und die Seel-Messe gelesen, hernach eine Parentation in lateinischer Sprache gehalten; worauf denn nochmahls Musique gemacht, und die Leiche in die Grufft gebracht wurde, da denn auf gegebenes Signal, abermals 24. kanonen von der Citadelle, und eben so viel von unsern im Hafen liegenden Schiffen zu hören; worauf alle Cavalleristen und Infanteristen zu 3. mahlen Salve gaben.
Endlich machten die Herrn Geistlichen den Schluss, mit ihren toten-Gesängen, weswegen wir auf des Gouverneurs Bitten, uns in dessen Behausung begaben, und unsere Mannschafft wieder zurück marchiren liessen, nachdem noch 24. kanonen-Schüsse von der Citadelle, und eben so viel von unsern Schiffen gehöret, auch so wohl von der Cavallerie als Infanterie drei Salven gegeben worden.
In des Gouverneurs Behausung traffen wir eine wohl besetzte Taffel an, welcher wir uns ungeachtet es schon über Mitternacht war, bedieneten, jedoch nicht länger dabei sitzen blieben, als bis gegen Tages-Anbruch, da denn wir beiden Brüder und die Portugiesischen Capitains von dem Gouverneur, seiner Familie und allen noch anwesenden Gästen Abschied nahmen, und uns Reisefertig nach unsern Schiffen machten.
Der allzu gütige Gouverneur wolte uns durchaus nicht von sich lassen, sondern nötigte uns beiden Brüder, nur noch so lange bei ihm zu bleiben, bis wir vollkommen curirt wären; da wir ihm aber vorstelleten, dass nicht allein einige kleine Desordres auf unsern Schiffen passirten, hiernächst wir auch wegen der gefangenen Barbaren und erbeuteten Guter Disposition machen müsten; liess er uns endlich passiren, und in einer Chaise, die mit 6. Pferden bespannet war, fortbringen, wobei wir 2. Compagnien Reuter, und die ordinaire Infanterie-Wache, welche am Strande abzulösen pflegte, zur Escorte hatten.
Wir gelangeten also, nachdem wir alle bei dem Gouverneur noch ziemlich gebechert hatten, gegen Abend auf unsern Schiffen an, und fanden alles in behöriger Ordnung, denn mein Lieutenant war in Wahrheit ein rechter Mann.
Des andern Tages liessen wir die Portugiesischen Capitains ruffen, um mit uns auf die Barbarischen Schiffe zu gehen, und die Beute zu teilen. Sie kamen; und da fanden wir auf allen dreien Schiffen, 2. und eine halbe Million an geprägten gold- und silbernen allerlei Müntz-Sorten. Hiernächst 3. und einen halben Centner Gold-Barren. Ferner an gutem gediehenen, wie auch andern bereits verarbeiteten Silber 8. Centner und etliche Pfund. Noch ferner:
86. Ballen Scharlach auch sonsten allerlei couleurtes Tuch, und zwar von den allerfeinsten Sorten.
102. Ballen schlechteres Tuch von allerhand Couleuren.
216. Ballen allerlei Sorten Türckischer Zeuge, als Gold- und Silber-Mor, Damast, Attlas, Daffent, Cattun und dergleichen.
Von andern Kleinigkeiten, als mancherlei SchiffsGeräte, Kleidungs-Stücken, Leinewand, so wohl feine als schlechtere, die sonderlich zum Seegel-Tuch brauchbar, will keine weitläufftige Specification machen, indem wir diesen Plunder alle, (wie hernachmahls geschahe, in 2. Hauffen teileten, und darum loseten) noch ferner erbeuteten wir:
96. teils metallene, teils eiserne kanonen.
640. Centner gut Pulver.
Stück- und Flinten-Kugeln eine grosse Menge, die wir zu zählen uns nicht einmal die Mühe nahmen, sondern dieselben auf Hauffen wurffen. 500. Kisten von allerlei Sorten Zucker. 400. Centner Caffee-Bohnen. 600. Centner Tee de bois und andere Arten von Tee.
An Victualien, als nämlich an Zwieback, Brod, geräucherten und eingesaltzenen Fleische, geräucherten und eingesaltzenen Fischen, Reiss, auch allerlei andern Geträyde, Butter, Käse und dergleichen, fanden wir eine solche Menge, dergleichen wir uns auf diesen 3. Räuber-Schiffen nimmermehr vermutet hätten. Ingleichen geriet uns eine starcke Anzahl Wein-Fässer, die mit den aller delicatesten, mittelmässigen auch schlechteren Sorten von Weinen angefüllet waren; weiter, eine Entsetzens-würdige Menge vollgefüllter Brandteweins-Fässer in die hände, weilen die Barbaren den Brandtewein unmenschlich stark trincken.
Endlich traffen wir noch an: 316. Stück gute brauchbare Büchsen und Flinten, 600. Paar Pistolen und noch eine stärckere Anzahl neuer und noch ungebrauchter Säbel.
Ich will mich (fuhr der kapitän Horn in seiner Rede fort) mit Meldung aller geringschätzigen Sachen, wie ich schon gesagt, Ihnen nicht verdrüsslich machen, und nur so viel sagen, dass wir alles, was etwa noch Geldes wert war in 2. gleiche Hauffen teileten, und mit denen Portugiesen darum loseten. stunden selbst, dass sie ohne die Blessirten, eine starcke Anzahl ihrer Cameraden eingebüsset hätten, nicht so wohl die auf ihren Schiffen, sondern hauptsächlich die von den Sturm-Leitern oder Stegen herunter geschossen, auch auf unsern Schiffen massacrirt worden.
Hiernächst fanden wir auf allen 3. feindlichen Schiffen 37. gefangene Christen-Sclaven, u. zwar ihrer 4. weiblichen, und die übrigen männlichen Geschlechts. Die meisten Männer waren an die RuderBäncke geschlossen; die übrigen aber mussten unten im Schiffe die allerbeschwerlichste Arbeit verrichten. Hergegen wusten die 4. Frauenzimmer, welches eine Christliche schiffes-Capitains Frau mit ihrer 16. jährigen Tochter und zweien Mägdgens waren, eben nicht sonderlich sich über die Barbaren und deren Aufführung zu beschweren, denn sie hätten ihnen, wenn man sie nach Gibraltar liefern würde, 40000. Tlr. vor ihre Freiheit zu zahlen versprochen, und diese, nämlich die Barbaren, hätten ihnen auch solches so bald als es möglich wäre, angelobet; allein dieser Streit mit uns, hätte sie von