Eifersucht, den Eigensinn und den Eckel bei Seite setzen, denn weil wir hiesiges Orts keiner weltlichen Obrigkeit unterworffen sind, auch leichtlich von Niemand beunruhiget zu werden fürchten dürffen, so können wir uns gesetz nach eigenem Gefallen machen, dem Himmel aber wird kein Verdruss erwecket, weil wir ihm zur Danckbarkeit, darvor, dass er uns von allen Menschen abgesondert hat, eine ganz neue Colonie erzeugen.
Monsieur van Leuven schüttelte den Kopff noch weit stärcker als vorher, und gab zur Antwort: Mons. Lemelie, ihr erzürnet den Himmel mit dergleichen sündlichen Reden. Gesetzt aber auch, dass dieses, was ihr vorgebracht, vor Göttlichen und weltlichen Rechten wohl erlaubt wäre, so kan ich euch doch versichern, dass ich, so lange noch Adelich Blut in meinen Adern rinnet, meine Concordia mit keinem Menschen auf der Welt teilen werde, weil sie mir und ich ihr allein auf Lebens-Zeit beständige Treue und Liebe zugeschworen.
Concordia vergoss mittlerzeit die bittersten Tränen, schlug die hände über den Kopffe zusammen, und schrye: Ach grausames Verhängniss, so hast du mich denn aus dem halb überstandenen tod an solchen Ort geführt, wo mich die Leute an statt einer allgemeinen Hure gebrauchen wollen? O Himmel, erbarme dich! Ich vor meine person hätte vor Jammer bald mit geweinet, legte mich aber vor sie auf die Knie, und sagte: Madame, ich bitte euch um GOttes willen, redet nicht von allen, da ihr euch nur über eine person zu beschweren ursache habt, denn ich ruffe GOtt und alle heiligen Engel zu Zeugen an, dass mir niemals dergleichen frevelhaffte und höchst-sündliche gedanken ins Hertz oder Haupt kommen sind, ja ich schwere noch auf jetzt und folgende Zeit, dass ich eher dieses Stillet selbst in meinen Leib stossen, als euch den allergeringsten Verdruss erwecken wolte. Verzeihet mir, guter Albert, war ihre Antwort, dass ich unbesonnener Weise mehr als einen Menschen angeklagt habe. GOtt weiss, dass ich euch vor redlich, keusch und tugendhafft halte, aber der Himmel wird alle geilen Frevler straffen, das weiss ich gewiss. Worauf sich aus ihren schönen Augen ein neuer TränenStrohm ergoss, der den Lemelie dahin bewegte, dass er sich voller Trug und List, doch mit verstellter Aufrichtigkeit, auch zu ihren Füssen warff, und folgende Worte vorbrachte: Madame, lasset euch um aller Heiligen willen erbitten, euer Betrübniss und Tränen zu hemmen, und glaubet mir sicherlich, alle meine Reden sind ein blosser Schertz gewesen, vor mir sollet ihr eure Ehre unbefleckt erhalten, und wenn wir auch 100. Jahr auf dieser Insul allein beisamen bleiben müsten. Monsieur van Leuven, euer Gemahl, wird die Güte haben, mich wiederum bei euch auszusöhnen, denn ich bin von natur etwas frei im Reden, und hätte nimmermehr vermeinet, euch so gar sehr empfindlich zu sehen. Er entschuldigte seinen übel geratenen Schertz also auch bei Mons. van Leuven, und nach einigen Wort-Wechselungen wurde unter uns allen ein vollkommener Friede gestifftet, wiewohl Concordia ihre besondere Schwermut in vielen nachfolgenden Tagen noch nicht ablegen konte.
Wir brachten die auf selbigen streitigen Abend eingebrochne Nacht in süsser Ruhe hin, und spatzirten nach eingenommenen Frühstück gegen Süden um die See herum, traffen abermals die schönsten Weinberge und Metall in sich haltende Steine an, wie nicht weniger die Saltz-lachen und Berge, welche ihr heute nebst mir in dem Stephans-Raumer feld besichtigt habt. Allhier konte man nicht durch den Arm des Flusses kommen, indem derselbe zwar eben nicht breiter, doch viel tieffer war als der andere, durch welchen wir vorigen Tages ganz gemächlich hindurch waden können. Demnach mussten wir unsern Weg wieder zurück, um die See herum, nach demjenigen Ruhe-platz nehmen, wo es sich verwichene Nacht so sanfft geschlaffen hatte. Weil es aber annoch hoch Tag war, beliebten wir etwas weiter zu gehen, setzten also an einem seichten Orte durch den Fluss, und gelangeten auf gegenwärtigem Hügel, der jetzt meine so genannte Alberts-Burg und unsere Personen trägt.
Dieser mitten in der Insul liegende Hügel war damals mit dem allerdicksten, wiewol nicht gar hohem, Gepüsche bewachsen, indem wir nun bemühet waren, eine bequeme Ruhe-Städte daselbst auszusuchen, gerieten Mons. van Leuven, und Concordia von ungefähr auf einen schmalen durch das Gesträuche gehauenen Weg, welcher dieselben in eine der angenehmsten Sommer-Läuben führte. Sie rieffen uns beide zurückgebliebenen dahin, um dieses angenehme Wunderwerck nebst dessen Bequemlichkeit mit uns zu teilen, da wir denn sogleich einstimmig bekennen mussten, dass dieses kein von der natur, sondern von Menschen Händen gemachtes Werck sein müsse, denn die Zacken waren oben allzukünstlich, als ein Gewölbe zusammen geflochten, so dass, wegen des sehr dick auf einander liegenden Laubwercks, kein Tropffen wasser durchdringen konte, über dieses gab der Augenschein, dass der Baumeister vor diesen an 3en Seiten rechte Fenster-Löcher gelassen, welche aber nunmehr ganz wild verwachsen waren, zu beiden seiten des Eingangs hingegen, stunden 2. oben abgesägte Bäume, deren im Bogen geschlungene Zweige ein ordentliches Tür-Gewölbe formirten.
Es war in diesem grünen Lust-Gewölbe mehr Platz, als 4. Personen zur Not bedurfften, weswegen Mons. van Leuven vorschlug, dass wir sämtlich darinnen schlaffen wolten, allein Lemelie war von solcher unerwarteten Höfflichkeit, dass er so gleich heraus brach: Mons. van Leuven, der Himmel hat euch beiden Verliebten aus besonderen vorbedacht zuerst in dieses angenehme Quartier geführt, deswegen brauchet