, und um den Sarg herum sehr viele Mayen in die Erde gepflantzet, auch 12. schiffes-Jungen commandirt, welche die Fliegen von der Leiche hinweg weddeln mussten. Des Tages über machten wir unsern Leuten ein Wohlleben, und gaben ihnen das beste Essen und Trincken, da es aber ungefähr um 2. Uhr Mittags war, kam der Gouverneur mit etlichen seiner Officiers in vielen Wagens zu uns gefahren. Weilen wir nun einen Prophetischen Geist gehabt, und gleich in der Frühe 12. grosse Zelter aufschlagen, auch gnugsame Stühle und Tische hinein setzen lassen; so stiegen alle ab, und begaben sich, nachdem sie die Leiche und das Parade-Bette, worunter rote Lackens ausgebreitet waren, und welche am Ufer stunde, wohl betrachtet hatten, in die Zelter. Der gütige Gouverneur, welcher die Redlichkeit selbsten war, sagte zu mir: Meine lieben Brüder! wenn ihr mir einen eintzigen Gefallen tun wollet, so setzet mir und meinem Comitat heute nichts vor, als ein gut Glass Wein und Bisquit, denn es ist heute nicht de tempore, dass wir schmausen, aber wenn ihr erstlich auf meinem schloss völlig ausgeheilet seid, so will ich mir einen Tag ausbitten, euch zu beschmausen, weilen ich weiss, dass ihr keine Hungerleider seid, und da wollen wir uns recht lustig machen.
Wir versprachen dem Gouverneur, seiner Ordre, und zwar bei dermahligen Umständen, Gehorsam zu leisten, liessen aber doch bei dem aller delicatesten Canari-Sect, nicht allein Bisquit sondern auch allerhand Confituren, ingleichen wild und zahm kalt Gebratenes, der besten geräucherten und gebratenen Fische, auch eingemachte und uneingemachte allerlei Früchte im Uberfluss bringen, woran sich unsere Gäste vor dissmahl so wohl delectirten, als ob sie alle an des Gouverneurs Tafel gesessen hätten. Im übrigen, da ein jeder nach seinem Appetite von diesem oder jenem nahm, was ihm beliebte, ging alles stille zu, bis gegen Untergang der Sonnen; da denn der Gouverneur, indem er einen kanonen-Schuss von seiner Citadelle hörete, mich und meinen Bruder zu sich ruffte, und sagte: Kinder! ich habe die Losung gehöret, meine Leute werden abgeredter maassen bald kommen, deswegen macht Anstalten zum LeichenConduct.
Indem kam die schwartze Guarde, nämlich die Geistlichkeit mit ihrem Creutz und Fahnen angezogen, und lagerte sich seitwärts, rechter Hand. Wir schickten ihnen ein Fass Canari-Sect und allerlei Erfrischungen zu, mein Bruder aber gab seinem Fähndriche 1. Sack der mit ganzen Pistoletten, 1. Sack mit halben Pistoletten, 1. Sack mit spec. Talern, und etliche Säcke die mit Gulden angefüllet waren, zur Verteilung unter die Geistlichen, demnach bekamen die vornehmsten Geistlichen, nach ihrem charakter, teils 3. teils 2. teils 1. ganze Pistolette.
Die Gymnasiasten, jeder 1. spec. Taler.
Die Studenten, jeder 1. halbe Pistolette.
Hierauf kam das Cavallerie-Regiment, welches sich lincker Seits postirte, und zwar ohne Musique, welchem ebenfalls etliche Fässer Wein zugeschickt wurden, und mein Bruder liess einem jedem Reuter 1. spec. Taler, einem Unter-Officier aber 2. spec. Taler einhändigen. Die Ober-Officiers aber bekamen vorjetzo nichts; folgendes Tages hingegen der Obriste 10. ganze Pistoletten, der Obriste-Lieutenant 8. der Major 6. ein jeder Rittmeister 4. ein jeder Lieutenant und Cornet nur 3. ganze Pistoletten, die jedem in einem Billet versiegelt zugeschickt wurden.
Bald hernach kam das Infanterie-Regiment, bei welchem die Austeilung des Geldes eben also geschahe, als bei dem Cavallerie-Regimente.
Endlich ruckten 2. Insulanische Granadier-Compagnien an, welche eben das Præsent bekamen, als die Cavallerie und Infanterie.
Mein Bruder gab sich selbst die Mühe, die Leute von unsern Schiffen zu langen, und in Ordnung zu bringen, da er denn 120. Mann von seinem, und eben so viel von meinem Schiffe brachte, und dieselben nach der gemachten Disposition rangirte und einteilete.
So bald die Sonne Abschied genommen, erinnerte der gütige Gouverneur, dass es nunmehr Zeit wäre, den Leichen-Conduct anzufangen, demnach wurde nach seiner gemachten Disposition die Leiche erstlich auf den Leichen-Wagen gesetzt, bei welchem auf beiden Seiten 12. Insulanische Ober-Officiers und eben so viel Unter-Officiers hergingen. So bald die Clerisei und die Miliz in Ordnung gebracht, wurde eine auf dem land stehende Canone gelöset, welches das Signal war; hierauf wurden von unsern und den Portugiesischen Schiffen 24. kanonen abgebrannt, worauf von der Citadelle mit 24. kanonen geantwortet wurde, und alle Mannschafft, so Infanterie als Cavallerie, gaben eine general-Salve. Sodann ging der March fort. Die Clerisei sung recht charmante Lieder, und es ging alles ganz douçement, weilen die Trompeter der Cavallerie die Serdinen eingesteckt und die Paucker so wohl als die infanterischen Tambours, ihre Trommeln gedämpfft hatten. Wir kamen also ungefähr um 9. Uhr Abends vor dem StadtTore an, da denn auf der Citadelle 24. kanonen gelöset, von unsern Schiffen aber mit eben so vielen geantwortet wurde.
Als wir vor der Haupt-Kirche anlangten, wurden abermals 24. kanonen gelöset, da denn unsere Schiffe, mit eben so vielen repondirten. Es wurde in dieser Kirche über eine halbe Stunde lang ungemein schön figurirt und musicirt, welches mir wohl ins Gehör fiel; hernach trat ein Probst auf, welcher dem Verstorbenen eine gelehrte und admirable LeichenPredigt hielt. Nach diesem war wieder Musique