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sich um, ging auf dem ganzen platz herum, und brüllete ganz erschröcklich, woraus man schliessen konte, dass er Victoria! ruffte; Allein seine Grossmut wurde bald gedemütiget, indem 3. der allergrösten Hunde zu ihm in die Schrancken gelassen wurden, welche ihm dergestalt zusetzten, dass er endlich matt ward, und darnieder fiel, doch hatte er vorher erst einen Hund getödtet, den andern tödlich blessirt, der dritte Hund aber blieb gesund und frisch, ungeachtet er dem Ochsen heftig zugesetzt hatte.

Nach diesem wurden 2. Leoparden und 4. wilde Esel in die Schrancken gelassen, da man sich denn über die wunderlichen Fechter-Sprünge der letzteren fast hätte mögen schäckig lachen. Sie gaben den Leoparden manche tüchtige Schläge, (denn sie waren beschlagen) an die Köpfe, Brüste und Bäuche, allein sie wurden binnen einer Stunde dennoch von den Leoparden in kurz und kleine Stücken zerrissen. Hierauf wurden 4. Bären in die Schrancken gelassen, welche ebenfals wunderliche Täntze machten, und sich über eine Stunde lang tapffer wehreten, allein es half ihre Gegenwehr nichts, sondern sie wurden von den Leoparden zerrissen, die aber, indem sie von den Bären viele Bisse bekommen, ganz ohnmächtig zu Boden suncken. Demnach wurde ein Tyger und 2. wilde Pferde, die wohl beschlagen waren, in die Schrancken getrieben, allein es verlief keine Stunde, da der Tyger alle beide Pferde zu tod gebissen hatte, ungeachtet sie sich heldenmütig gewehret, und dem Tyger unzählige Schläge mit ihren Hufeisen beigebracht, wovon derselbe so wohl, als die Leoparden, ohnmächtig zu Boden sanck und liegen blieb.

Hierauf wurden 24. Hunde, von verschiedener Grösse, nebst einer gewaltigen Anzahl von Affen, Füchsen, wilden Katzen, und noch andern kleinern Tieren, in die Schrancken gebracht; demnach entstund eine solche Kater-Jagd, dass wir uns alle vor lachen hätten ausschütten mögen. Endlich nahm das Spiel ein Ende, nachdem nicht mehr als 3. Hunde, ein alter Affe und 2. wilde Katzen noch auf dem platz lebendig zu sehen waren. Wir begaben uns demnach zur Tafel, schwärmeten noch bis gegen Mitternacht unter Trompeten- und Paucken-Schall beim Canari-Sect, und begaben uns hernach sämmtlich zur Ruhe.

Folgenden Tages lebten wir noch herrlich und in Freuden, aber des nächst folgenden nahmen so wohl wir Brüder, als die Portugiesischen Capitains, in aller Frühe von dem Gouverneur und seiner Familie, auch allen noch anwesenden Gästen Abschied, und begaben uns auf die Reise nach unsern Schiffen, weil wir beiden Brüder vorschützten, dass wir eine und andere wichtige Verrichtungen und sonderlich wegen des Leichen-Conducts hätten. Es hatte aber der liebreiche Gouverneur das Project zum Leichen-Conduct also gemacht:

1.) Die Gymnasiasten mit vorgetragenem Creutz

und Fahnen.

2.) Die Studenten.

3.) Die ordinirte Clerisei.

4.) 1. Regiment Insulanischer Cavallerie.

5.) 1. Regiment Insulanischer Infanterie.

6.) Portugiesen, so viel als beliebig.

7.) Holländer, so viel als beliebig.

8.) Eine Insulanische Granadier-Compagnie.

9.) Der Leichen-Wagen, bei dem 6. Marschälle

hergehen.

10.) Eine Insulanische Granadier-Compagnie.

11.) Portugiesen, so viel als beliebig.

12.) Holländer, so viel als beliebig.

13.) 1. Regiment Insulanischer Infanterie.

14.) 1. Regiment Insulanischer Cavallerie.

15.) Der Gouverneur dieser Insul in einem Trauer

Wagen mit 6. Pferden bespañt.

16.) zwölf mit 4. Pferden bespannete Trauer-Wa

gens, worin Insulanische Officiers und Cava

liers sitzen.

17.) 1. Insulanisch Regiment Infanterie.

18.) 1. Insulanisch Regiment Cavallerie.

Mein Bruder und ich betrachteten wohl, dass dieses ein prächtiges Leich-Begängniss werden würde, und wir uns par generositee nicht verdrüssen lassen dürfften, etwas daran zu spendiren, zumahlen da mancher General nicht so pompeus, als unser Lieutenant beerdiget würde. Allein mein Bruder und ich machten uns dieserwegen wenig Sorgen, sondern bedachten, dass es besser sei, uns auf dieser Insul genereus aufzuführen, als den Barbaren 1. oder 3. Tonnen Goldes hin zu geben, oder wohl gar in Furchten zu schweben, von ihnen rein ausgeplündert und massacrirt zu werden. Demnach beredeten wir uns 3. mit spec. Tlr. und eben so viel mit Gulden angefüllete Kisten zu eröffnen, um den Insulanischen Officiers und Gemeinen vor erst einen kleinen Recompens zu geben.

Wir gelangten gegen Abend unter Escorte einer Insulanischen Esquadron Dragoner auf unsern Schiffen an, und bald darauf schickte der Gouverneur den Sarg, das toten-Kleid und andern Zubehör nebst 2000. Pech-fackeln, denn er hatte sich anders resolvirt, und wolte, damit es desto prächtiger liesse, dass die Leiche erst Abends, wann es finster geworden, in der Stadt vor der Haupt-Kirche anlangen sollte. Der Sarg war von Cedern-Holtze, mit ungemein artigen, schönen Stücken von Bildhauer-Arbeit von aussen gezieret, inwendig aber mit roten Sammet ausgeschlagen, und das Haupt-Küssen war Himmelblau, das toten-Kleid aber von weissen Atlas, stark mit goldenen Tressen besetzt. Wir hielten die ganze Nacht hindurch schiffes-Rat, und besorgten alles, was noch in Ordnung zu bringen war. Früh Morgens wurde die Leiche im Sarge, der 12. verguldete Rinkken hatte, am Ufer auf einem Parade-Bette ausgesetzt