern es Sr. Excell. umsonst zurücke lassen. Der Gouverneur visitirte selbst das ganze blessirte Schiff, und sagte: Meine Brüder! das ist noch ein vortrefflich schönes und starckes Schiff, wollet ihr mir dasselbe hier lassen, so tut ihr mir einen Gefallen, denn es ist noch lange nicht tödlich blessiirt, aber umsonst verlange ich es nicht, sondern will mich um den Preiss schon mit euch vergleichen, und sogleich Anstallten machen lassen, dasselbe auszubessern, denn ich verhoffe es noch tüchtig und wichtig zu nutzen. Wir sagten, Se. Excell. möchten nur gleich Dero Leuten Ordre geben, das Schiff auszubessern, im übrigen wolten wir schon darüber mit einander eins werden.
ungefähr 3. Stunden hatten wir alle mit Besichtigung der Schiffe zu gebracht, da denn nicht allein der Gouverneur, sondern auch alle Insulanische Officiers unsere gemachte gute Ordnung, die starcke Besatzung, benebst der Artollerie und Vorrat von HandGewehr aufs hefftigste bewunderten, indem sie, wie sie sagten, nimmermehr vermeinet, dass die Schiffe solche erstaunliche Lasten tragen könnten, denn die unzähligen Kisten, Kasten und Ballen fielen ihnen in die Augen. Also sagte der Gouverneur noch: Meine Brüder! ich sehe, dass ihr reiche Leute seid, und es besser habt als ich, der Himmel behüte euch nur vor Sturm und andern Unglücke, damit ihr den Hafen eures Vergnügens glücklich erreicht.
Es mochte ungefähr Abends um 7. Uhr sein, als wir wieder aus den Schiffen herauf stiegen, und da höreten wir die kanonen so wohl auf unsern Schiffen tapffer sausen, worauf die Musqueterie und Feld-Musique sich ebenfalls hören liess.
So bald wir also ans Land gestiegen, wurden die 4. kanonen abgefeuret, welche wir dem Gouverneur zum Geschencke bestimmt hatten, und um dieselben